Drei Wochen vor den Betriebsferien haben die Beschäftigten bei Porsche am Freitag elektronische Post von ihrem Chef bekommen. Der Inhalt dürfte die Sorgen, die sich viele Mitarbeitende des Autoherstellers sowieso schon länger machen, nicht kleiner werden lassen. In der Mail, die der SZ in Auszügen vorliegt, zeichnet Oliver Blume ein düsteres Bild der Lage beim jahrelang so erfolgsverwöhnten Autohersteller aus Zuffenhausen. „Unser Geschäftsmodell, das uns über viele Jahrzehnte getragen hat, funktioniert heute nicht mehr in dieser Form“, schreibt er.
Anfang des Jahres hatte Porsche angekündigt, bis 2029 etwa 1900 Stellen in der Region Stuttgart sozialverträglich abbauen zu wollen. Außerdem werden Verträge mit Leiharbeitern nicht verlängert. Insgesamt sollen so in den kommenden vier Jahren rund 3900 Jobs wegfallen. Da für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Porsche AG noch bis 2030 eine Beschäftigungssicherung gilt, sind betriebsbedingte Kündigungen bis dahin ausgeschlossen – der Konzern muss also auf Freiwilligkeit setzen. Dabei helfen sollen umfangreiche Altersteilzeitangebote, in Einzelfällen zahlt Porsche auch Abfindungen. All das soll zunächst helfen, die Finanzergebnisse für das aktuelle Geschäftsjahr zu sichern.
In dem Schreiben vom Freitag stimmt Oliver Blume die Beschäftigten des Sportwagenbauers allerdings auch auf eine weitere Sparrunde ein. „Die Lage bleibt ernst, und die Branche entwickelt sich sehr dynamisch“, schreibt er. Porsche müsse deshalb flexibel und schnell auf die Veränderungen reagieren. „Im zweiten Halbjahr 2025 verhandeln Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretung von nun an über ein zweites Strukturpaket, um die Leistungsfähigkeit des Unternehmens langfristig abzusichern.“
Ein Unternehmenssprecher betont, diese Verhandlungen seien länger geplant gewesen. Tatsächlich hatte Porsche-Personalchef Andreas Haffner bereits im Februar in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung angekündigt, dass es über die bereits getroffenen Vereinbarungen hinaus eine weitere Sparrunde geben werde. „Dabei geht es um die Frage, wie wir die Arbeitsplätze bis 2030 und gegebenenfalls auch darüber hinaus absichern können“, sagte er damals in einem gemeinsamen Gespräch mit Betriebsratschef Harald Buck. Ob am Ende dieser Verhandlungen noch mehr Arbeitsplätze wegfallen, ist offen. „Es kann nicht nur um Einschnitte gehen, sondern auch um andere Sparmöglichkeiten und um Investitionen“, hatte der Betriebsratschef im Februar gefordert.
„Unsere Rahmenbedingungen haben sich in kurzer Zeit massiv verschlechtert.“
Oliver Blume, der auch VW-Konzernchef ist, betont in seinem Brief: „Bei den Verhandlungen über ein zweites Maßnahmenpaket werden Vorstand und Betriebsrat gemeinsam Lösungen entwickeln.“ Eine wichtige Grundlage dafür sei, dass dies respektvoll, vertraulich und hinter verschlossenen Türen geschieht. Dennoch ist es ein klares Zeichen, dass das Porsche-Management mit so einem Brief rund zwei Wochen vor der Verkündung der Halbjahreszahlen noch einmal auf den Ernst der Lage hinweisen will. Zudem sind nächste Woche Betriebsversammlungen bei Porsche. Dort dürften aus den Reihen der Belegschaft einige Fragen zu Blumes Brief gestellt werden.
Darin zählt der Vorstandschef noch einmal alle aktuellen Brandherde des Unternehmens auf: E-Mobilität, China, USA. „Unsere Rahmenbedingungen haben sich in kurzer Zeit massiv verschlechtert“, schreibt er. Die Elektromobilität entwickle sich in vielen Märkten deutlich langsamer, als der Autobauer und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten. „Das alles trifft uns hart. Härter als viele andere Automobilhersteller. Wir haben es mit einer ‚Krise der Rahmenbedingungen‘ zu tun.“
Porsche hatte sich einst sehr hohe Elektroziele gesetzt, 2030 wollte man schon 80 Prozent der Autos vollelektrisch verkaufen. Deshalb hatte der Hersteller zum Beispiel auch entschieden, das wichtige SUV-Modell Macan in Europa nur noch als Elektrovariante zu verkaufen. Doch nun ist die Nachfrage nach Verbrennern weiter hoch, während Porsches Elektrosportwagen Taycan ein Ladenhüter ist. Deshalb hat das Unternehmen seine Strategie geändert und will nun doch wieder mehrere hundert Millionen Euro in die Entwicklung von Verbrennern stecken.
Allein im April und Mai sind Porsche durch Zölle zusätzlich 300 Millionen Euro Kosten entstanden.
Dazu kommt, dass es auf dem wichtigen chinesischen Markt für Porsche immer weiter bergab geht. In China sei das Marktsegment für teure Luxusprodukte in kurzer Zeit förmlich zusammengebrochen, schreibt Blume in seinem Brief an die Belegschaft. Klar ist: In China läuft es bei Porsche sowohl bei den Verbrennern als auch bei den E-Autos schlecht.
Und dann ist da noch Donald Trump und seine Zollpolitik, die Porsche besonders hart trifft, weil der Autobauer kein eigenes Werk in den USA unterhält, also alle Autos dorthin exportiert. Allein im April und Mai sind Porsche durch die Zölle zusätzlich 300 Millionen Euro Kosten entstanden, hatte Finanzchef Jochen Breckner kürzlich gesagt. Zwar schaffte Porsche im ersten Halbjahr einen Auslieferungsrekord in den USA. Der wurde aber teuer erkauft, weil man die Preise trotz der Zusatzzölle stabil hielt. Viele Kunden schlugen wohl noch schnell zu, da sie spätere Preiserhöhungen fürchteten.
Die verschiedenen Probleme zeigen sich auch in den Geschäftszahlen: Nach dem Einbruch 2024 sackte der Porsche-Gewinn im ersten Quartal 2025 weiter ab. Das operative Ergebnis betrug 0,76 Milliarden Euro – 40,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Umsatz lag mit 8,86 Milliarden Euro ebenfalls unter dem Vorjahreswert. Das langfristige Ziel von 20 Prozent Gewinnmarge ist aktuell in weiter Ferne. Für dieses Jahr rechnet Porsche mit 6,5 bis 8,5 Prozent.

