Politikerwechsel in die Wirtschaft:Austausch von Wirtschaft und Politik - eine Einbahnstraße

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Lang ist auch die Liste der politischen Fehlbesetzungen bei der Bahn. Der CDU-Staatssekretär Johannes Ludewig wirkte als Bahnchef hilflos und konnte in seinen zwei Dienstjahren keine Spuren hinterlassen. Was Bayerns früherer CSU-Wirtschaftsminister Otto Wiesheu im Vorstand des Verkehrsunternehmens ausrichten konnte, blieb der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Der heutige Bahn-Chef und Mehdorn-Nachfolger Grube hielt offenbar nichts von dem CSU-Mann und sorgte für dessen Ausscheiden.

Quereinsteiger aus der Wirtschaft sind in der Politik unwillkommen

Es gehört zum Repertoire wohlfeiler Sonntagsreden, den mangelnden Austausch zwischen Wirtschaft und Politik zu beklagen. Politiker sollten in die Wirtschaft wechseln, um das harte Leben der ökonomischen Realität zu erleben. Umgekehrt sollten sich Unternehmer oder Manager häufiger den Zwängen des politischen Systems aussetzen, um Verständnis für die Politiker aufzubringen.

Der Gedanke ist richtig, er hat nur einen gravierenden Nachteil: Der viel gerühmte Austausch ist in Wahrheit faktisch eine Einbahnstraße. Das politische System stößt Quereinsteiger aus der Wirtschaft systematisch ab wie der menschliche Körper ein fremdes Organ. Wer aus der Wirtschaft in die Politik will, muss oft erst einmal in einem Ortsverein kleine Brötchen backen. Das schreckt gestandene Unternehmer noch mehr von der Politik ab als die relativ schlechte Bezahlung.

Die sogenannte freie Wirtschaft kennt solche Immunreaktionen weniger. Sie ist aber gegenüber Ex-Politikern skeptisch. Das muss jedoch nicht zu deren Diskriminierung führen. Wo steht denn geschrieben, dass ein ausscheidender Politiker immer einen millionenschweren Vorstandsposten braucht?

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