Plastikmüll Rewe stoppt Verkauf von Plastiktüten

Der Anblick solcher Rewe-Plastiktüten dürfte in Zukunft selten werden.

(Foto: dpa)
  • Rewe, der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands, verkauft künftig keine Plastiktüten mehr an seine Kunden.
  • 140 Millionen Plastiktüten sollen dadurch pro Jahr eingespart werden.
  • Statt der Plastiktüten will Rewe künftig Alternativen ausgeben - vor denen aus Papier warnen Experten jedoch.

Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe beendet den Verkauf von Plastiktüten. Dadurch sollen in Deutschland jährlich etwa 140 Millionen Plastiktüten weniger im Müll landen. Statt der umweltschädlichen Tüten aus Polyethylen will der Konzern seinen Kunden künftig Alternativen aus Baumwolle und Jute, aber auch Papiertüten, Permanent-Tragetaschen aus Recyclingmaterial oder Kartons anbieten.

Nicht betroffen von dem Plastiktüten-Bann bei Rewe sind nach Angaben eines Unternehmenssprechers zunächst die kostenlosen durchsichtigen Plastiktüten, die etwa an der Obst- und Gemüsetheke Verwendung finden - auch hier werde jedoch nach Alternativen gesucht, heißt es.

Über die freiwillige Selbstverpflichtung hinaus

Mit dem Verkaufsstopp der Plastiktüten geht Rewe über die freiwillige Selbstverpflichtung von Handel und Umweltministerium hinaus. Nach dieser sollen ab dem 1. Juni keine kostenlosen Plastiktüten mehr herausgegeben werden. 240 Unternehmen haben sich verpflichtet, künftig Geld für die Tüten zu verlangen. Sie ganz abzuschaffen, ist für die meisten Handelsunternehmen derzeit aber noch undenkbar.

Die Bundesregierung möchte den Verbrauch von Plastiktüten bis Ende 2025 auf maximal 40 Stück pro Kopf und Jahr reduzieren. So schreibt es die EU vor. Derzeit soll dieser Wert in Deutschland bei etwa 70 Tüten liegen.

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Umweltschützer sind skeptisch, ob die freiwillige Selbstverpflichtung wirklich etwas bewegen wird. Sie fürchten, dass eine Abgabe von 15 Cent oder weniger die Käufer nicht ausreichend abschrecken könnte. Zudem zweifeln sie, dass die einzelnen Unternehmen von sich aus bereit sind, einen Preis in Höhe von 20 bis 30 Cent einzuführen. Dabei halten sie nur eine solche Größenordnung für wirklich effektiv - oder eben ein Verbot.

Experten warnen vor Papiertüten

Rewe hat sich eigenen Angaben zufolge unter anderem zu dem Schritt entschlossen, weil ein Großteil der Verbraucher den Schritt nicht nur akzeptiere, sondern befürworte. Fast zwei Drittel der befragten Kunden wollen laut Rewe zu mehrfach verwendbaren Tragetaschen oder Einkaufskartons greifen.

Experten kritisieren jedoch, dass Tüten aus Papier oder Pappe nicht wirklich umweltfreundlicher seien als Plastiktüten. Für ihre Herstellung sind viele Ressourcen nötig - Zellstoff, Wasser, Energie, vor allem aber Chemikalien. Hinzu kommt, dass die Papiertüten aufgrund ihrer Wasseranfälligkeit meist nur wenige Male benutzt werden können. Empfehlenswerter sind Mehrwegtragetaschen aus Recyclingmaterial, Jutebeutel oder Rucksäcke.

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