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Portugal:Kassenbon-Lotterie gegen die Schattenwirtschaft

Die Aussicht auf Luxusautos und Geldpreise soll in Portugal den "steuerlichen Bürgersinn" fördern und Schwarzarbeit reduzieren. Die Regierung plant ein ganz besonderes Gewinnspiel: Gezogen werden keine Zahlen, sondern korrekte Rechnungen.

Mit einer Kassenbon-Lotterie will Portugal künftig die blühende Schattenwirtschaft im Land bekämpfen. Die Mitte-Rechts-Koalition beschloss in Lissabon die Einführung von wöchentlichen Verlosungen unter jenen Bürgern, die nicht vergessen, beim Einkauf und von Dienstleistern eine Rechnung mit eingetragener Steueridentifikationsnummer zu verlangen.

Man wolle mit dieser Maßnahme den "steuerlichen Bürgersinn" fördern, erklärte Präsidentschaftsminister Luís Marques Guedes nach einer Kabinettssitzung. Um Steuerzahlungen zu umgehen, kassieren Unternehmer in Portugal besonders häufig ohne Beleg. Der Umfang der Schattenwirtschaft wird von Experten inzwischen auf mindestens 27 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Zu dem Anstieg hat auch die Anhebung der Mehrwertsteuer auf 23 Prozent im Rahmen der Sanierungsmaßnahmen beigetragen.

Details der Verlosungen, die von Anfang April an stattfinden sollen, wurden zunächst nicht bekannt. Nach Berichten der Zeitungen Diario de Notícias und Público will die Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho die Portugiesen vor allem mit Luxusautos und Bargeld als Preisen im Gesamtwert von zehn Millionen Euro jährlich "erziehen". Im September hatte die Slowakei ebenfalls eine Kassenbon-Lotterie eingeführt, um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu bekämpfen.

© Süddeutsche.de/dpa/sks/dmo
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