Playmobil Luther in Klein gerät zum großen Glück

Der Playmobil-Luther wurde eine Million Mal verkauft.

(Foto: dpa)
  • Noch nie war eine Playmobil-Figur so erfolgreich wie die von Martin Luther.
  • Sie ist aus Teilen anderer Figuren zusammengesetzt.
  • Bei der Kirche waren zunächst nicht alle von der Idee angetan, Luther als Playmobilfigur zu gestalten.
Von Hans von der Hagen

Das Öffnen von Päckchen übt auf Menschen große Faszination aus - unzählige Videos auf Youtube unter dem Stichwort "Unboxing" zeugen davon. Besonders feierlich geraten diese Momente bei sündhaft teuren Dingen. Erstaunlich oft hat es aber auch ein Gegenstand in die Unboxing-Liga geschafft, dessen offizieller Preis bei 2,39 Euro liegt: die Luther-Figur von Playmobil.

"Oh mein Gott, ich bin so aufgeregt", flötet etwa eine junge Frau ergriffen auf Englisch und reißt einen Klebestreifen von einem größeren Karton. In dem liegen dann zehn weitere kleine Kartons - alle gefüllt mit Luther. Rund 1000 Mal wurde das Video bereits aufgerufen. Nicht nur für diese junge Frau, auch für Playmobilhersteller Geobra Brandstätter, die Congress- und Tourismus-Zentrale in Nürnberg und die evangelische Kirche gerät der Luther in klein zum großen Glück: Mehr als eine Million Mal wurde die Figur jetzt verkauft.

Schon 2015 war die Startauflage von 34 000 Stück binnen weniger Tage ausverkauft. Aber Playmobil legte sofort nach, sodass sich spekulative Exzesse in Grenzen hielten. Angesichts der guten Zahlen ist die Tonlage bei Geobra Brandstätter euphorisch - die Figur "bricht sämtliche Rekorde", heißt es.

Alle Teile stammen von vorhandenen Playmobil-Figuren

Das ist umso erstaunlicher, als es sich bei Mini-Luther formal um eine Auftragsarbeit handelt, die es nur in wenigen Geschäften sowie im Internet zu kaufen gibt. Die Idee zur dieser Figur hatte Yvonne Coulin, Geschäftsführerin der Nürnberger Tourismus-Zentrale. Sie fragte auch bei Pfarrer Christian Düfel, dem Koordinator für die Reformationsdekade nach, wie die Kirche dazu stehe. Düfel sagt heute, dass zwar nicht alle davon angetan gewesen seien, richtig schlimm habe das allerdings auch keiner gefunden.

Ein Team von etwa fünf Leuten, zu dem auch Düfel gehörte, fand sich zusammen und diskutierte bei Geobra Brandstätter, wie Luther aussehen könnte. Klar war, dass nur Teile bestehender Figuren verwendet werden sollten. Welche das sind, ist nicht ganz sicher, die Firma sagt dazu nichts. Der Umhang könnte aber von einem Nachtwächter stammen, die Mütze soll auch schon als Barett verwendet worden sein. Überlegt wurde anfangs auch, ob Luther einen Hammer in der Hand halten sollte. Womit sonst hätte er die Thesen anschlagen sollen? Doch die Kirche setzte lieber auf die Bibel. Schon, weil der Thesenanschlag historisch umstritten ist. Außerdem hält auch der in einem Denkmal in Wittenberg verewigte Luther eine Bibel.

Die Kirche verdiene übrigens kaum etwas an der Figur, sagt Düfel. Höchstens, wenn Gemeinden sie zum Großhandelspreis bestellten und ein paar Figuren selbst verkauften. Interessanter ist für die Kirche gerade etwas anderes: Sie sammelt Videos, in denen die Figur auftaucht. Ob Unboxing-Drehs dazugehören, ist unklar.

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