Philipp Rösler Er war schon in New York

Auf Stippvisite in Berlin: Philipp Rösler und seine Frau Wiebke bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung.

(Foto: Imago)

Der Ex-Minister gibt seinen Job bei der Stiftung des um­stritt­en­en chinesischen HNA-Konzerns auf. Die Begründung: Jeden Monat in die USA fliegen zu müssen sei aufregend gewesen, aber auch ganz schön stressig.

Von Marc Beise

Die Sonne scheint in Zürich, gerade war er mit den Zwillingen in der Kinder-Uni der Eidgenössischen Technischen Hochschule, kurz ETH. Philipp Rösler lebt gerne in der Schweiz, die Familie fühlt sich wohl, und das launische politische Berlin ist weit. Dort ist der immer noch junge Niedersachse mit vietnamesischen Wurzeln einst zu bundesweiter Bekanntheit aufgestiegen, als FDP-Vorsitzender, Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler in einem der vielen Kabinette von Angela Merkel. Im Jahr 2013 übernahm er beherzt die Verantwortung für das historische Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag und stieg einige Jahre früher als geplant aus der Politik aus. Mittlerweile ist er in der globalen Wirtschaft tätig, und man darf sagen: Es läuft gut für Philipp Rösler.

Anfang der Woche fliegt er von Zürich nach Helsinki, um sich am Dienstag in den Aufsichtsrat des Energieversorgers Fortum wählen zu lassen. Das Unternehmen mit maßgeblicher staatlicher Beteiligung ist auch in Deutschland bekannt geworden, als es die Kraftwerksparte des Energiekonzerns Eon kaufte, die dieser im Umbruch abgespalten und mit Sitz in Düsseldorf an die Börse gebracht hatte.

Düsseldorf dürfte künftig also gelegentlich auf Röslers Reiseroute liegen, ebenso wie Erlangen, wo er im Aufsichtsrat der Siemens Healthineers AG sitzt, der ebenfalls an die Börse gebrachten Medizintechniktochter des Siemens-Konzerns. Zielstrebig puzzelt sich der frühere Bundeswehrarzt, der für die FDP auch mal Bundesgesundheitsminister war, ein Portfolio von Jobs in den Bereichen Energie, Gesundheit und Mobilität zusammen.

Dafür hat er mittlerweile ein Engagement aufgegeben, mit dem er in der großen Welt unterwegs war, das aber seinem Image nicht zuträglich war. In New York hat er eineinhalb Jahre lang für, wie man hörte, viel Geld die Hainan Chang Charity Foundation aufgebaut, was soweit unschuldig klingt, aber die Stiftung des umstrittenen chinesischen Konzerns HNA ist, der in den vergangenen Jahren durch eine heftige Einkaufspolitik und häufig eher undurchsichtige Strukturen für Schlagzeilen sorgte und zwischendurch auch ein wichtiger Spieler bei der Deutschen Bank war.

Rösler beteuert, dass der Job in New York ihm großen Spaß gemacht habe und er ihn keinesfalls wegen Unverträglichkeiten mit den Eigentümern aufgegeben habe, sondern aufgrund von privaten Kalamitäten. Jeden Monat für eine Woche nach New York fliegen zu müssen, das sei am Anfang aufregend gewesen, aber mit der Zeit doch auch ein ganz schöner Schlauch geworden. So habe man sich um den Jahreswechsel im besten Einvernehmen getrennt, was sich auch daran zeige, dass er in der Schweiz weiter für die Chinesen tätig sein werde. So ist er im Gespräch für einen Kontrolljob beim Schweizer Flugcaterer Gategroup und bei SR Technic, die aus der Technikabteilung der Swissair entstanden ist; beide Unternehmen gehören ins weitere HNA-Reich.

Und ein paar Fernreisen darf es auch weiterhin geben: zum Beispiel in sein Geburtsland Vietnam, wo er bei Start-ups engagiert ist.