Fotografie Das sind die Trends der Photokina

Künstliche Intelligenz und automatische Kameras beherrschen die Fachmesse. Während die Hersteller am Digitalen basteln, besinnen sich manche Kunden auf alte Technik.

Von Janis Beenen, Köln

Es ist gar nicht lange her, da stapelten sich unter den Weihnachtsbäumen Digitalkameras. Kleine Knipsen für jedes Familienmitglied, schon für etwas mehr als 100 Euro. Der Markt aber hat sich rasch gewandelt. Wer im Alltag passable Fotos machen möchte, nutzt heute das Smartphone.

Im laufenden Jahr werden in Deutschland voraussichtlich noch 2,35 Millionen Digitalkameras verkauft. 2014 waren es noch knapp 4,5 Millionen. So haben es die Marktforscher der Firma Gfk berechnet. Die Einnahmen werden dieses Jahr wohl unter die Marke von einer Milliarde Euro fallen. Die Digitalisierung hat den Kameraherstellern zugesetzt, zugleich sind die Erfindungen der digitalen Welt aber die beste Möglichkeit, damit Unternehmen wie Canon oder Nikon das Geschäft in die Zukunft bringen können. Matthias Harsch, Chef des Traditionsbetriebs Leica, spricht gar von einem "Schwarz-Weiß-Szenario".

Hervorragende Bildqualität und neue Anwendungsfelder wie Drohnen sollen den klassischen Herstellen wieder Erfolge bringen. In dieser Woche stellt die Branche ihre Errungenschaften auf der führenden Messe Photokina in Köln vor. Über 800 Aussteller sind vor Ort.

Ein Überblick über die meist teuren Trends:

Bei den Spiegelreflexkameras präsentieren die Hersteller kaum Neues. Stattdessen setzen sie auf spiegellose Systemkameras. Die statten sie vermehrt mit leistungsstarken Vollformat-Sensoren aus. Weil der Spiegel wegfällt, sind die Kameras kompakter und leichter, der große Sensor sorgt für eine bessere Bildqualität. In vielen Geräten wird das Bild zudem automatisch korrigiert, das Foto wird also optimiert, ehe der Fotograf am Computer retuschiert. "Ihre Stärken können Vollformatkameras besonders bei schwachen Lichtverhältnissen ausspielen", sagt Rainer Führes, Vorstandsvorsitzender des Photoindustrie-Verbands und Chef von Canon in Deutschland. Noch ist der Stromverbrauch vieler Geräte enorm hoch, zudem kosten alleine die Gehäuse häufig schon mehrere tausend Euro. Profis und ambitionierte Hobbyfotografen sind aber wohl bereit, so viel zu zahlen.

So sieht die Zukunft aus

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Bislang dominiert Sony das Geschäft, da die Firma das neue Segment frühzeitig bediente. Canon mit dem Modell Eos R und Nikon mit der Z7 legen nun aber mit eigenen leistungsstarken Kameras ohne Spiegel nach. Panasonic ist mit der Reihe Lumix S im Geschäft. Bei den Objektiven will das Unternehmen künftig mit den Rivalen Sigma und Leica kooperieren - wohl auch, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Intelligente Produkte

Viele Hersteller tüfteln an Künstlicher Intelligenz (KI). Einen Blitz, der sich selbst ausrichtet, gibt es schon. Eine Kamera, die erst auslöst, wenn alle davor die Augen geöffnet haben, wird Realität. Die KI kann sogar das Motiv erkennen und im digitalen Album richtig einordnen.

Mit ihrer Technik wollen sich die Produzenten aber nicht mit Apparaten für den Strandurlaub begnügen. Flugdrohnen werden ausgestattet und sogar der Supermarkt. "Eine in die Kasse eingebaute Kamera wird künftig mit Hilfe eines automatischen Bilderkennungssystems Äpfel und Birnen auseinanderhalten", sagt Führes. Anstehen am Band wird damit überflüssig, die Kamera erkennt den Einkauf und löst die Abbuchung aus.

In der Serengeti können KI-System die Tiere überwachen, so Führes. Die vollautomatische Methode könne Löwen oder Elefanten mit einer Genauigkeit von über 96 Prozent zählen.

App und Cloud

Eine gute Kamera zu bauen, reicht nicht aus. Die Marktführer wollen vom Drücken des Auslösers bis zum Speichern oder Druck des Bildes Geld verdienen. Um auf dem Smartphone nicht vergessen zu werden, bringt etwa Leica eine App zur Fotoverwaltung und -bearbeitung heraus. Andere bieten eigene Cloudspeicher an. Noch nicht mal 30 Prozent der Deutschen nutzen bislang solche Systeme - eine Chance für die Kamerabauer.

Alte Technik wieder gefragt

Die Hersteller von Kameras statten Flugdrohnen mit Hightech-Geräten aus.

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Bei der Entwicklung der Fotografie scheint es wie mit der Musik zu sein: Trotz Digitalisierung zieht das Alte. Ähnlich wie die Schallplatte kaufen die Kunden wieder analoge Kameras. In der Flut kurzlebiger Schnappschüsse wollen sie wieder das Haptische und Bleibende. Besonders gefragt ist die Sofortbildkamera - das alte Polaroid. Über 400 000 Stück verkauften die Händler 2017 in Deutschland. Canon will sogar aus dem Handy eine Sofortbildkamera machen und stellt einen Mini-Drucker für die Handtasche vor.

Nur reich werden können die Hersteller mit den vergleichsweise günstigen Geräten nicht. Wem das Smartphone nicht reicht, muss daher künftig viel zahlen. Aus dem Massenmarkt wird eine Nische für Profis und ehrgeizige Amateure.

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