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Pharmabranche:Kooperieren statt kaufen

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Unsicherheiten durch Covid-19, die US-Präsidentschaftswahl und den zunächst ungeklärten Brexit lähmten im Jahr 2020 das Kaufinteresse.

(Foto: Stefano Carofei/imago images)

Biotechs, Pharmafirmen und Medizintechnikanbieter hielten sich im Jahr 2020 mit Zukäufen zurück.

Von Elisabeth Dostert

Fast wäre die Bilanz 2020 noch erbärmlicher ausgefallen, hätte nicht der britisch-schwedische Konzern Astra Zeneca im Dezember für 40 Milliarden Dollar die US-Firma Alexion übernommen. 2020 hielten sich die Life-Science- und Healthcare-Konzerne mit Übernahmen zurück, schreibt das Beratungsunternehmen EY in einer Branchenanalyse. Mit 159 Milliarden Dollar lag das Gesamtvolumen der Transaktionen auf dem niedrigsten Niveau seit 2014, damals wurden die Daten zum ersten Mal ausgewertet. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 hat sich das Volumen fast halbiert. Die Zahl der Deals fiel von 105 auf 98. Als Grund für die Zurückhaltung nennt EY-Experte Klaus Ort die Unsicherheiten durch Covid-19, die US-Präsidentschaftswahl und den zunächst ungeklärten Brexit.

Deutschland entwickelte sich gegen den Trend. Dort stieg das Transaktionsvolumen in der Biotech-, Pharma- und Medizintechnikbranche von 9,8 Milliarden 2019 auf 26,7 Milliarden Dollar 2020. Der sprunghafte Anstieg ist vor allem der Übernahme des US-Konzerns Varian Medical Systems durch Siemens Healthineers zuzuschreiben für knapp 16,4 Milliarden Dollar. Nun könnten die Unternehmen "aus dem Vollen greifen", so Ort. Die "Firepower", also die Mittel, die Unternehmen für Übernahmen mobilisieren könnten, summieren sich auf 1,47 Billionen Dollar. Schon im zweiten Halbjahr 2020 nahmen die Aktivitäten zu, 2021 rechnet Ort mit einer weiteren Zunahme. Ihm zufolge konzentrieren sich die Firmen immer stärker auf bestimmte Therapiegebiete wie Onkologie und Immunkrankheiten. Nicht benötigte Geschäftsfelder werden veräußert.

Ott beobachtet auch mehr Allianzen unter Life-Science-Firmen. Ihr Wert stieg bis Ende November auf 140 Milliarden Dollar, ein Rekord. Insgesamt kamen 261 Partnerschaften zustande. "Allianzen verringern das Risiko für die einzelnen Unternehmen auf hohen Forschungs- und Entwicklungskosten sitzen zu bleiben", erläutert Ort. Gerade in der Entwicklung von Wirkstoffen ließen sich mit Partnern schneller Ergebnisse erzielen. Und Ort erwartet einen stärkeren Trend zur Zusammenarbeit, auch mit Start-ups außerhalb der Branche, etwa bei der Auswertung von Daten.

Ein gutes Zeichen für die Entwicklung der Branche sei, dass deutsche Unternehmen an den Finanzmärkten stärker auffallen. So sammelte das Tübinger Biotechunternehmen Curevac beim Börsengang 250 Millionen Dollar ein - der höchste Wert eines deutschen Biopharma-Unternehmens bisher. Rechnet man Biopharmas und Medizintechnikunternehmen zusammen, war allerdings 2018 das bislang beste Börsenjahr für deutsche Konzerne: Siemens Healthineers kam 2018 beim Börsengang auf 5,2 Milliarden Dollar.

© SZ vom 12.02.2021
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