AutomobilindustrieWarum die Porsche SE fast eine Milliarde Euro Verlust macht

Lesezeit: 3 Min.

Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender der Porsche SE (Archivbild).
Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender der Porsche SE (Archivbild).
Marijan Murat/dpa

Die Dachgesellschaft von VW verzeichnet im ersten Quartal ein Minus von 923 Millionen Euro. Trotzdem bleiben die Stuttgarter entspannt. Wieso?

Von Tobias Bug

SZ bei Google bevorzugen

Es klingt wie eine dieser Horrormeldungen, die da mal wieder aus Stuttgart herein flatterte, dieser Tage gibt es die ja häufig. Fast eine Milliarde Euro Minus hat die Porsche SE gemacht, allein in den ersten drei Monaten des Jahres. Nicht zu verwechseln ist die Porsche SE mit dem namensgleichen Sportwagenbauer aus Zuffenhausen, der den Nachsatz AG im Namen trägt. Die SE ist die Holding, über die die mächtigen Eigentümerfamilien Porsche und Piëch die weitverzweigten Volkswagen-Galaxien kontrollieren, ihr Markenreich, das von VW über Porsche und Audi bis Škoda reicht.

Genauer gesagt ist es ein Minus von 923 Millionen, welches die Dachgesellschaft aus Stuttgart zu verkünden hatte. Ein Jahr zuvor war ein noch größerer Fehlbetrag von 1,08 Milliarden Euro angefallen. Grund dafür ist dieses Jahr eine milliardenschwere Abschreibung auf ihre wichtigste Beteiligung, die am Volkswagen-Konzern.

Grund zur Panik ist der Beinahe-Milliardenverlust aber nicht, findet Hans Dieter Pötsch, der Vorstandschef der Porsche SE. „Der Start ins Geschäftsjahr entspricht unseren Erwartungen“, lässt sich Pötsch in der Konzernmitteilung zitieren. Gleichzeitig müssten bei Kernbeteiligungen lange Zeit gut funktionierende Geschäftsmodelle neu ausgerichtet werden und verwies auf die laufenden Sparprogramme bei den Kernbeteiligungen. Also doch keine Horrormeldung?

Über die Porsche SE kontrollieren die Eigentümer ihr Markenreich von VW über Porsche bis Škoda

Pötsch gibt sich auch deshalb so entspannt, weil der Verlust nicht zahlungswirksam ist. Die Holding berechnet die Werte seiner Beteiligungen über die At-Equity-Methode, ein Verfahren zur Bilanzierung von Beteiligungen im Konzernabschluss, bei dem der Beteiligungsbuchwert an die Entwicklung des anteiligen Eigenkapitals angepasst wird. Mal gehen die Werte hoch, mal runter. An der Volkswagen AG hält die Porsche SE 31,9 Prozent der Anteile, im ersten Quartal musste sie den Beteiligungsbuchwert um 1,3 Milliarden Euro nach unten korrigieren. Das folgt nicht aus einer operativen Abschreibung auf Fabriken oder Lager, sondern aus einer Wertminderung. Die Logik dahinter: Wenn der Marktwert oder der erwartete Wertbeitrag einer Beteiligung sinkt, muss der Buchwert angepasst werden.

Die 1,3 Milliarden Euro, das ist wichtig zu wissen, verringert den ausgewiesenen Beteiligungswert in der Bilanz, ohne dass dafür Geld abfließt. Analog dazu verdient die Holding auch kein Geld damit, dass sie den Wert der Porsche AG, an der sie ebenfalls beteiligt ist, im ersten Quartal um 39 Millionen Euro nach oben korrigierte. Der um Abschreibungen und Wertberichtigungen bereinigte Konzerngewinn der Porsche SE fiel im ersten Quartal um gut ein Fünftel auf 382 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung lag mit 5,15 Milliarden Euro leicht höher als zum Jahresende 2025 mit 5,1 Milliarden Euro.

Die Holding verdient ihr Geld mit Dividenden

Operativ ist die Holding nicht tätig, sie verdient ihr Geld mit Dividenden. Im Jahresabschluss berechnet die Porsche SE ihr Ergebnis darüber, was ihre Beteiligungen abwerfen. Nur die Quartalszahlen beruhen auf der At-Equity-Methode. Im Juni stehen die Hauptversammlungen bei VW und Porsche an. Natürlich schaut die Dachgesellschaft ganz genau hin, welche Dividenden da verkündet werden, denn die fließen direkt in ihren Halbjahresbericht ein, den die Porsche SE im August veröffentlicht.

Das Logo des Volkswagen-Konzerns an der Fassade des VW-Hauptsitzes in Wolfsburg.
Das Logo des Volkswagen-Konzerns an der Fassade des VW-Hauptsitzes in Wolfsburg.
RONNY HARTMANN/AFP

Im vergangenen Jahr hat Volkswagen 6,30 Euro je Stammaktie und 6,36 Euro je Vorzugsaktie ausgezahlt. Porsche-Anleger bekamen 2,30 Euro für ihre Stammaktie und 2,31 Euro für ihre Vorzugsaktie. Das Geschäft läuft seitdem nicht besser: Sowohl Europas größter Autobauer Volkswagen als auch der Sportwagenbauer Porsche kämpfen derzeit mit schwierigen Marktbedingungen und dem Umbruch in der Automobilindustrie.

Die Porsche SE bleibt bei ihrer Jahresprognose

Ihre Geschäftsmodelle, die lange Zeit zu steigenden Umsätzen führten und fette Gewinne abwarfen, sind inzwischen überholt, und die neue Konkurrenz aus China wird immer besser. „Fahrzeuge in Deutschland zu entwickeln, bauen und dann zu exportieren, funktioniert nicht mehr“, sagte VW-Chef Oliver Blume kürzlich der Bild am Sonntag. VW muss nun sparen. Auch Porsche hat sich einen Sparkurs verordnet, im ganzen Volkswagen-Reich müssen Zehntausende Mitarbeitende gehen.

Ein Auto von VW im Lichttunnel in der Gläsernen Manufaktur in Dresden.
Ein Auto von VW im Lichttunnel in der Gläsernen Manufaktur in Dresden.
Sebastian Kahnert/dpa

Über allem steht die Dachgesellschaft, die darauf hofft, dass sich ihre Beteiligungen durch die Sparprogramme berappeln. Die Porsche SE bleibt fürs Gesamtjahr bei ihrer Prognose und strebt weiterhin ein bereinigtes Konzernergebnis von 1,5 Milliarden bis 3,5 Milliarden Euro und Ende des Jahres eine Nettoverschuldung zwischen 4,7 Milliarden und 5,2 Milliarden Euro an.

Aber jeder in der Autoindustrie weiß, dass jede Prognose nicht taugt, wenn US-Präsident Donald Trump mal wieder seine Einfuhrzölle erhöht oder den Iran-Krieg weiter in die Länge zieht. Nichts scheint sicher dieser Tage in der deutschen Autoindustrie, nichts außer das: Die nächste Horrormeldung kommt bestimmt.

© SZ/dpa/tobu - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Trumps Zollankündigung
:Neuer Ärger für deutsche Autohersteller

Kaum blicken die Unternehmen ein bisschen optimistischer in die Zukunft, will Donald Trump erneut hohe Zölle auf Fahrzeuge einführen. Das trifft vor allem den VW-Konzern.

Von Christina Kunkel

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: