Müllproblem Entwicklungsminister Müller fordert Plastiktüten-Verbot

Plastiktüten landen nach einmaligem Gebrauch zu schnell im Müll oder gar in der Umwelt.

(Foto: dpa)
  • Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller fordert ein schnelles Verbot von Plastiktüten.
  • Noch immer werden in Deutschland jährlich 2,4 Milliarden Stück verwendet.
  • Müller will damit nach eigenen Angaben die Müllexporte in Schwellenländer verringern - doch das wird so nicht funktionieren.
Von Vivien Timmler

Im Kampf gegen Plastikmüll fordert Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ein schnelles Verbot von Plastiktüten. Nur mit einem solchen Verbot könne man die ungebrochenen Müllexporte in Entwicklungs- und Schwellenländer eindämmen, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Das Verbot von Plastik-Strohhalmen genüge nicht: "Deutschland sollte nicht auf Europa warten und Einweg-Plastiktüten sofort verbieten."

Müller verwies auf afrikanische Länder, die bereits Plastiktüten verboten hätten. "Was Ruanda, Kenia und Uganda können, müssen wir auch schaffen", sagte er. Es könne nicht das Ziel sein, den Müll nun einfach in andere Länder wie Malaysia zu schicken. "Wenn wir so weitermachen, versinken wir im Müll", sagt Müller. Mittelfristig werde Müll zur globalen Überlebensfrage, genau wie der Klimawandel.

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Doch Müllers Argumentation hat einen Haken: Ein Plastiktüten-Verbot würde das Problem der Müllexporte nicht einmal im Ansatz lösen. Deutschland hat im vergangenen Jahr mehr als 100 000 Tonnen Plastikabfälle allein nach Malaysia exportiert, hinzukommen Ausfuhren nach Indonesien, Thailand und Vietnam. Diese Mengen sind mitnichten auf Plastiktüten zurückzuführen, diese machen nur einen marginalen Anteil der Exporte aus. Vielmehr handelt es sich bei den meterhohen Ballen, die ins Ausland verschifft werden, um allerlei stark verdreckten Plastikmüll aus Haushalten und Gewerbe. Das Problem ist ein systemisches, das sich nicht mit dem Verbot einzelner Plastikartikel beheben lässt.

Sehr wohl aber könnte ein anderes Verbot Abhilfe schaffen: Noch bis diesen Freitag tagen in Genf die Vertragsparteien des Basler Übereinkommens. Das internationale Umweltabkommen regelt die Entsorgung und den Export gefährlicher Abfälle. Eine der Regeln besagt, dass die Herkunftsländer sicherstellen müssen, dass ihr Müll im Zielland weder die Gesundheit von Menschen noch die Umwelt gefährden darf - was im Falle der deutschen Müllexporte nach Südostasien jedoch zutrifft.

Bislang sind Kunststoffabfälle im Basler Übereinkommen als "ungefährlicher Müll" deklariert. Norwegen und Deutschland hatten sich in den vergangenen zwei Wochen jedoch dafür eingesetzt, gemischten oder verunreinigten Plastikmüll zur Gruppe von Abfällen zu zählen, die besonderer Prüfung bedürfen. Aufgrund der in der EU geltenden Abfallverbringungsordnung würde das einem Exportverbot solcher Abfälle in Nicht-OECD-Länder gleichkommen - auch für Deutschland.

Die Deutschen verbrauchen noch immer 2,4 Milliarden Tüten im Jahr

Hinzu kommt, dass sich der Plastiktüten-Verbrauch in Deutschland bereits massiv reduziert hat. Seit zwei Jahren müssen Verbraucher an der Kasse eine Abgabe zahlen, wenn sie eine solche Tüte verwenden wollen, mal zehn, mal 15 Cent. Seitdem hat sich der Verbrauch laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung auf 29 Tüten pro Kopf im Jahr verringert. Das entspricht 2,4 Milliarden Tüten im Jahr, was immer noch viel ist - aber bereits ein deutlicher Rückgang. 2017 verbrauchten die Deutschen noch 5,6 Milliarden Stück.

Am Ziel ist Deutschland damit jedoch noch lange nicht. Noch immer greifen viele Kunden zu den dünnen, transparenten "Hemdchenbeuteln", die es in den meisten Obst- und Gemüseabteilungen gibt. Für sie wird keine Abgabe fällig. Zwar verweist das Umweltministerium darauf, dass Alternativen bereits entwickelt würden - die Händler stellen aber nur sehr zögerlich auf umweltfreundlichere Zellulose-Netze oder Laser-Etikettierung um.

Hinzu kommt, dass viele Kunden an der Kasse nun zu Tüten aus Papier anstatt aus Plastik greifen. Die sind jedoch gar nicht so umweltverträglich, wie viele Kunden glauben. Für ihre Herstellung sind viele Ressourcen nötig, darunter Zellstoff, Wasser, Energie, vor allem aber Chemikalien. Hinzu kommt, dass die Papiertüten aufgrund ihrer Wasseranfälligkeit meist nur wenige Male benutzt werden können. Nutzen Verbraucher eine Plastiktüte mehrfach, kann diese hinsichtlich ihrer Ökobilanz also durchaus lohnender sein als eine Papiertüte. Ein Verbot von Plastiktüten, das zu einem erhöhten Verbrauch des Papier-Pendants führen würde, wäre somit überaus ineffektiv.

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