bedeckt München -2°

Politik der amerikanischen Notenbank: "Wenn das außer Kontrolle gerät, werden die Märkte reagieren"

Die Bank von Japan hatte am vorigen Mittwoch auf die Fed reagiert. Sie weitete ihr eigenes Programm zur Geldschöpfung von 70 auf 80 Billionen Yen aus; dessen Dauer wurde um ein halbes Jahr bis auf Mitte 2013 ausgedehnt. Ziel der Maßnahmen ist es, den Kurs des Yen zu drücken und die japanischen Exporte zu fördern. Auch die türkische Zentralbank senkte die Zinsen, von der Bank auf England wird in absehbarer Zeit ein eigenes Programm zur Ausweitung der Geldmenge erwartet.

Unterdessen hat sich die Debatte um die Politik der Fed in den Vereinigten Staaten verschärft. Der Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis, Narayana Kocherlakota, hat sich dafür ausgesprochen, mit der Geldpolitik noch aggressiver gegen die Arbeitslosigkeit vorzugehen. Vorausgesetzt die Preise bleiben stabil, "sollte der Leitzins außergewöhnlich niedrig bleiben, bis die Arbeitslosenquote unter 5,5 Prozent gefallen ist", sagte Kocherlakota bei einer Rede in Ironwood (US-Bundesstaat Michigan. Derzeit liegt Arbeitslosigkeit bei 8,1 Prozent.

Die Fed hatte im Rahmen ihres Beschlusses vorige Woche erklärt, sie werde den Leitzins mindestens bis Mitte 2015 bei nahe Null zu lassen. Sie rechnet dann mit einer Arbeitslosenquote von 6,0 bis 6,9 Prozent. Kocherlakotas Rede sorgte vor allem deshalb für Aufsehen, weil der für den Norden der USA zuständige Fed- Präsident eigentlich als "Falke" gilt, das heißt, er macht sich normalerweise mehr Sorgen um Preisstabilität als um Vollbeschäftigung. Seine Äußerungen könnten auf einen generellen Stimmungsumschwung bei der Fed hindeuten.

Im Kern der Debatte steht immer die Frage, ob das Geld, das die Fed in die Wirtschaft pumpt, irgendwann zu Inflation führen wird und ob die Notenbank dann gegensteuern kann und will. Derzeit gibt es in den USA keinerlei Hinweise auf eine drohende Teuerung. Die Inflation liegt deutlich unter der von der Fed angestrebten Rate von 2,0 Prozent. Aber das könnte sich ändern, wenn die Zeiten besser werden. Daher warnte der Chef der Federal Reserve Bank von Texas, Richard Fisher, einer der Kritiker Bernankes: "Wir haben einen scharfen Anstieg der Inflationserwartungen gesehen", sagte er Bloomberg Radio. "Wenn das außer Kontrolle gerät, werden die Märkte reagieren." Nach Berechnungen von Tim Duy, Ökonom an der Universität von Oregon, ist die an den Finanzmärkten erwartete Inflationsrate seit dem Fed-Beschluss von 1,2 auf 1,8 Prozent gestiegen - noch keine besorgniserregende Zahl.

Andere glauben, dass die Fed mit ihrer Niedrigzinspolitik Entwicklungen in Gang gesetzt hat, die demnächst gefährlich werden könnten. Mohammed El-Erian, Chef des Vermögensverwalters Pimco - einem Tochterunternehmen der Allianz-Gruppe - meinte, die Amerikaner sollten sich mittelfristig auf höhere Preise einstellen. Bisher sei die Gefahr eines "ungeordneten Preisverfalls" größer gewesen als die steigender Preise, schrieb El-Erian in einem Zeitungsbeitrag. Dies habe sich nun aber geändert: "Es gibt bei manchen ein wachsendes Gefühl, die heutige Fed werde höhere Inflation nicht nur tolerieren, sondern auch herbeiwünschen, wenn nicht gar regelrecht anstreben."

© SZ vom 22.09.2012/fran
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema