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Pharmaindustrie:Das Geschäft mit den Teststreifen

Er hält einen künftigen Marktanteil von fast 30 Prozent für möglich - und glaubt damit an einen größeren Abstand zu Sanofi. Die erfolgreiche Diabetes-Strategie könnte die Dänen sogar in die Top Ten der Pharmaunternehmen katapultieren, während sie derzeit auf dem 17. Platz verharren. 2015 verliert Sanofi die Patentrechte an Lantus, danach kann das Mittel nachgeahmt und billig verkauft werden.

Neben dem Verkauf von Insulin spielt für die Pharmabranche auch der Bedarf von Blutzuckermessgeräten sowie den dazugehörigen Teststreifen eine Rolle. Als Marktführer bezeichnet sich die Firma Roche, die Boehringer Mannheim übernommen hat und noch heute an diesem Standort die Geräte entwickelt. In jüngerer Zeit sei ein deutlicher Anstieg bei der Anzahl sowohl der Anbieter als auch der Blutzuckermessgeräte zu beobachten. Viele dieser Anbieter setzen vor allem auf preisgünstige Geräte und Teststreifen. Roche hofft, eine Verschärfung der Zulassungskriterien dränge einen Teil der Billiganbieter aus dem Markt.

Mangelnde Qualität, so Roche, könne zu ernst zu nehmenden gesundheitlichen Risiken führen. Von solchen Risiken weiß die Stiftung Warentest aber nichts. Die Berliner nahmen vor Kurzem 16 Blutzuckermessgeräte unter die Lupe und kamen in einem Dutzend Fällen zu guten Ergebnissen: Sie rieten den Diabetikern allerdings zu Preisvergleichen, weil sich das lohne. Meist würden die Anbieter die Messgeräte günstig oder gratis abgeben. Das Geld werde mit den Teststreifen gemacht, von denen im Jahr 2010 mehr als 1,2 Milliarden Stück zum Preis von jeweils 73 Cent verkauft worden seien.

Allerdings haben die Krankenkassen dem massenhaften Verkauf der Teststreifen bereits 2011 einen Riegel vorgeschoben. Fast 90 Prozent aller Diabetiker gehören zum Typ 2, bei dem die Bauchspeicheldrüse noch Insulin bildet, aber die Zuckerverwertung trotzdem nicht klappt. Sie sollen ihre Arzneimittel nicht anhand von täglichen Messwerten dosieren, nur in Ausnahmefällen erstatten die Krankenkassen die Geräte noch. Diabetiker vom Typ 1, also Menschen, denen Insulin komplett fehlt, können dank ausgefeilter Gerätetechnik ein ziemlich normales Leben führen. Dabei übernehmen die Messgeräte immer mehr Funktionen, speichern Blutzuckerwerte über einen längeren Zeitraum und erleichtern so den Umgang mit der Krankheit.

Das Senken des Blutzuckerspiegels spielt auch in Berlin im ICC beim Welt-Diabetestag eine Rolle, es wird gemeinsam geübt. Nach dem Motto "Jeder Schritt zählt" sollen Besucher laufen und spenden. Ein Spaziergang unter dem Funkturm endet mit einem Menschenkreis. Der soll den "blauen Kreis" symbolisieren, das Zeichen der weltweiten Diabetes-Gemeinde. Am 14. November werden viele bekannte Gebäude und Denkmäler auf der ganzen Welt blau angeleuchtet, um die Aufmerksamkeit auf den Welt-Diabetestag zu lenken. Von Argentinien über Indien, Syrien bis hin zu den Virgin Islands strahlen 200 Monumente im "blauen Leuchtfeuer der Hoffnung". Der Berliner Funkturm gehört dazu.