Pinterest Mit kleinen Schritten zu zwölf Milliarden

250 Millionen Menschen nutzen die Dienste von Pinterest, einer Mischung aus Fotoplattform und sozialem Netzwerk.

(Foto: Sigrid Olsson/imago/PhotoAlto)

Das soziale Netzwerk Pinterest steht wohl vor dem Börsengang.

Von Max Ferstl

Ben Silbermann ist, gemessen an den Maßstäben des Silicon Valley, ein ungewöhnlicher Unternehmer. Er ist sehr erfolgreich, das schon. Die von ihm mitgegründete Plattform Pinterest nutzen im Monat 250 Millionen Menschen. Aber Silbermann, 37, tritt nicht so auf, als halte er sich deshalb für den Größten. Er gebe ungern Interviews, war vergangenen September in der New York Times zu lesen. Er entscheide konservativ und gehe so behutsam vor, dass nicht wenige Investoren zweifeln. Zusammengefasst: Silbermann passe eigentlich nicht in diese auf extremes Wachstum getrimmte Welt. Er sagt: "Es gibt eine natürliche Wachstumsrate."

Pinterest ist in den vergangenen Jahren nicht so rasant empor geschossen wie andere Tech-Firmen, wie Google oder Facebook. Aber seit der Gründung 2010 ging es stets aufwärts, solide und beständig. Und aufwärts soll es weiter gehen. Wie das Wall Street Journal am Donnerstag berichtete, bereitet sich Pinterest darauf vor, Ende Juni dieses Jahres an die Börse zu gehen. Pinterest habe einen vertraulichen Bericht für den Aktienverkauf eingereicht, angestrebter Wert: zwölf Milliarden Dollar, also rund 10,6 Milliarden Euro. Der Börsengang soll Ende Juni erfolgen, auch wenn ihn die Firma noch nicht bestätigt hat.

Pinterest ist eine Mischung aus Fotoplattform, sozialem Netzwerk und Suchmaschine. Wer etwa den Begriff "Garten" in die Suchmaske eingibt, findet Bilder von frisierten Vorgärten, hippen Feuerstellen, aber auch Tipps, welche Gemüsesorten man zusammen anbauen sollte (Kohl und Tomaten wäre empfehlenswert, weil das Mehltau und weiße Fliegen abhält). Es gibt offenbar ein großes Interesse an solchem Wissen. Allein im vergangenen Jahr hat die Plattform 50 Millionen Nutzer hinzugewonnen. Geld verdient Pinterest vor allem mit Marken, die dort gegen eine Gebühr auf ihre Produkte aufmerksam machen. Rund 700 Millionen Dollar soll Pinterest im Vorjahr auf diese Weise verdient haben.

Vielleicht ist es von Vorteil, dass Silbermanns Firma nicht so rasant gewachsen ist wie zum Beispiel Facebook. Der digitale Sondermüll - Hass, Fake News und Trolle - war bisher kein so großes Thema. Auf der Plattform lässt sich in der Regel störungsfrei werben. Ausnahmen gibt es allerdings, wie ein aktueller Fall zeigt. In den USA wird gerade über die Wirksamkeit von Impfungen debattiert. Die meisten Beiträge auf Pinterest dazu waren von impfkritischer und wissenschaftlich sehr fragwürdiger Natur. Deshalb hat man englische Begriffe wie "vaccination" (Impfung) oder "vaccine" (Impfstoff) blockiert. Das Ziel sei, die Verbreitung von Falschinformationen einzudämmen, teilte das Unternehmen dem Wall Street Journal mit. Die Lösung ist gemessen an Pinterests Maßstab: ungewöhnlich radikal.