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Personal-Software:Ein deutsches Einhorn

Personio, Pressebilder, mit CEO Hanno Renner

Personio-Chef Hanno Renner will die Zahl seiner Mitarbeiter in diesem Jahr auf 1000 verdoppeln.

(Foto: Personio/oh)

Das Münchner Software-Unternehmen Personio wird jetzt mit 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet. Doch das Unternehmen hat ambitioniertere Ziele.

Von Anika Blatz, München

Als Unicorns werden im Gründerjargon Start-ups mit einer Marktbewertung von mehr als einer Milliarde Dollar bezeichnet. Zu diesen "Einhörnern" gehört nun auch das Münchner Software-Unternehmen Personio, das in einer von Bestandsinvestor Index Ventures angeführten Finanzierungsrunde 125 Millionen Dollar erhält. Die Bewertung des Unternehmens, das Personal-Software entwickelt, steigt damit nach eigenen Angaben auf 1,7 Milliarden Dollar.

Die überraschend hohe Bewertung hängt wohl auch damit zusammen, das Personio seinen Umsatz 2020 verdoppeln konnte und bereits vor einem Jahr 75 Millionen Dollar in einer von Accel angeführten Series C-Finanzierungsrunde erhalten hat. Die Erwartungen sind jedenfalls groß. Zumal sich das Unternehmen mit seinen Investoren darauf geeinigt hatte, die jetzige Runde vorzuziehen, um so gleich für mehrere Jahre solide finanziert zu sein. Neben Bestandsinvestoren hat sich diesmal auch Meritech als Geldgeber beteiligt.

Personio wird damit zu einem der wertvollsten europäischen Software-Unternehmen in privater Hand. Die Gründer Hanno Renner, Roman Schumacher, Arseniy Vershinin und Ignaz Forstmeier hatten es sich 2015 zur Aufgabe gemacht, kleine und mittelständische Unternehmen mit Software für die Personalverwaltung zu versorgen. Eine Marktbewertung von mindestens einer Milliarde Dollar - in Deutschland gibt es derzeit neben Personio nur etwa ein Dutzend weitere Start-ups, denen das gelungen ist, darunter Flixbus, Celonis und N26.

Die Idee hinter Personio: Personalprozesse mit einem ganzheitlichen Betriebssystem schneller, übersichtlicher und effizienter zu machen. Das also, was etwa das deutsche Softwareunternehmen SAP und der US-amerikanische Anbieter Workday für Großkonzerne schon lange ermöglichen. Der Unterschied: Personio bietet individuell angepasste Software nur für kleine und mittelständische Unternehmen mit zehn bis 2000 Beschäftigten. Sie umfasst alles - von der Stellenausschreibung über Urlaubsanträge bis hin zur Gehaltsabrechnung. Da die Software, die von großen Firmen dafür eingesetzt wird, nicht einfach übernommen werden kann, sahen die Gründer eine Marktlücke.

"Der Markt ist riesig und weiterhin unterversorgt."

Mit etwa 500 Beschäftigten hat Personio bereits mehr als 3000 Kunden in Europa, 2021 will das Unternehmen den Kundenstamm verdoppeln. Das Potenzial ist groß, denn in Europa setzten gerade einmal 30 Prozent aller kleinen und mittelständischen Unternehmen Personalsoftware ein. "Der Markt ist riesig und weiterhin unterversorgt", sagt Personio-Chef Hanno Renner. "Ich bin überzeugt, dass wir weiter sehr stark wachsen werden."

Personio will in diesem Jahr seine Mitarbeiterzahl in seinen Büros in München, Madrid, London und Dublin auf 1000 verdoppeln und Kernfunktionen der Software erweitern. Die Kunden sollen beispielsweise Arbeitsabläufe auch über Plattformen wie Microsoft Teams oder Slack steuern können. Neben weiteren Investitionen in bereits erschlossene Märkte wie Spanien, Großbritannien und den Benelux-Staaten, wollen die Gründer 2021 in weitere Länder wie Frankreich und Italien expandieren.

Der europäische Markt, die europäische Idee, ist Renner wichtig. Er nennt das Europapatriotismus. Er wolle dazu beitragen, ein starkes Digitalunternehmen aus Europa für Europa zu formen. "Eines, das nachhaltige Arbeitsplätze schafft, das in Europa Wert generiert." Ein Unternehmen, das irgendwann unabhängig von Investoren agieren kann. Und das sich nicht mit dem Einhorn-Status zufriedengibt. Man wolle mit Personio nicht nur auf ein Horn zielen, sagt Renner in Anspielung auf sogenannte Decacorns: Zehnhörner, also Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als zehn Milliarden Dollar. Ein Ziel, das auch mit einem Börsengang erreicht werden könnte. Der komme "sicher in den kommenden Jahren, allerdings nicht in den nächsten 24 Monaten", sagt Renner.

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