Die schlechten Zahlen, die Michael Leiters am Mittwoch erklären musste, hat er nicht zu verantworten. Nicht einmal zweieinhalb Monate ist er als Porsche-Chef im Amt. Und es hätte sicher schönere Anlässe gegeben für seinen ersten großen öffentlichen Auftritt. Doch die Finanzergebnisse für 2025, die er bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz vorstellen musste, waren kaum schönzureden. Er hätte den Termin gerne erst später abgehalten, sagt Leiters dann auch gleich zu Beginn seiner Rede. Denn er wisse auch: Auf viele Fragen könne er aktuell noch keine Antworten geben, nicht für jedes Problem könne er jetzt schon eine Lösung bieten.
Bei einem Zukunftsthema wurde Leiters dann doch überraschend konkret. Er kündigte an, dass im Zuge eines neuen Sparpakets weitere Jobs bei Porsche wegfallen sollen. „Wir müssen die Verschlankung unserer Organisation noch mal verschärfen und ja, das wird auch weiteren Stellenabbau einschließen“, sagte er auf Nachfrage eines Journalisten. Das ist insofern brisant, als die Gespräche mit dem Betriebsrat über weitere Sparmaßnahmen seit dem Amtsantritt von Leiters noch gar nicht wieder aufgenommen wurden. Dort wird man das Vorpreschen des neuen Chefs nicht gerade erfreut zur Kenntnis nehmen.
In einem ersten Sparpaket hatte der Betriebsrat mit dem früheren Management bereits den Abbau von 1900 Stellen bis 2029 vereinbart. Zudem wurden die Verträge von 2000 Leiharbeitern und befristet Beschäftigten nicht verlängert. Bei Porsche gilt eine Jobgarantie bis Mitte 2030, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Eigentlich wollte Oliver Blume vor seiner Amtsübergabe auch die nächste Sparrunde ausgehandelt haben. Doch das gelang nicht mehr – vor allem, weil die Positionen von Betriebsrat und Unternehmen sehr weit auseinander lagen. Dieses Problem hat Blume nun seinem Nachfolger übergeben. Und dieser hat mit seiner Aussage zum neuen Stellenabbau zumindest schon mal den Ton gesetzt.
Die Zahlen für das vergangene Jahr, die Leiters und Finanzchef Jochen Breckner vorstellten, sind besorgniserregend. Porsche ist vergangenes Jahr nur noch mit Mühe über die Gewinnschwelle gekommen. 413 Millionen Euro blieben am Jahresende konzernweit übrig, ein gigantischer Einbruch von rund 93 Prozent im Vergleich zu 2024. Der Gesamtumsatz des Unternehmens, inklusive Finanzdienstleistungen, sank um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge, die Porsche eigentlich mal Richtung 20 Prozent treiben wollte, ist von 14,1 auf 1,1 Prozent abgestürzt. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass Michael Leiters den Job bei Porsche an einem Tiefpunkt übernommen hat.
Im letzten Jahr der Doppelrolle von Oliver Blume als VW-Konzern- und Porsche-Chef ist Porsche regelrecht implodiert. In China ging der Absatz um 26 Prozent zurück, insgesamt verkaufte der Konzern zehn Prozent weniger Fahrzeuge. Zudem ist Porsche voll von den Zöllen betroffen, die Donald Trump verhängt hat, weil der Sportwagenbauer keine eigene Fertigung in den USA hat. Sie kosteten den Autobauer 2025 rund 700 Millionen Euro, weil Porsche die Zusatzkosten nicht komplett an die Kunden weitergeben wollte.
Und als sei das nicht schon genug, musste sich der einst so erfolgreiche Autobauer auch noch eingestehen, mit seiner Antriebsstrategie danebengelegen zu haben. Eine eigene Batteriefertigung und neue Elektromodelle wurden einkassiert, 2025 gingen allein rund 3,1 Milliarden Euro für eine erste Kurskorrektur drauf. Der Plan ist jetzt wieder: mehr Verbrenner, weniger Elektro.
Zudem will der neue Porsche-Chef neue Modelle auf den Markt bringen, zum Beispiel sei ein Fahrzeug oberhalb des großen SUV Cayenne denkbar. Wie genau die Pläne für die nächsten Jahre aussehen, will der Vorstandschef im Herbst bei einem Kapitalmarkttag vorstellen. Dann soll es ein Gesamtpaket geben: Wo soll wie gespart werden? Welche Autos mit welchen Antrieben will Porsche zukünftig anbieten? Wohin soll das Unternehmen überhaupt steuern?

Autoindustrie:VW rutscht noch tiefer in die Krise
Der Gewinn des größten Autoherstellers in Europa bricht um rund die Hälfte ein. Und Porsche schafft es nur knapp, überhaupt noch Geld zu verdienen.
Für das Jahr 2026 erwartet Porsche wieder etwas bessere Geschäfte. Das Management um den neuen Unternehmenschef Michael Leiters rechnet aber weiterhin mit „sehr herausfordernden Marktbedingungen“ und geopolitischen Unsicherheiten. In China wird es schwierig bleiben, dort dürften die Verkaufszahlen auch in diesem Jahr eher weiter nach unten als nach oben gehen.
Und auch der Strategieschwenk zurück zu mehr Verbrennern wird teuer, auch wenn der Autohersteller hierfür 2026 nur noch mit Kosten in „dreistelliger Millionenhöhe“ rechnet – also deutlich weniger als vergangenes Jahr. Die Umsatzrendite soll 2026 zwischen 5,5 und 7,5 Prozent liegen. Das wäre immer noch weit weg von alter Stärke, aber immerhin wäre es ein erster Schritt hin zu dem, was Leiters am Mittwoch versprach: „Ich möchte Porsche zurück zu alter Stärke führen.“

