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Personalien:Unter Vettern

Wolfgang Porsche, 74, Enkel des Automobil­konstrukteurs und Mitbesitzer, spricht offen von schwierigen Familien­verhältnissen. Außerdem: der neue Chef des Statistischen Bundesamtes Georg Thiel und EZB-Aufseherin Danièle Nouy.

Familienprobleme

Aigen im Ennstal 19 07 2017 Schloss Pichlarn Aigen im Ennstal AUT Ennstal Classic 2017 Welcome
(Foto: imago)

Wolfgang Porsche, 74, Enkel des gleichnamigen Automobilkonstrukteurs und deswegen Mitbesitzer der gleichnamigen Autofirma, spricht ungewöhnlich offen von den schwierigen Familienverhältnissen: Der Cousin Ferdinand Piëch, der früher allmächtige Volkswagen-Konzernpatriarch, habe sich sein Lebenswerk zerstört, sagt Wolfgang Porsche in einer ZDF-Doku ("Die Volkswagen-Story", diesen Dienstag, 20.15 Uhr). So habe Piëch "hinterrücks" Sand ins Getriebe gestreut, als der Sportwagenhersteller Porsche vor zehn Jahren versuchte, den größeren VW-Konzern zu übernehmen. Das Vorhaben gelang nur über schmerzhafte Umwege. Das Urteil von Wolfgang Porsche dazu: "Das ist unnötig. Das ist unmöglich."

Wolfgang Porsche hatte in den vergangenen Monaten öfter mal vom schwierigen Verhältnis zu seinem Cousin berichtet, ließ sich damit auch zitieren, etwa bei der Autoschau in Genf. Aber einen Grund für den Zwist nannte er damals nicht. Im Fernsehfilm, der mit einigen eher lieblosen Schauspielszenen angereichert ist, sagt Wolfgang Porsche nun: Die mutmaßliche Obstruktion des Cousins, der auch im Dieselskandal gegen die Verwandtschaft austeilte, könnte vielleicht am Namen begründet liegen. Der Porsche-Stamm habe oft gemutmaßt, der "Nicht-Namensträger" habe Komplexe. Ein Berater habe deswegen vor Jahrzehnten geraten, Ferdinand Piëch zu adoptieren, dann sei dieses Problem erledigt. Das damalige Familienoberhaupt Ferry Porsche, so erzählt dessen Sohn Wolfgang in der Dokumentation, habe dies jedoch abgelehnt mit den Worten: "Ich habe vier Söhne, da brauche ich jetzt nicht noch einen zu adoptieren." Was Ferdinand Piëch zu den Vorhaltungen denkt, erfährt das Publikum indes nicht: Er wollte nicht mit dem Filmteam sprechen. Max Hägler

Über Zahlen

Georg Thiel
(Foto: Jörg Carstensen/ dpa)

Georg Thiel, 60, wird neuer Präsident des Statistischen Bundesamtes. Er wird damit auch Bundeswahlleiter. Der Jurist folgt auf Dieter Sarreither, der nach zwei Jahren an der Spitze des Bundesamtes in den Ruhestand geht. Thiel war seit 2015 dessen Stellvertreter und zugleich ein Jahr lang stellvertretender Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Bei der Amtseinführung nannte Innen-Staatssekretär Klaus Vitt am Montag den Zensus im Jahr 2021 und die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung für die Erfassung dieser Daten als wichtige Großprojekte Thiels. Ziel für die Zeit nach der nächsten Volkszählung sei es, dass auf die Befragung der Bürger verzichtet werden kann und die Ergebnisse aus den vorhandenen Verwaltungsdaten gewonnen werden können. Damit würden nicht nur die Bürger entlastet, sondern es könne auch ein dreistelliger Millionenbetrag gespart werden. Thiel hatte seit 2006 im Bundesinnenministerium gearbeitet. Seit Anfang des Jahres ist er zudem Stellvertreter des "Beauftragten für das Flüchtlingsmanagement" Frank-Jürgen Weise. SZ/dpa

