Pleite der Windenergie-Firma:Insolvenzverwalter prüft Schadensersatzansprüche gegen Prokon-Gründer

Muss Carsten Rodbertus, Gründer von Prokon, seinen Gläubigern Schadensersatz zahlen? Der Insolvenzverwalter will dem nun nachgehen.

Keine gute Nachricht für Carsten Rodbertus: Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin prüft Schadenersatzansprüche gegen den Gründer und langjährigen Chef des insolventen Windenergie-Unternehmens Prokon. Dessen Geschäftsführung habe bei den Gläubigern bisher Schäden von mehr als einer halben Milliarde Euro verursacht, teilte Penzlin mit.

"In diesem Zusammenhang lasse ich Schadenersatzansprüche gegen ihn prüfen, schwerpunktmäßig wegen unzureichend besicherter Darlehensvergaben", erklärte Penzlin. Auch andere Sachverhalte wie der Kauf einer Cessna auf Firmenkosten könnten Ansprüche auf Schadenersatz begründen.

Das Amtsgericht Itzehoe hatte am 1. Mai das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet, weil das Unternehmen überschuldet und zahlungsunfähig ist. Für etwa 75 000 Anleger, die Prokon mit 1,4 Milliarden Euro über Genussscheine finanziert haben, bedeutet das den Verlust von 30 bis 60 Prozent ihrer Einlagen. Verbraucherschützer hatten schon lange vor der Anlage in Genussrechten gewarnt. Genussrechte sind eine Hybridform aus Aktie und Anleihe, die ein höheres Risiko für den Anleger birgt.

Personalabbau ist abgeschlossen

Die Anleger erhalten bis Mitte des Monats vom Insolvenzverwalter ein Formular, mit dem sie ihre Ansprüche anmelden können. Für den 22. Juli ist eine Gläubigerversammlung in den Hamburger Messehallen angesetzt, bei der Penzlin ein Konzept für einen Insolvenzplan vorstellen will. Für die Ausarbeitung des Plans muss die Versammlung dann einen Auftrag erteilen.

"Wir befinden uns mit den wesentlichen Gläubigergruppen in einem regen, teils auch kontroversen, aber insgesamt sehr sanierungsorientierten Austausch über die wesentlichen Eckpunkte des angestrebten Insolvenzplans", sagte Penzlin.

Er teilte auch mit, dass trotz der Insolvenz wie geplant zwei kleinere Windpark-Projekte in Sachsen-Anhalt und Polen errichtet werden können, die entsprechende Finanzierung hat Penzlin sichergestellt. Zudem sei der Personalabbau mittlerweile abgeschlossen, mittelfristig sollen 300 Arbeitsplätze bei Prokon erhalten bleiben. 100 Mitarbeiter haben bereits gekündigt oder ihre Verträge sind ausgelaufen; weiter 70 wechseln für acht Monate in eine Transfergesellschaft.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: