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Pleitebank am Pranger:Irland droht Anglo-Bankern

Anglo Irish Bank Irland

Unter Beschuss: die Ex-Chefs der Anglo Irish Bank (Archivbild von 2011)

(Foto: Bloomberg)

Sie sangen "Deutschland, Deutschland, über alles" und lachten über die Finanzaufsicht. Die Empörung über die veröffentlichten Telefonate der Chefs der Anglo Irish Bank ist groß. Bald könnte das Parlament gegen die Manager ermitteln.

Another day, another billion, sagte der Chef. Nächster Tag, nächste Milliarde. Was ein kleiner Scherz innerhalb der Führungsetage der Anglo Irish Bank sein sollte, stand an diesem Mittwoch auf der Titelseite des Irish Independent. Die Zeitung veröffentlicht seit Tagen Tonaufnahmen, die belegen, wie zynisch die Manager intern über die Milliarden der Partnerländer sprachen, die in die Pleitebank flossen, um den Staatsbankrott Irlands abzuwenden (hier das Independent-Dossier).

Die Enthüllung der entlarvenden Telefonmitschnitte könnte für die Manager ein Nachspiel haben. Die Nachrichtenagentur Reuters will aus Regierungskreisen erfahren haben, dass Irland den Bankchefs damit droht, ein Gesetz neu aufzulegen, um die Manager vor eine parlamentarische Anhörung zu zitieren.

Eine 2011 gescheiterte Volksbefragung, mit der die Befugnisse des Parlaments entsprechend erweitert werden sollten, könnte wiederholt werden, sagte ein Regierungsvertreter Reuters. Ein solches Referendum hätte durchaus Aussicht auf Erfolg - die Empörung über die Anglo-Manager ist groß. Sie verhöhnten auch Kreditgeber Deutschland: Ein Banker sang am Telefon: "Deutschland, Deutschland über alles."

"Als das Referendum gescheitert war, hatte sich die Regierung damit abgefunden", sagte der Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Aber weil das Thema auf so dramatische Weise ins öffentliche Interesse zurückgekehrt sei, müsse die Regierung nun alle Optionen prüfen.

Im Schatten der Präsidentenwahl 2011 war das Referendum nur mit einer halbherzigen Kampagne vorbereitet worden, schreibt Reuters. Eine deutlich abgeschwächte Variante einer solchen Anhörung ist bereits geplant, sie könnte 2014 beginnen. In der verschärften Version, die erst durch die Volksbefragung ermöglicht würde, soll es etwa nicht mehr möglich sein, dem Parlament Antworten zu verweigern.

Im Raum steht durch die Enthüllungen zudem der Verdacht, dass die Bank-Manager die irische Zentralbank in die Irre geführt haben, um sich von den internationalen Geldspritzen möglichst viele Mittel für ihr Institut zu sichern. Die Zentralbank werde die Angelegenheit prüfen, teilte sie am Mittwoch mit.

Die Kapitalspritzen für die inzwischen abgewickelte Anglo Irish Bank sowie zwei weitere Institute kosteten die irischen Steuerzahler rund 30 Milliarden Euro und machten das ehemalige Boom-Land der Euro-Zone zum Bittsteller in Brüssel und Washington. Ende 2010 bewahrten die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds Irland mit 85 Milliarden Euro von der Pleite. Der daraus verbundene Sparkurs des Landes zwang vielen der 4,6 Millionen Iren Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auf.

Linktipp: Die FAZ ist sauer und möchte "alle diejenigen, die das Desaster um die Anglo Irish Bank angerichtet haben, in einen Sack stecken und verhauen", kommentiert die Zeitung.