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Südostasien:Kambodscha will Plastikmüll zurückschicken - aber wohin?

Kambodscha will Plastikmüll zurückschicken

"Kambodscha ist keine Müllhalde", sagt ein Sprecher des Umweltministeriums. Im Land selbst macht es mitunter einen anderen Eindruck.

(Foto: Heng Sinith, dpa)
  • Nach Malaysia und Indonesien will nun auch Kambodscha mehrere Container voller Plastikmüll zurückschicken.
  • Das Problem: Bislang weiß niemand so recht, wem der Müll überhaupt gehört - und woher er kommt.
  • In Kambodscha hätten die Kunststoffreste eigentlich gar nicht landen dürfen: Der Import ist nach Ministeriumsangaben schon lange verboten.

Von Vivien Timmler

Es ist schon rätselhaft: Da kommt ein großes Schiff nach Sihanoukville, lädt 83 Container ab, verschwindet kurz darauf wieder - und niemand weiß, wem diese Container nun eigentlich gehören. Seit Monaten schon steht in der Hafenstadt im Südwesten von Kambodscha die merkwürdige Fracht herum, doch erst jetzt haben Beamte bei Kontrollen festgestellt, was der Inhalt der Container ist: Dutzende Ballen gepresster Plastikmüll.

Das Land will den Abfall umgehend dahin zurückschicken, wo er herkommt. "Kambodscha ist keine Müllhalde", sagt ein Sprecher des Umweltministeriums und droht dem Importeur mit hohen Strafen. Doch nicht nur wer den Müll ins Land geholt hat, ist bislang unbekannt, sondern auch woher er eigentlich kommt. Dem Umweltministerium zufolge wird die Herkunft der Container derzeit noch untersucht. Der Inhalt war demnach als Recycling-Rohstoff gekennzeichnet - was sich bei den Kontrollen als falsch herausstellte.

Kambodscha war nie eines der großen Importländer für Plastikmüll

Gerade einmal zwei Wochen ist es her, dass Indonesien einen ähnlichen Schritt unternahm: In einem Hafen des Landes waren 49 Container mit verunreinigtem Plastikmüll entdeckt worden, unter anderem auch aus Deutschland. Das verstieß nicht nur gegen die Importregeln Indonesiens, sondern auch gegen die Exportregeln, die sich die westlichen Länder im Rahmen der Basler Konvention selbst auferlegt hatten. Das Land schickte die Kunststoffabfälle also zurück in den Westen. Einen ähnlichen Fall mit ähnlich großen Müllmengen hatte es zuvor außerdem in Malaysia gegeben.

In Sihanoukville hätte der Müll jedoch eigentlich erst recht nicht landen dürfen. Kambodscha war nie eines der großen Importländer für Plastikmüll. Im Gegensatz zu Malaysia oder Indonesien hatte die Regierung des Landes nie auf das Geschäft mit dem Recycling von Plastik gesetzt. Im Gegenteil: Dem Umweltministerium zufolge ist der Import von Kunststoffresten schon seit zwanzig Jahren verboten.

Für viele Länder Südostasiens war der Import von Plastikmüll lange ein lukratives Geschäft: Sie kauften anderen Staaten den Müll ab, sortierten recycelbares Plastik heraus, schredderten es und machten daraus Granulat, das wiederum zu neuen Produkten zusammengeschmolzen werden kann. Allerdings sind die Plastikabfälle häufig so stark verschmutzt, dass ein Recycling gar nicht mehr möglich ist. Das hat zur Folge, dass der Müll allzu oft in der Natur landet oder unter offenen Himmel verbrannt wird - wogegen sich die Staaten nun vermehrt wehren.

© SZ vom 18.07.2019/vit
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