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Preiskampf im Möbelhandel:Gegen den Billigwahn

Die deutschen Möbelhersteller überbieten sich zurzeit in immer absurderen Preisnachlässen. Die Konsequenz: Viele Verkäufer setzen auf billige Importwaren. Die Strategie ist nicht existenzbedrohend, dennoch setzt die Möbelindustrie im Kampf gegen die "Verramschung" auf die Hilfe der EU-Kommission.

Das Spiel läuft das ganze Jahr, aber im Moment geht es wieder einmal besonders hoch her im Möbelhandel: Wer bietet einen höheren Rabatt? Und fast alle machen mit. Höffner beispielsweise, mit einem Umsatz von mehr als zwei Milliarden die Nummer zwei im Land hinter Ikea lockt mit dem Versprechen, den Kunden die Mehrwertsteuer "zu schenken" - was einem Preisnachlass von knapp 16 Prozent entspricht.

Konkurrent XXLLutz, die Nummer drei der Branche, legt noch etwas drauf: zur "geschenkten Mehrwertsteuer" gibt es einen "Extrarabatt" von fünf Prozent. Beim Mitbewerber Segmüller erhält jeder, der für mehr als 3000 Euro Möbel, Küchen oder Matratzen kauft, 1000 Euro "geschenkt". Und wer in diesen Tagen bei regionalen Ketten wie Schaffrath oder Knuffmann einkaufen möchte, sollte vorher erst einmal in den Kalender schauen. Denn an bestimmten Tagen räumen die Möbelhäuser Rabatte von bis zu 50 Prozent ein, die sonst angeblich nur Mitarbeitern gewährt werden.

Elmar Duffner, sonst ein besonnener Mann, treibt es die Zornesröte ins Gesicht, wenn er solche Angebote liest. "Verramschung", sagt Präsident des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM) dazu. Die Leidtragenden sind häufig die heimischen Hersteller. Um im Kampf um die niedrigsten Preise mitzumachen, setzen viele Verkäufer auf billige Importwaren. Beispielsweise aus China. Doch nachdem die Fertigung dort in den vergangenen Monaten deutlich teurer geworden ist, schwenken die Importeure um. "Indien und Thailand sind neuerdings besonders beliebte Einkaufsquellen", beobachtet Duffner. Dagegen waren die Einfuhren aus China im ersten Halbjahr um mehr als neun Prozent niedriger als in den ersten sechs Monaten 2012.

In Zeiten gut gefüllter Auftragsbücher ist die Preispolitik des Möbelhandels für die deutsche Industrie allenfalls ärgerlich. Aber nicht existenzbedrohend. Denn in vielen Fällen sorgt ein florierender Export für einen Ausgleich. Doch auch davon ist derzeit nichts zu spüren. Von Januar bis Juni haben ausländische Kunden für 4,8 Prozent weniger Waren bestellt. Das Geschäft mit vielen EU-Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden war sogar in zweistelligen Raten rückläufig.

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