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Innovative Technik:Getarnte Dachziegel

Tesla Unveils New Battery System

Powerpack von Tesla: Der US-Konzern bringt eine Batterie auf den Markt, die Haushalte von den Energiekonzernen unabhängig machen soll.

(Foto: Kevork Djansezian/AFP)

Tesla, Daimler, BMW und BYD bieten Hausbatterien an. Wettbewerber erhoffen sich Synergie-Effekte.

Von Stefan Mayr, Nürnberg

So kennt man Tesla: Cooles Design, schicke Fotos, sexy Produktnamen. Power Wall heißt der Hausstromspeicher, den der US-Elektroauto-Hersteller verkauft. Und dazu der letzte Schrei: Solar Roof. Die Designer von Unternehmensgründer Elon Musk haben Dachziegel mit integrierten und unsichtbaren Photovoltaik-Flächen entwickelt. Der Kunde kann unter anderem wählen zwischen grauer "Schiefer-Optik" und rotem "Toskana-Stil". Lieferbar "ab 2018". Wer schon immer eine Solaranlage auf seinem Dach haben wollte, die man nicht sieht, kann jetzt vorbestellen. Gegen Vorauszahlung natürlich - auch das kennt man bei Tesla: 930 Euro für die Dachziegel, 450 Euro für die Hausbatterie. Die Wartezeit kann länger dauern als versprochen, aber auch das ist ja nichts Neues von der Firma aus Palo Alto.

Tesla ist nicht der einzige Autohersteller, der Hausbatterien anbietet. So mancher Wettbewerber erhofft sich hier im heranbrausenden Zeitalter der Elektro-Mobilität Synergie-Effekte. Tesla will seine Batterie-Zellen, die in der firmeneigenen Gigafactory in der Wüste von Nevada hergestellt werden, auch in den Kellern seiner Autokäufer und anderer Hausbesitzer unterbringen. Für die Kunden hätte das den positiven Nebeneffekt, dass sie mit ihrem überflüssigen Strom vom Dach ihr E-Auto auftanken könnten. Und die Hersteller hätten ein weiteres Standbein in Zeiten, da die Absatzzahlen von E-Autos ungewiss sind.

Zusätzlicher Vorteil für die Hersteller: Sie können gebrauchte Batterie-Zellen ihrer E-Autos weiterverwerten, indem sie diese als Hausspeicher verkaufen. Denn wenn die Akkus nach einigen Jahren nur noch etwa 75 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung bringen, haben sie auf der Straße ausgedient. Aber im Keller verrichten sie noch gute Dienste; dort kann man problemlos mehrere Zellen zusammenschließen, weil das Gewicht keine Rolle spielt. Auf dieses Konzept setzt etwa der japanische Autohersteller Nissan, er recycelt die Akkus aus seinem Elektroauto Nissan Leaf zu Hausspeichern.

Daimler hat 2016 die Mercedes-Benz Energy GmbH gegründet. Sie hat in Deutschland bereits einen Marktanteil von zehn Prozent und spricht von einem "Wachstumsmarkt", der sich "sehr schnell" entwickle. Die Daimler-Tochter lässt ihre Hausspeicher in der Autobatterien-Fabrik des Konzerns im sächsischen Kamenz herstellen und vertreibt diese auch in Großbritannien, Südafrika, in den USA und den Benelux-Ländern. Absatz-Zahlen verrät sie nicht, teilt aber mit, dass sie mit der Nachfrage "sehr zufrieden" sei. Die GmbH wächst rapide: Im zweiten Jahr hat sich die Belegschaft auf mehr als 100 Mitarbeiter verdoppelt. Im Angebot hat sie auch größere Stationärspeicher für mittelständische Unternehmen.

Ähnliches bietet BMW über die Firma Digital Energy Solutions, ein Joint Venture mit der Viessmann-Gruppe, an. Daneben bastelt die BMW-Sparte Energy Services an neuen Geschäftsmodellen. Ziel sei "ein ganzheitliches, kundenrelevantes Ökosystem". Das klingt nett, aber der Premium-Hersteller aus München sollte sich sputen, denn vor seiner Haustür wirbt der chinesische Elektroauto-Fabrikant BYD seit März um Hausspeicher-Käufer. Dessen B-Box ist nicht zu unterschätzen: BYD ist hierzulande zwar noch weitgehend unbekannt, gilt bei E-Autos aber als Weltmarktführer mit einem Anteil von 13 Prozent - noch vor Tesla (neun Prozent) und BMW (sieben Prozent). Zudem hat BYD langjährige Erfahrung in der Produktion von aufladbaren Akkus für Handys und Elektroroller. Nicht nur auf der Straße, auch im Keller könnte BYD die deutschen Premiumhersteller überholen.

© SZ vom 13.07.2017
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