Munich Economic DebatesEinmal Bad putzen, bitte!

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Der Roboter Garmi des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence soll Menschen unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind.
Der Roboter Garmi des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence soll Menschen unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind. Max Merget/TUM

Die Gesellschaft altert, es gibt zu wenige Pflegekräfte. Können Roboter hier eine Hilfe sein? Ja, sagt der Münchner Robotik-Professor Alexander König. Die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung sei „atemberaubend“.

Von Helmut Martin-Jung

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Menschen haben schon immer Probleme damit gehabt, sich Entwicklungen vorzustellen, die nicht linear voranschreiten, sondern exponentiell. Alexander König, Professor für Robotik an der TU München und Unternehmensgründer, macht daher in seinem Vortrag bei den Munich Economic Debates von Anfang an klar, was die Stunde geschlagen hat: „Wir stehen vor der größten Veränderung, die es je gegeben hat, größer als die industrielle Revolution.“

Sein Spezialgebiet sind humanoide Roboter, vor allem solche, die helfen sollen, die demografische Katastrophe abzumildern, die auf die deutsche Gesellschaft zukommt. Die geburtenstarken Jahrgänge sind gerade dabei, ins Rentenalter einzutreten. In absehbarer Zeit werden viele davon auf Pflege angewiesen sein, und die durchschnittliche Lebenserwartung ist viel höher als früher. Aber es mangelt heute schon an Pflegekräften.

Im Forschungszentrum für Geriatronik in Garmisch-Partenkirchen leitet König die Entwicklung eines Assistenzroboters. „Garmi“ soll dabei helfen, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Sein Hauptproblem ist gar nicht einmal die Hard- und Software. „Wir müssen als Erstes die emotionale Ebene lösen.“ Man dürfe bei humanoiden Robotern eben nicht zuallererst an Figuren wie den Terminator denken. Um dieses und andere negative Bilder aus den Köpfen zu bekommen, müssten die Menschen Roboter kennenlernen. Oft entstehe dann sogar eine emotionale Bindung.

Aber wie haben es Roboter, die einstigen Blechtrottel, in nur zehn Jahren zu Maschinen geschafft, die sich nicht nur geschmeidig fortbewegen, sondern sogar einen Sportparcours meistern? Zum einen haben sich die Fähigkeiten der Hersteller verbessert, Elektromotoren sehr effizient einzusetzen, sagt König. Zum anderen hilft künstliche Intelligenz. Durch die breite Verfügbarkeit von hoher Rechenkraft und intelligenten Algorithmen erlaubt sie es, Robotern viel mehr beizubringen als noch vor einigen Jahren.

Und die machten sich auch untereinander schlau. Wenn Roboter lernten, was inzwischen auch mit Videos funktioniere, kann die dazu nötige Software zigtausendfach parallel ausgeführt werden. Und wenn eine der Instanzen eine gute Lösung gefunden hat, bekommen die anderen das mit und können den Lernprozess drastisch abkürzen. Die beste Version schließlich wird dann auf alle Maschinen verteilt.

Das alles führe dazu, dass Roboter nicht linear besser werden, also gleichmäßig Stück für Stück, sondern exponentiell. Jede neue Version der Maschinen verbessere deren Fähigkeiten um das Zehnfache. Im dritten Jahr könnten die Roboter also bereits 1000-mal mehr. Zugleich sänken die Preise für solche Roboter – zurzeit rund 100 000 Euro pro Stück – ebenfalls exponentiell.

Die Frage, ob Deutschland hier mithalten kann, führt zu einem alten deutschen Problem: „Wir sind gut im Säen, aber nicht beim Ernten“, sagt König. Es würde zwar Forschung gut gefördert, aber wenn es an die Gründung von Start-ups gehe, fehle dann oft das Geld. „Wir müssen in Deutschland auch Steuergeld in Dinge investieren, bei denen das Risiko besteht, dass sie nicht funktionieren“, sagt König.

Technologisch gesehen fürchtet König, dass Deutschland Probleme haben könnte, die tiefe Integration von Software zu schaffen, die für die Robotik nötig sei. Das ginge nur mit massiver staatlicher Förderung. Der Staat, so ist das auch zu verstehen, müsse dabei öfter als bisher als Ankerinvestor auftreten. Also etwa Technologie von Start-ups kaufen. Denn nur wenn die erste Kunden vorweisen können, wächst die Chance, dass sie auch Geldgeber finden, um ihre Expansion voranzubringen.

Trotz Fachkräftemangels nicht nur in der Pflege, sondern auch in der Produktion: Wenn sie Roboter tatsächlich so schnell entwickeln, sind sie dann nicht doch auch eine Gefahr für den Arbeitsmarkt? „Viele Menschen werden umschulen müssen“, sagt König. In der Vergangenheit hätten neue Technologien aber immer auch neue Jobs geschaffen. Vielleicht auch in Branchen, über die oftmals nicht so gerne gesprochen wird, so König: „Geben sie einem solchen Roboter ein Maschinengewehr in die Hand und sie haben die Zukunft des Krieges.“

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