Poker um Warenhaus-Kette:Benko will bei Karstadt nicht zum Sündenbock werden

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So heißt es aus dem Umfeld von Benko, es werde derzeit überhaupt nicht miteinander geredet, der Stand sei immer noch der gleiche wie vor einigen Wochen. Am Mittwoch allerdings zitierte ihn das österreichische Wirtschaftsmagazin Format mit der Aussage, Berggruen habe ihn und sein Unternehmen, die Signa Holding, um Hilfe gebeten, den Deutschamerikaner als Eigentümer von Karstadt abzulösen. Später hieß es dann aus dem Umfeld von Benko, diese Aussagen seien so nie gefallen, ein offizielles Interview habe er gar nicht gegeben.

"Es gibt nach wie vor Gespräche über den Verkauf von Karstadt an Benko", bestätigte dagegen ein Konzern-Insider von Karstadt am Mittwoch. Einige Punkte seien aber noch offen. Die beiden Eigentümer hätten schon kurz nach dem plötzlichen Rücktritt von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt vor gut einem Monat erste Verhandlungen aufgenommen.

Was also stimmt?

Weder Benko noch Berggruen oder Karstadt wollten sich am Mittwoch offiziell zu den Informationen äußern.

Es gehört allerdings zum Wesen solcher Verhandlungen, dass kurz vor Schluss besonders viel taktiert wird. Jeder versucht, so auf den letzten Metern noch besonders viel herauszuholen.

Bei Karstadt geht es auch um die Frage, ob Benko dafür, dass er nun auch noch die klassischen Warenhäuser übernimmt, eine Mitgift von Berggruen bekommt. Nötig wäre sie - um die Sanierung voranzubringen. Bereits in der nächsten Woche, am 21. August, soll der Aufsichtsrat über die Zukunft von Karstadt beraten. Nach SZ-Informationen soll in dieser Sitzung ein erstes Sanierungskonzept vorgelegt werden. Gerade in diesem Punkt hatten Berggruen und Benko zuletzt weit auseinander gelegen.

Der Österreicher verlangte von Berggruen dem Vernehmen nach, er müsse die Kosten für eine mögliche Schließung von Filialen und die damit verbundenen betriebsbedingten Kündigungen mittragen. Insider gehen davon aus, dass allein für eine solche Sanierung ein Betrag in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe zu veranschlagen wäre. Zudem wolle Benko bei Karstadt nicht in die Rolle eines Sündenbocks geraten, heißt es in Unternehmenskreisen. Schließlich sei es Berggruen gewesen, der seine Rolle als Retter nicht ausgefüllt habe.

Der Deutschamerikaner Berggruen dürfte mittlerweile den Tag verfluchen, an dem er Karstadt übernommen hat, zu schwierig ist das Geschäft, zu drückend die Forderungen der Belegschaft, zu groß sind die Erwartungen an ihn, den einstigen Hoffnungsträger. Er hatte den Laden eigentlich schuldenfrei übernommen für einen Euro, direkt nach der Insolvenz im Jahr 2010, es gab viele Zugeständnisse. Doch Berggruen wollte, dass die Läden ganz aus eigener Kraft wieder nach vorne kommen, ohne sein Zutun, das sich darauf beschränkte, ein bekannter Eigentümer zu sein.

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