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Tabakindustrie:Große Worte - viel Kritik

Ein umfangreiches Tabakwerbeverbot ist in Deutschland schon länger im Gespräch, unter anderem setzt sich Marlene Mortler (CSU), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, dafür ein. Auch zu Philip Morris hat sie eine klare Meinung: "Was die angebliche rauchfreie Zukunftsvision eines Zigarettenherstellers angeht, kann ich nur sagen: Tabak für die Armen, moderne Hybridprodukte für die Reichen - das ist unglaubwürdig, unmoralisch und alles andere als gesundheitsorientiert", sagte sie im Gespräch der Süddeutschen Zeitung. Und weiter: "Im Mittelpunkt steht für mich die Gesundheit der Menschen, die wir schützen müssen. Dafür brauchen wir das Tabakwerbeverbot, und wir müssen auch die Lücken bei der Regulierung der E-Zigaretten schließen."

Viele Kritiker unterstellen Philip Morris, sich mit Iqos an die aufgeklärten Menschen in den Industrieländern zu wenden, das Zigarettengeschäft in ärmeren Ländern, wo es noch viele Raucher gibt, aber vorbehaltlos voranzutreiben. Und: Noch gibt es kaum unabhängige Langzeitstudien über die Folgen des Rauchens von E-Zigaretten, die die Behauptungen der Hersteller untermauern könnten. Zumal die Produkte sehr unterschiedlich sind.

E-Zigaretten: Der Wettbewerb wird härter

Calantzopoulos sagt, er würde gerne mit Regierungen und anderen Institutionen zusammenarbeiten. Sprechen will er nicht nur über Werbeverbote, sondern auch über Steuersätze. Philip Morris verdient an Iqos viel mehr als an Zigaretten. In Deutschland wird der Brennstoff - ähnlich wie Pfeifentabak - geringer besteuert als herkömmliche Zigaretten.

Zugleich wird der Wettbewerb härter. Alle Tabakkonzerne, darunter Imperial Brands oder British American Tobacco, arbeiten mit E-Varianten. Einige lassen verdampfen, andere verbrennen, das ist nicht neu, auch Philip Morris hat neben Iqos noch andere Marken im Rennen. Im Dezember soll die bei amerikanischen Teenagern angesagte E-Zigarette "Juul" in Deutschland auf den Markt kommen. Das sogenannte "Juuling" versetzt Drogenbeauftragte in den USA seit Monaten in Aufruhr. Entwickelt sich die Start-up-Marke auch in Deutschland zum Erfolg, dürfte Philip Morris seine E-Produkte anpassen, schätzen Marktbeobachter.

Calantzopoulos legt seine Iqos weg. Auf die Frage, warum er von einer rauchfreien Welt spricht, wenn er doch eine von Iqos vereinnahmte meint, lächelt er und sagt: "Ich glaube, eine Welt ohne Zigaretten ist eine bessere für alle Menschen."

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