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Porsche:Wendelin Wiedeking - Ärger mit der Justiz

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wendelin Wiedeking: Der ehemalige Porsche-Chef soll die Börse zu spät über den Vorstandswechsel informiert haben.

Die Staatsanwaltschaft geht unter dem Aktenzeichen 154 Js 69208/09 dem Verdacht nach, Wiedeking und Finanzchef Holger Härter hätten den Wechsel im Porsche-Vorstand der Börse "verspätet" mitgeteilt. Wiedeking und Härter mussten am Morgen des 23. Juli, nach einer nächtlichen Aufsichtsratssitzung, ihre Posten räumen. Wiedeking wurde durch Porsche-Produktionschef Michael Macht ersetzt. Bereits sechs Tage vor dem 23. Juli hatten erst der Spiegel und dann weitere Medien berichtet, Wiedeking werde von Macht abgelöst. Laut Gesetz müssen jedoch Informationen, die für den Aktienkurs bedeutsam sind, sofort in einer sogenannten Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht werden.

Wendelin Wiedeking, Foto: dpa

Der langjährige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking beschäftigt die Justiz. Wurde die Ad-hoc-Mitteilung zu spät veröffentlicht.

(Foto: Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erklärte, dass diese Ermittlungen ebenso wie die anderen Untersuchungen noch im Gange seien. Wiedeking und der frühere Porsche-Finanzchef Holger Härter sollen demnach, so der Verdacht der Staatsanwälte, nicht nur den Aktienkurs von VW manipuliert haben, sondern auch die eigenen Kleinaktionäre bei Porsche getäuscht haben. "Ein Ende der Ermittlungen ist derzeit nicht absehbar", hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

Ganz anders als geplant

Damit kommt der in Stuttgart ansässige Sportwagen-Bauer auch vier Monate nach der spektakulären Übernahmeschlacht mit Volkswagen nicht zur Ruhe. Wiedeking und Härter hatten versucht, den um ein Vielfaches größeren VW-Konzern zu übernehmen. Damit waren sie jedoch am Ende gescheitert. Stattdessen übernimmt VW nun Porsche. Die beiden Manager mussten ihre Posten am 23. Juli räumen.

Schon Tage vorher hatten mehrere Medien, darunter auch die Süddeutsche Zeitung, berichtet, dass die Ablösung von Wiedeking beschlossene Sache sei und er durch Macht ersetzt wird. Das hätten die beiden Großaktionäre des Sportwagen-Herstellers, die Familien Porsche und Piëch, vereinbart. Deren Oberhäupter Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch sind Schlüsselfiguren in Stuttgart und Wolfsburg. Sie gehören den Aufsichtsräten beider Unternehmen an. Wolfgang Porsche leitet das Kontrollgremium von Porsche, Piëch den Aufsichtsrat von VW.

"Wir kooperieren mit der Staatsanwaltschaft"

Wolfgang Porsche hatte die Meldungen vom 17. Juli, dass Wiedeking durch Macht ersetzt werde, an diesem Tag entschieden zurückgewiesen. Nach Wiedekings Ablösung erklärte allerdings dessen Stuttgarter Anwalt Jobst-Hubertus Bauer, dass Wolfgang Porsche dem Konzernchef "im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung" schriftlich eine Abfindung von 140 Millionen Euro angeboten hatte. Wiedekings Anwalt erklärte weiter, sein Mandant habe diesen Betrag "unter dem Vorbehalt akzeptiert, dass der Aufsichtsrat die von Wiedeking gewünschte Fortsetzung seiner erfolgreichen Tätigkeit ablehnt". Davon hatten die Kleinaktionäre vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung jedoch nichts erfahren.

Wiedekings Anwalt war mit den Informationen über das Abfindungsangebot an die Öffentlichkeit gegangen, weil IG-Metall-Chef Berthold Huber öffentlich den Vorwurf erhoben hatte, der Porsche-Chef habe 260 Millionen Euro gefordert. Huber gehört dem Porsche-Aufsichtsrat an. Am Ende einigten Wiedeking und der Aufsichtsrat sich auf 50 Millionen Euro.

Beim Ermittlungsverfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wird Wiedeking vom Frankfurter Anwalt Hanns Feigen vertreten. Feigen sagte: "Wir kooperieren mit der Staatsanwaltschaft". Wiedeking weise sämtliche Vorwürfe als "völlig unbegründet" zurück. Auch Porsche widerspricht. Ein vom Sportwagen-Hersteller eingeschalteter Jurist kommt in einem Gutachten zu dem Ergebnis, an den Vorwürfen sei nichts dran. Wiedeking habe bis zu seiner Auswechslung für sein Vorhaben gekämpft, VW zu übernehmen. Falsch sei auch der Verdacht, Wiedeking und Härter hätten den Kurs der VW-Aktie manipuliert, um die finanziellen Risiken bei der geplanten Übernahme von Volkswagen zu begrenzen.

© SZ vom 02.12.2009/mel

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