Zwischen Banken

European Central Bank Supervisory Chief Daniele Nouy Interview
(Foto: Martin Leissl/ Bloomberg)

Danièle Nouy, 67, oberste EZB-Bankenaufseherin, macht sich für paneuropäische Geldhäuser stark. Die Börsen würden dies als ein Zeichen verstehen, dass es nun einen einheitlichen Rechtsraum gebe "und dass wir den Weg für diese Art von Fusionen bereiten", sagte sie der spanischen Zeitung Expansion. "Ich denke, dass nun die richtige Zeit ist", so die Französin. Nouy äußerte sich auch zur Situation der spanischen Banken. Sie erwarte, dass die Institute in der Lage seien, ihre Kapitalanforderungen zu erfüllen. Spanische Geldhäuser seien erfolgreicher als andere gewesen, ihre Betriebskosten zu senken "und eine gute Balance zu erreichen zwischen Kosten und Einnahmen, was sie für eine bessere Profitabilität in den kommenden Jahren rüstet", so Nouy. Experten befürchten wirtschaftliche Probleme, sollte sich Katalonien von Spanien abspalten. Nachholbedarf beim Abbau fauler Kredite sieht Nouy bei den Geldhäusern Zyperns. Der Cyprus News Agency sagte sie, dies bleibe eine starke Schwachstelle der Wirtschaft und des Bankensystems des Landes. Reuters

Unter Beratern

Philipp Depiereux etventure
(Foto: oh)

Philipp Depiereux, 40, ein Mittler zwischen Start-ups, Mittelständlern und Konzernen, schlüpft nun selbst unter das Dach eines großen Unternehmens. Der Digitalexperte verkauft gemeinsam mit den beiden Mitgründern Philipp Herrmann und Christian Lüdtke die gerade sieben Jahre alte Beratungsfirma Etventure an den weltweit agierenden Beratungskonzern EY (ehemals Ernst & Young). Etventure beschäftigt an den Standorten München, Berlin, Stuttgart und Hamburg insgesamt 250 Mitarbeiter und hilft etablierten Unternehmen bei der digitalen Transformation. Zu den Kunden zählen unter anderem die Deutsche Bahn, der Stahlhändler Klöckner, die Krankenversicherung Barmer und die Finanzsparte von Daimler. Depiereux und seine Leute helfen den Unternehmen dabei, eine moderne Innovationskultur zu schaffen und in ihrem Umfeld Start-ups zu fördern oder eigene zu gründen. Etventure soll als eigenständige Einheit von EY fortbestehen, mit Depiereux als Chef, aber zugleich sollen die Berater beider Unternehmer auch eng zusammenarbeiten. Ulrich Schäfer

Über Menschen

(Foto: oh)

Sandra Mühlhause, 45, Personalerin, wechselt den Arbeitgeber. Die studierte Betriebswirtin wird Personalvorständin beim deutschen Ableger des amerikanischen Burgerbraters McDonald's. Mühlhause arbeitete zuvor rund 20 Jahre beim Energieversorger Eon, bis sie im vergangenen Jahr zum Medienunternehmen Pro Sieben Sat 1 wechselte. In einem Interview mit dem Medienmagazin DWDL sagte die erfahrene Personalchefin 2016, dass sich die Personalgewinnung, neudeutsch Recruiting, in den vergangenen 25 Jahren stark verändert habe: "Es ist deutlich schwieriger geworden, eine Stelle allein mit einer klassischen Ausschreibung erfolgreich zu besetzen. Recruiter müssen heute viel aktiver sein." Soll heißen: Hochschulmessen, Kooperationen mit Universitäten, Direktansprache in Berufsnetzwerken wie Linkedin oder Xing. Mühlhause tritt ihren Job bei der Fastfood-Kette im Januar 2018 an. Ihre Vorgängerin Gabriele Fanta, seit 2013 Personalchefin bei McDonald's, verlässt das Unternehmen zum Ende dieses Jahres und auf eigenen Wunsch. Katharina Kutsche

© SZ vom 17.10.2017
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