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Porsche übernimmt VW:Die große Ego-Schlacht

Tausende VW-Mitarbeiter protestieren für den Erhalt des VW-Gesetzes - und noch mehr gegen Porsche. Warum es soweit gekommen ist - in Bildern.

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Tausende VW-Mitarbeiter protestieren am heutigen Freitag für den Erhalt des VW-Gesetzes - und noch mehr gegen Porsche. Warum es soweit gekommen ist - in Bildern.

Es beginnt mit einem Paukenschlag: Im Herbst 2005 übernimmt Porsche 19 Prozent an Volkswagen. Die VW-Papiere schießen nach oben. Die Hoffnung der Börsianer: Vielleicht könnten ihnen VW bald genauso viel Freude machen wie Porsche. VW darbt zu dem Zeitpunkt, Porsche steht hingegen glänzend da.

Doch bei den Mitarbeitern herrscht Aufruhr. VW ist eben kein normales Unternehmen und schon bald muss Porsche feststellen, dass die Wolfsburg ...

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Volkswagen-Verwaltung in Wolfsburg

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... nicht so leicht zu nehmen ist. Politiker, Manager, Mitarbeiter - jeder redet bei VW mit.

Doch nicht allein das erschwert den Einstieg von Porsche. Vielmehr läuft hinter den Kulissen eine einzigartige Ego-Schlacht.

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Das ist der emsige Wendelin Wiedeking, Porsche-Chef. Der Westfale kann mächtig poltern. Zuletzt hat er es allerdings zu oft gemacht: Die VW-Belegschaft misstraut ihm und fürchtet, dass er viele der liebgewonnenen VW-Errungenschaften kurzerhand abschaffen könnte.

Etwa die gute Bezahlung - das VW-Personal verdient dank Haustarifen weit besser als Porsche-Mitarbeiter - und die umfangreichen Mitspracherechte der Belegschaft.

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Daher ist die Großdemonstration der IG Metall vor allem eine Demonstration gegen Wiedeking.

Jüngst keimten erneut Gerüchte auf, dass Wiedeking womöglich abtreten müsse. Es heißt, dass VW-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch selbst an der Ablösung arbeite, weil Wiedeking sich mit seiner forschen Art ins Abseits manövriert haben - und damit Piëchs Vorhaben gefährde.

Selbst drei Jahre nach dem Porsche-Einstieg scheint eine fruchtbare Zusammenarbeit von Porsche und VW unmöglich zu sein.

Für den Sportwagenhersteller wäre ein Abgang Wiedekings indes ein großer Verlust. Er war es, der Porsche vor der Pleite rettete und zu einem Top-Unternehmen aufbaute.

Und: Er ist der Einzige, der Piëch derzeit Paroli bieten könnte - sofern es überhaupt einer kann.

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Piëch will den Zusammenschluss von VW und Porsche durchsetzen, um einen ganz neuen Konzern zusammenzubauen - bestehend aus Volkswagen, Porsche aber auch Scania und MAN. Das Konzerndach soll die neue Porsche Automobil Holding SE bilden. Sie würde bestimmen, was in beiden Unternehmen passiert.

Piëchs Machtwille ist ungeheuer groß, sein Vermögen gewaltig, er hat ein glückliches Händchen - und er scheut den Dolchstoß nicht. Das hatte er ...

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... schon bei dem früheren VW-Chef Bernd Pischetsrieder (re.) bewiesen. Auf Piëchs Betreiben war Pischetsrieders Vertrag im Frühjahr 2006 verlängert worden. Doch bereits im November darauf musste der Vorstandschef gehen. Piëch wollte es so.

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Der Nachfolger Pischetsrieders heißt Martin Winterkorn, der zuvor als Audi-Chef große Erfolge feierte. Er muss sich mit seinem Chef - Piëch - arrangieren und zu dem Draufgänger Wiedeking Abstand halten. Winterkorn fordert, dass der Porsche-Mann ihm zumindest nicht im laufenden Geschäft in die Quere kommt. Andernfalls wolle er "noch am nächsten Tag gehen" - soll er intern gesagt haben.

Groß ist die Furcht, dass sich Wiedeking einfach nimmt, was er gebrauchen könnte. Vor allem die begehrte Audi-Technologie.

Inwieweit Winterkorn künftig mitreden kann, ist unklar. Bislang sei er jedenfalls nicht gefragt worden, ob er einen Platz in der Porsche Holding haben wolle, sagt Winterkorn.

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Seit Juli 2007 ist Wolfgang Porsche Chefaufseher der Porsche Automobil Holding. Wolfgang Porsche ist Sohn von Ferry Porsche und der Cousin von Ferdinand Piëch.

Er gilt als besonnen und soll daher Schlichter in der Schlacht der Ehrgeizlinge sein. Fraglich ist aber, ob er sich gegen Piëch durchsetzen und Wiedeking halten kann.

Formal ist er nun der wichtigste Mann in dem neuen Autokonglomerat - und derjenige, der Porsche und VW trotz des Streits zusammenbringen könnte. Mit Besonnenheit allein dürfte er das allerdings nicht schaffen.

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Derzeit hält Porsche knapp ein Drittel an VW und könnte schon bald auf 50 Prozent erhöhen. Ursprünglich wollte Porsche unter der Marke von 30 Prozent bleiben, weil so das Pflichtangebot an die Aktionäre zur Übernahme hätte unterbleiben können.

Doch dann entschied man sich anders, erhöhte auf mehr als 30 Prozent - und ließ das Pflichtangebot im März 2007 zur Farce werden: Es war lächerlich niedrig - Porsche wollte zu dem Zeitpunkt keine weiteren Aktien kaufen.

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Dass im Herbst 2007 der Europäische Gerichtshof das 47 Jahre alte berühmte VW-Gesetz kippt, war keine Überraschung mehr. Es behindere den freien Kapitalverkehr, sagten die Richter.

Jetzt will EU-Kommissar Charlie McCreevy die nächste Stufe in dem Verfahren gegen die Bundesregierung einleiten, um das Gesetz entsprechend dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von Ende 2007 zu ändern.

Das VW-Gesetz schreibt fest, dass kein Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben darf - selbst wenn er mehr als 20 Prozent der Anteile besaß.

Davon profitiert vor allem das Land Niedersachen. Es hält rund 20 Prozent an VW - und nie konnte bislang ein Aktionär mächtiger werden. Außerdem haben der Bund und das Land Niedersachsen das Recht, je zwei Vertreter in den Aufsichtsrat des Unternehmens zu entsenden.

Im Bild: VW Käfer auf dem Wolfsburger Werksgelände.

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Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff mühte sich, ursprünglich, dem Urteil Positives abzugewinnen. "Die niedersächsische Landesregierung verfolgt das Ziel, dass VW ein erfolgreiches Unternehmen mit einer hohen Anzahl verkaufter Produkte und zufriedenen Mitarbeitern mit sicheren Arbeitsplätzen, insbesondere an den niedersächsischen Produktionsstandorten, ist", sagte er. Jetzt wolle man die Ziele dann eben gemeinsam mit dem neuen Großaktionär Porsche erreichen.

Mittlerweile denkt Wulff offenbar wieder etwas anders über die Sache: Kürzlich bekräftigte er, sein Bundesland wäre notfalls in der Lage, weitere VW-Anteile hinzuzukaufen, um seine Sperrminorität zu behalten.

Dann könnte er Porsche das Leben wieder schwermachen.

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(sueddeutsche.de/hgn/cmat)

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