Pilotenstreik bei Lufthansa Kurz Luft holen

Mit der Entscheidung aus Hessen ist längst nicht über den Streik der Lufthansa-Piloten an sich entschieden.

(Foto: dpa)

Der Streik der Lufthansa-Piloten ist per Gerichtsbeschluss gestoppt worden. Für den Konzern und die Reisenden bedeutet das eine Atempause - viel mehr aber vermutlich nicht.

Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Wenigstens die Fluggäste können aufatmen. Die Lufthansa-Piloten müssen wieder an die Arbeit gehen. Das Landesarbeitsgericht Hessen hat den Pilotenstreik gestoppt, die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit holt ihre Kollegen an die Arbeitsplätze zurück. Aber die Lufthansa, die seit anderthalb Jahren alle paar Wochen bestreikt wird, kann noch nicht aufatmen. Es ist kaum zu erwarten, dass die streitbare Kleingewerkschaft ihren zähen Kampf aufgeben wird. Beide Seiten haben viel zu verlieren.

Die Richter haben den 13. Streik der Piloten seit April 2014 gestoppt, weil die Flugzeugführer Forderungen haben, die über reine Tariffragen hinausgehen. Sie streiken nicht allein für ihre Altersversorgung und das Pensionsalter, sondern auch gegen Pläne, eine neue Tochter in Österreich zu etablieren. Gegen den Umbau eines Konzerns darf aber nicht gestreikt werden.

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Die Richter haben richtig entschieden, aber beide Fragen hängen zusammen: Die Piloten sind gegen den Konzernumbau, weil die neue Gesellschaft in Österreich auch die Aufgabe hat, Gehälter für Piloten im Lufthansa-Konzern zu senken. Die soll bald große Teile des Flugverkehrs übernehmen, ihre Piloten werden aber rund 40 Prozent weniger verdienen als bei der Lufthansa. Das stört die angestammten Piloten. Ihr Bezüge liegen weit über denen der Konkurrenz, sie gehen früher in Pension und genießen besonders großzügige Vorruhestandsbezüge. Diese Regelungen wollen die Damen und Herren im Cockpit nicht infrage gestellt sehen.

Die Piloten können jederzeit wieder streiken

Allerdings stellen die Gehälter der Flugzeugführer eine Bedrohung für den Konzern da, der zunehmend von Billigkonkurrenten umgeben ist. Die Rückstellungen in der Bilanz für die Altersversorgung lassen das Eigenkapital des Konzerns bedrohlich schrumpfen. So steigt der Verschuldungsgrad, die Bonität sinkt. Ein Konzern in einer solchen Lage hat es schwer, weil er jeden Tag weniger kreditfähig ist. Deshalb die Gründung einer Auslandsgesellschaft, welche die finanziellen Dauerrisiken für den Konzern senkt.

Die Piloten sehen nicht ein, dass ausgerechnet sie für die Lufthansa eine Gefahr sein sollen und stellen sich quer. Sie sind es nicht gewohnt, von der Konzernspitze so hart angefasst zu werden. Unter früheren Chefs waren die Cockpit-Besatzungen eine gehätschelte Elitetruppe im Unternehmen, die um des lieben Friedens willen große Mitspracherechte bekam.

Diese Zeiten sind mit dem seit gut zwei Jahren amtierenden Carsten Spohr zu Ende. Der gelernte Pilot auf dem Chefstuhl muss das Unternehmen zukunftsfähig machen und die im Vergleich zur Konkurrenz schwache Rendite heben, so wie es der Wettbewerber British Airways gerade erfolgreich vorgemacht hat. Deshalb wählt er den Weg ins Ausland, wo deutsche Tarife nicht gelten.

Das Urteil stärkt Spohr und schwächt die Vereinigung Cockpit. Dass diese deshalb ein Einsehen haben, davon ist nicht auszugehen. Die Piloten können mit neuen Gründen einen neuen Streik beginnen.

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