bedeckt München 15°

Gesetzentwurf:Plastiktüten sollen 2020 verboten werden

  • Umweltministerin Schulze will Plastiktüten im Einzelhandel per Gesetz verbieten.
  • Hemdchenbeutel und stabile Tragetaschen sollen erlaubt bleiben.

Das Bundesumweltministerium hat das Verbot für Plastiktüten an der Ladenkasse auf den Weg gebracht. Es geht dabei um sogenannte leichte Kunststofftragetaschen, nicht betroffen sind die sogenannten Hemdchenbeutel für Obst und Gemüse sowie besonders stabile Modelle. In Deutschland würden pro Jahr und Kopf noch rund 20 dieser Tüten verbraucht, heißt es im Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Verboten werden soll Geschäften, solche Tüten auszugeben, "die dazu bestimmt sind, in der Verkaufsstelle mit Waren gefüllt zu werden". Über den Entwurf hatte erst die Bild-Zeitung berichtet. Händlern droht demnach bei Verstößen eine Geldstrafe von bis zu 100 000 Euro. Das Gesetz, das vom Umweltministerium zur Abstimmung an die Ressorts verschickt worden sei, könne innerhalb der ersten Jahreshälfte 2020 in Kraft treten. Dann gelte eine weitere Übergangszeit von sechs Monaten, um Restbestände abzubauen.

Konsum und Handel Aldi verlangt nun auch Geld für dünne Plastiktüten
Discounter

Aldi verlangt nun auch Geld für dünne Plastiktüten

Ein Cent wird fällig pro Obst- und Gemüsebeutel - auf die weichen Kunden häufig aus, seit Plastiktüten Geld kosten. Es soll nur der Anfang sein für mehr Umweltschutz.   Von Benedikt Müller

Seit 2016 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Plastiktaschen an der Landeskasse nicht umsonst rauszugeben. Der Verbrauch ging von 68 Stück pro Kopf im Jahr 2015 zurück auf 24 im vergangenen Jahr. Damit hatte das Umweltministerium sich trotz Kritik von Umweltverbänden zunächst zufrieden gezeigt. Nun heißt es im Gesetzentwurf, es sei "nicht zu erwarten, dass der Verbrauch auf der Grundlage dieser Vereinbarung, welche lediglich eine entgeltliche Abgabe vorsieht, noch signifikant unter diesen Wert sinken wird."

Der Handelsverband HDE hatte das geplante Verbot bereits kritisiert. Auch Umweltverbände sehen es mit gemischten Gefühlen, denn ihnen geht es nicht weit genug. Papiertüten etwa sind zwar in der Umwelt leichter abbaubar, haben sonst aber keine bessere Ökobilanz als Plastik, wie der Nabu betonte. Er fordert eine gesetzliche Abgabe auf alle Einwegtaschen. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums hatte noch im Frühjahr gesagt, bei den Plastiktüten gehe es "im Grunde genommen um Peanuts": Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

Das geplante Verbot soll dem Entwurf zufolge auch "bio-basierte und bio-abbaubare Kunststofftragetaschen" umfassen. Sogenanntes Bio-Plastik löse keine Umweltprobleme, hatte Schulze erst kürzlich gewarnt. "Das angebliche Bio-Plastik ist leider meistens eine Mogelpackung" und verrotte nicht wie echter Biomüll, sagte sie. "Es gibt so gut wie kein umweltfreundliches Bio-Plastik auf dem Markt." Es fehle aber eine klare Regelung.

Nachhaltigkeit "Uns fehlt nichts"

Als Familie nachhaltig leben

"Uns fehlt nichts"

Stefanie Kießling tat ein müllfreies Leben lange als utopisch ab. Heute lebt sie mit Mann und Kindern so nachhaltig, dass kaum etwas im Abfall landet. Besuch bei einer Familie, die den Selbstversuch wagt.   Von Kathrin Werner