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Pflege:Situation in der Pflege verschärft sich

Pflege: Die Situation in Pflegeheimen hat sich laut Studie verschärft.

Mehr Demenzkranke, mehr Menschen mit chronischen Schmerzen: In der Pflege steigt die Belastung.

(Foto: dpa)
  • In Deutschland verschärft sich laut einer Studie die Lage in der Pflege. Mehr Menschen sind durch Krankheiten wie Demenz stark eingeschränkt.
  • In der Versorgung der Pflegebedürftigen zeigt sich ein gemischtes Bild. Bei der Wundversorgung gibt es mehr Mängel, in anderen Bereichen positive Entwicklungen.
  • Probleme gibt es auch bei ambulanten Pflegediensten. Bei rund einem Drittel der Abrechnungen zeigen sich laut den Autoren der Studie Auffälligkeiten.

Von Kristiana Ludwig, Berlin, und Jan Schmidbauer

Mehr Demenzkranke, mehr Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden oder es nicht mehr zur Toilette schaffen - die Situation in den Pflegeheimen hat sich in den vergangenen Jahren noch einmal verschärft. Das zeigt der neue Pflege-Qualitätsbericht der Medizinischen Dienste der Krankenkassen, die mehr als 13 000 Heime und fast genauso viele ambulante Pflegedienste in Deutschland besucht haben.

Der Bericht bezieht sich auf das Jahr 2016, zuletzt hatten die Prüfer von den Pflegebedingungen im Jahr 2013 berichtet. Eine Entlastung der Pfleger zeigt sich nur an wenigen Stellen. So ist etwa die Zahl der Heimbewohner, die künstlich ernährt werden, von rund fünf auf knapp zwei Prozent zurückgegangen.

Einige Mängel gibt es in der Versorgung der Pflegebedürftigen. Nur 75,6 Prozent der Bewohner, die sich wund gelegen oder eine andere chronische Verletzung hatten, wurden dem Medizinischen Dienst zufolge "nach aktuellem Stand des Wissens" versorgt. 2013 hatten Pflegeheime noch 79 Prozent der Betroffenen richtig geholfen. Es gebe eine "Fehlentwicklung in der Qualität", sagt Gernot Kiefer, Vorstand des Spitzenverbandes der Krankenkassen.

Die Belastungen in der Pflege steigen auch, weil mehr Patienten Hilfe benötigen. "Wir haben eine zunehmende Zahl von Demenzkranken und Bewohnern, die an mehreren Krankheiten leiden", sagt Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen. So waren zuletzt 70,7 Prozent der Bewohner von Pflegeheimen durch Demenz oder ähnliche Krankheiten in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt. 2013 lag diese Zahl noch bei 63,8 Prozent - ein deutlicher Anstieg.

Mehr als 90 Prozent der Heimbewohner benötigten Hilfe dabei, ihre Medikamente einzunehmen. Dabei gab es nur in knapp 13 Prozent der überprüften Fälle Schwierigkeiten. Im Vergleich zu 2013 verbesserten sich die Heime hier, genauso wie bei der "systematischen Schmerzeinschätzung", die rund 37 Prozent der Bewohner benötigten. Bei weniger Menschen als zuvor mussten "freiheitsentziehende Maßnahmen" angewendet werden, etwa Bettgitter oder Bauchgurte, die Bewohner an ihr Bett fesselten. 2016 nutzen Pfleger solche Maßnahmen bei etwa neun Prozent der Pflegebedürftigen, 2013 waren es noch mehr als zwölf Prozent.

Erstmals werteten die Medizinischen Dienste der Krankenkassen auch die Abrechnungen der ambulanten Pflegedienste aus. Bei rund einem Drittel der Unternehmen zeigten sich hier Auffälligkeiten. Die Prüfer waren den Fragen nachgegangen, ob die Dienste die in Rechnung gestellten Leistungen auch wirklich erbracht haben - und ob es ausgebildete Pflegefachkräfte waren, die den Menschen halfen.

Ähnlich wie im stationären Bereich steigt auch in der ambulanten Pflege der Bedarf nach Hilfe. 43,5 Prozent der Pflegebedürftigen litten 2016 unter chronischen Schmerzen, 2013 waren es noch 38,8 Prozent. Auch sind mehr Pflegebedürftige in ihrer Alttagskompetenz eingeschränkt, ihr Anteil stieg von 29,9 auf 31,2 Prozent.

Union und SPD wollen nachbessern

Die steigende Zahl von Pflegebedürftigen in Deutschland beschäftigt auch die Politik. Erst gestern hatten sich CDU/CSU und SPD in ihren Koalitionsverhandlungen grundsätzlich auf eine gemeinsame Pflegepolitik geeinigt. Demnach sollen kurzfristig 8000 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden. Woher das Geld für die Maßnahme kommen soll, ist noch offen. Die Mehrkosten sollen allerdings "nicht zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen", sagte SPD-Vizechefin Malu Dreyer.

Ändern wollen Union und SPD auch die Entlohnung von Pflegern. Der geschäftsführende Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bemängelt, dass Pfleger in verschiedenen Regionen Deutschlands Löhne mit bis zu 1000 Euro Unterschied bekämen. Hier sollen flächendeckende Tarifverträge Abhilfe schaffen. Angehörige, die zu Hause pflegen, können zudem auf eine bessere Unterstützung hoffen als bislang. Sie sollen unkompliziert ein jährliches Budget bekommen, von dem sie eine Auszeit und Reha-Leistungen bezahlen können.

© SZ.de/ghe

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