Philipp Rösler Bei Siemens gelandet

Der frühere FDP-Chef und Vizekanzler Philipp Rösler wird in den Aufsichtsrat der Siemens Healthineers AG berufen - und bringt durchaus Fachwissen für den Job mit.

Von Caspar Busse

Mit 45 werde Schluss sein mit der Politik, hat Philipp Rösler vor vielen Jahren einmal gesagt. Damals war er gerade mit 34 Jahren Bundesgesundheitsminister geworden. Am vergangenen Wochenende nun feierte Rösler in seiner Heimat Niedersachsen in größerem Kreis seinen 45. Geburtstag, seine Politiker-Karriere aber endete bekanntermaßen viel früher, nämlich schon 2013. Rösler übernahm damals als FDP-Chef und Vizekanzler die Verantwortung für das historische Ausscheiden seiner Partei aus dem Bundestag.

Außerhalb der Politik konnte er trotzdem schnell Fuß fassen: Er wechselte in den Vorstand des Weltwirtschaftsforums nach Genf, war dort vier Jahre lang für internationale Kontakte zuständig und erwarb sich einen guten Ruf. Ende 2017 wechselte er von dort an die Spitze der Hainan Cihang Foundation in New York, wo er für die Gründer des umstrittenen chinesischen Mischkonzerns HNA eine wohltätige Stiftung aufbauen sollte.

Jetzt nimmt Rösler ein weiteres wichtiges Mandat an, diesmal in der deutschen Wirtschaft. Er wird in den Aufsichtsrat der Siemens Healthineers AG berufen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Siemens plant derzeit den Börsengang seiner Medizintechnik-Tochter, noch bis Ostern soll es möglicherweise so weit sein. Schon bald könnte die Preisspanne bekannt gegeben werden: Siemens Healthineers ist nach Schätzungen bis zu 35 Milliarden Euro wert und wird schon als Kandidat für den Deutschen Aktienindex (Dax) gehandelt. Insidern zufolge will Siemens zunächst zwischen 15 und 20 Prozent der Healthineers-Aktien verkaufen. Insgesamt neun Aufsichtsräte hat Siemens nun für die neue Aktiengesellschaft nominiert, davon kommen fünf aus dem Konzern, unter anderem Siemens-Vorstand Michael Sen, der auch Aufsichtsratsvorsitzender werden soll, sowie Nathalie von Siemens.

Rösler gehört dagegen zu den vier unabhängigen Aufsehern und bringt durchaus Fachwissen für den Job mit. Nach dem Abitur studierte er in Hannover Medizin, 1999 begann er im Hamburger Bundeswehrkrankenhaus seine Facharztausbildung. Als Sanitätsoffizier promovierte er zum Dr. med, brach seine Facharztausbildung zum Augenarzt aber aufgrund seiner FDP-Parteikarriere ab. Er war schon 1992 der FDP beigetreten, 2003 zog er in den niedersächsischen Landtag ein, wurde 2009 Landwirtschaftsminister und wechselt später als Gesundheitsminister nach Berlin.

2011 stieg er zum FDP-Chef auf, wurde Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler, es folgte der politische Absturz. Seine internationalen Kontakte aber sind noch immer gut, er hat sie in seiner Zeit beim Weltwirtschaftsforum sogar weiter ausgebaut. Rösler, der uneitel und diplomatisch ist und sich im persönliche Gespräch meist erstaunlich locker gibt, wirkt heute noch immer jugendlich, früher wurde er deshalb schon als "Fipsi" bezeichnet, als Mitglied der FDP-Boygroup. Doch davon hat er sich inzwischen emanzipiert.

Als sein Wechsel zur Hainan-Stiftung hart kritisiert wurde, unter anderem weil der Konzern an der Deutschen Bank beteiligt ist und die finanziellen Verhältnisse unklar sind, gab er sich weltmännisch. "Es war verlockend, eine neue globale Organisation aufzubauen und ihre Ausrichtung bestimmen zu können", sagte Rösler dem Handelsblatt. Und: "Als jemand, der als Kind in einem Waisenhaus in Vietnam aufwuchs, jetzt diese Arbeit übernehmen zu können, das ist schon was." Rösler kam im Alter von neun Monaten nach Deutschland und wurde von einem deutschen Ehepaar adoptiert. Mit seiner Frau, einer Ärztin, und den Kindern will er nun von Genf nach Zürich umziehen und nach New York pendeln - und künftig dann ab und an auch nach München.