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Karrieren:Eine Frau führt künftig den Pharmakonzern Merck

Belen Garijo

Steigt auf: Die Spanierin Belen Garijo.

(Foto: Markus Scholz/dpa)

Die Spanierin Belén Garijo wird im Mai Vorstandsvorsitzende und ist damit die einzige Chefin eines Dax-Konzerns, aber nicht die erste.

Von Caspar Busse

Frauen sind in den Topetagen der deutschen Wirtschaft noch immer selten, an der Spitze der 30 Dax-Unternehmen steht derzeit keine einzige Managerin. Doch das soll sich jetzt ändern: Belén Garijo soll vom kommenden Mai an den Darmstädter Pharmakonzern Merck führen. Sie werde Nachfolgerin von Stefan Oschmann, der die Geschäfte seit 2016 führt. Die 60-Jährige kommt aus Spanien, hat in Madrid Medizin studiert und war schon im Juli zur Vize-Chefin ernannt worden.

Garijo wäre damit nach jetzigem Stand die einzige Chefin eine Dax-Unternehmens, aber nicht die erste. Im vergangenen Jahr war die Amerikanerin Jennifer Morgan zur Co-Vorstandsvorsitzenden des Softwareunternehmens SAP ernannt worden, doch sie konnte sich nicht lange halten. Bereits nach einem halben Jahr hatte sie den Job wieder aufgegeben.

Auch das ehemalige Dax-Unternehmen Thyssenkrupp hat seit dem vergangenen Herbst eine Frau an der Spitze: Martina Merz führt den Stahl- und Technologiekonzern, der sich gerade in einer tiefen Krise befindet. Merz war zuvor im Aufsichtsrat des Unternehmens. Bei der Commerzbank war gerade auch eine Frau als neue Vorstandsvorsitzende im Gespräch gewesen, am Wochenende wurde aber Manfred Knof ernannt. Beim Düsseldorfer Henkel-Konzern führt schon lange eine Frau den Aufsichtsrat: Simone Bagel-Trah. Ansonsten sind Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten unterproportional vertreten. Immer wieder wird über eine Quote diskutiert.

Jetzt also Belén Garijo: Sie kam 2011 von französischen Unternehmen Sanofi-Aventis zu Merck - als Leiterin des operativen Geschäfts der Biopharma-Sparte. 2015 dann wurde sie in die Geschäftsleitung berufen und ist seitdem für die Pharmasparte zuständig. Im vergangenen Jahr war sie als mögliche Nachfolgerin von Sanofi-Chef Olivier Brandicourt gehandelt worden. Diesen Posten übernahm im September aber Novartis-Pharma-Chef Paul Hudson.

Unter Garijos Führung richtete Merck sein Arznei-Angebot neu aus, etwa mit dem Fokus auf neue spezialisierte Krebsmedikamente und Mittel gegen Multiple Sklerose (MS). Sie habe hervorragende Arbeit geleistet, heißt es. Merck hat rund 57 000 Mitarbeiter und macht etwa 16 Milliarden Euro Umsatz. Merck ist nicht mit dem gleichnamigen US-Konzern zu verwechseln.

Vorgänger Oschmann habe den Wandel von Merck hin zu einem "führenden Wissenschafts- und Technologieunternehmen maßgeblich gestaltet", sagte Johannes Baillou, Vorsitzender des Gesellschafterrates der E. Merck KG, am Montag. Er werde sich nun "anderen Aufgaben" zuwenden, hieß es.

© SZ
Illustration: Lena Ponkowsky

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