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Peter Hintze:Ein Mann Gottes näher am Himmel

Peter Hintze wird Angela Merkels Luft- und Raumfahrtkoordinator.

Der Horizont eines evangelischen Pfarrers ist ja praktisch von Amts wegen begrenzt: Es gibt Himmel und Erde, sonst nichts. Mars-Erkundungen sind in der Bibel nicht vorgesehen.

Insofern betritt Peter Hintze Neuland, wenn er in wenigen Wochen sein Amt als Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung antritt. Nicht einmal der CDU-Mann selbst, der Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium bleibt, würde behaupten, dass er von dem Metier bislang viel versteht.

Ursprünglich hatte Hintze auch keiner auf dem Zettel. Vielmehr war lange seine Kollegin Dagmar Wöhrl im Rennen. Da deren Mann aber zu den umtriebigsten deutschen Luftfahrtmanagern zählt, verwarf Minister Michael Glos (CSU) die Idee vorsichtshalber. Hartmut Schauerte, der dritte Staatssekretär im Hause Glos, ist bereits Mittelstandsbeauftragter der Regierung. So blieb nur Hintze.

Keine reine Verlegenheitslösung

Ihn deshalb als reine Verlegenheitslösung zu bezeichnen, wäre dennoch zu einfach - erst recht, wenn man die Dinge einmal durch die Brille von Angela Merkel betrachtet. Die Kanzlerin sieht in der Luft- und Raumfahrtbranche eine der Schlüsseltechnologien für den Standort Deutschland. Das ist auch der Grund dafür, dass sie derzeit aktiv an den Gesprächen über eine Sanierung des europäischen Flugzeugbauers Airbus teilnimmt.

Insofern ist es nur folgerichtig, den Posten des Regierungskoordinators gerade jetzt und dazu noch mit einem Vertrauten zu besetzen. Und da Hintze neben Fraktionskollegen wie Peter Altmaier, Norbert Röttgen und Ronald Pofalla zu den engsten Mitstreitern der Regierungschefin gehört, fiel die Wahl auf ihn.

Zwar hätte Merkel auch einen gewöhnlichen Abgeordneten berufen können. Vor allem die hierarchieverliebten Franzosen - immerhin Partner bei Airbus - hätten diesen aber kaum mit dem gleichen Respekt behandelt wie einen Staatssekretär.

In seinen früheren Ämtern war Hintze umstritten. Während seiner Zeit als Bundesauftragter für den Zivildienst in den achtziger Jahren stand er bei Kriegsdienstverweigerern im Verdacht, Bundeswehrsoldaten für die edleren Menschen zu halten.

Als CDU-Generalsekretär erschien Hintze lange Zeit als willenloses Sprachrohr seines Chefs Helmut Kohl, der neben dem Degen auch gerne einmal die Machete herausholte.

Legendär ist seine ,,Rote-Socken-Kampagne'', mit der im Bundestagswahlkampf 1994 die PDS verunglimpfen wollte. Stattdessen, so meinen jedenfalls Kritiker, schweißte Hintze die SED-Nachfolger und die Ostwähler damit erst richtig zusammen.

Eher am unteren Ende seiner intellektuellen Möglichkeiten

Wer den Rheinländer heute erlebt, dem drängt sich der Verdacht auf, dass der mittlerweile 56-Jährige als Generalsekretär eher am unteren Ende seiner intellektuellen Möglichkeiten operiert haben muss.

Hintze ist sichtlich gereift, er gehört zu den versiertesten Europapolitikern des Bundestags, sein Lakai-Image hat er abgelegt. Und dass er über strategisches Geschick verfügt, zeigt sich schon daran, dass er als einer der wenigen Protagonisten der Kohl-Ära auch unter Merkel Karriere gemacht hat. Den Weltraum allerdings muss der Mann Gottes noch erobern.