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Pokémon Go:Das Pokémon-Go-Märchen bei Nintendo ist vorbei

Gamers Hunt for Pokemon in Tokyo

Seit vergangener Woche ist die Taschenmonster-Jagd "Pokémon Go" auch in Japan erhältlich

(Foto: Bloomberg)

Der Kurs des japanischen Konzerns hat sich seit der Einführung des Spiels mehr als verdoppelt. Jetzt haben die Anleger aber gemerkt, dass Nintendo womöglich gar nicht so viel an dem Smartphone-Hit verdient.

Gut drei Wochen ist es her, dass Pokémon Go auf den Markt kam. Und seitdem bricht das Spiel unentwegt Rekorde. Vor allem beim Aktienkurs des Videospiel-Herstellers Nintendo, auf dessen Konsolen die Spieleserie um die sammelbaren Taschenmonster seit mehr als 20 Jahren sehr erfolgreich ist, machte sich die Einführung des Spiels bemerkbar. Der Wert der Aktie hatte sich innerhalb weniger Wochen mehr als verdoppelt. Doch das hat sich an diesem Montag schlagartig geändert. Die Aktie stürzte zu Handelsbeginn in Japan um 18 Prozent. Ein Wertverlust von 708 Milliarden Yen oder umgerechnet sechs Milliarden Euro.

Grund für den Stimmungswechsel an der Börse dürfte eine Pressemitteilung sein, die der japanische Konzern am Freitagabend herausgab. Pokémon Go, so hieß es darin, werde sich nicht spürbar auf den Jahresgewinn von Nintendo auswirken. Bei den Anlegern sorgte das wohl für Verwunderung. Denn der schnelle Aufstieg der Aktie hing ja ausgerechnet mit der Pokémon-App zusammen.

Die ist zwar extrem erfolgreich und dürfte für hohe Einnahmen sorgen, doch Nintendo ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das von diesen Einnahmen profitiert. Die Japaner müssen sich die Gewinne mit einer Vielzahl von Firmen teilen. Nintendo brachte das erste Pokémon-Spiel für den Gameboy zusammen mit dem Spielentwickler Game Freak vor rund 20 Jahren auf den Markt, an Pokémon Go ist das japanische Unternehmen jedoch nur geringfügig beteiligt.

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Entwickelt hat Pokémon Go die ehemalige Google-Tochterfirma Niantic. Auch der Vertrieb der App wird nicht von Nintendo erledigt, sondern von der Pokémon Company. Sowohl an dieser als auch an Niantic hält Nintendo nur Minderheitsanteile.

Nintendo will mit zusätzlichen Produkten am Hype verdienen

Von den Einnahmen müssen die Unternehmen noch eine Menge abgegeben. Und zwar an die Technologiekonzerne Apple und Google. Diese betreiben die App-Stores, aus denen sich Pokémon-Jäger das Spiel herunterladen. Wenn Nutzer in der App zusätzliche Utensilien für die Jagd nach Pokémon kaufen, bekommen auch Google und Apple einen Teil des Erlöses ab. Dieses Geschäft mit sogenannten In-App-Käufen ist besonders im Fall Pokémon höchst lukrativ. Rund ein Drittel der Einnahmen soll an die Store-Betreiber gehen. Kein Wunder, dass sich die Einführung von Pokémon Go auch bei der Apple-Aktie bemerkbar gemacht hat.

Nintendo versucht nun, durch zusätzliche Produkte mehr am Hype um Pokémon Go zu verdienen. So zum Beispiel mit dem Verkauf von Armbändern, genannt "Pokémon Go Plus", eine Erweiterung des Smartphone-Spiels. Diese Armbänder werden ausschließlich von Nintendo vertrieben. Doch zum Teil hängt Nintendo mit dem Produkt hinterher. Die Veröffentlichung war für Ende Juli angekündigt, doch in Deutschland hat sich der Termin schon nach hinten verschoben: Vorbestellungen im Nintendo-Store sind nicht mehr möglich und als Lieferdatum wird der 31. August genannt. Außerdem hat das Pokémon-Armband einen weiteren Nachteil: Vorerst wird es nur mit neueren iPhone-Modellen kompatibel sein, nicht jedoch mit Android-Smartphones. Doch der Großteil der Pokémon-Jäger spielt mit Geräten, die ein Android-Betriebssystem installiert haben.

Es ist also fraglich, ob das Spiel bei Nintendo wirklich zu deutlichen Gewinnsteigerungen führt. Das hat nun auch das Unternehmen selbst eingeräumt. Eigentlich ist dieses Eingeständnis und seine Auswirkungen auf die Nintendo-Aktie keine große Überraschung. Analysten sind dennoch überrascht, dass Nintendo seine Mitteilung ausgerechnet an dem Tag herausgab, als das Spiel auf dem wichtigen japanischen Markt erschien. Auch dort ist der Hype um das Spiel groß. Bei Nintendo hat er jetzt einen Dämpfer bekommen.

Auch andere Unternehmen, die bislang von der Hysterie um Pokémon Go profitierten, müssen inzwischen Kursverluste hinnehmen. Die Aktie von McDonald's brach in Tokio zeitweise um zwölf Prozent ein - der größte Tagesverlust seit 15 Jahren. McDonald's tritt in Japan als Premiumpartner für Pokémon Go auf. In den Restaurants der Kette können Pokémon-Spieler ihre Monster gegeneinander kämpfen lassen. Und wenn es gut für das Unternehmen läuft, essen sie nebenbei noch ein paar Burger.