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Personaldebatte bei Lufthansa:In der Warteschleife

Lufthansa-Pilot

Das Personalkarussell dreht sich: Die Lufthansa sucht einen neuen Vorstandschef.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Wer wird neuer Vorstandschef bei Lufthansa? Ex-Telekom-Manager Obermann ist nur ein Kandidat von vielen. Denn Aufsichtsratschef Mayrhuber sucht einen profilierten Kopf - und taktiert.

Aus Sicht von Lufthansa-Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber ist alles in Ordnung. Am Freitag vergangener Woche schrieb er dennoch einen Brief an das Management, "um zu unterstreichen, dass es keinen Grund gibt, sich irritieren zu lassen". Das Unternehmen dürfe sich "von spekulativer Berichterstattung oder gar von Falschmeldungen nicht leiten lassen." Und außerdem gelte: "Sie können sich auf mich persönlich verlassen."

Kaum waren die Lufthansa-Manager wieder einen Tag im Büro, kam schon die nächste Meldung - und ein Dementi. Ex-Telekom-Chef René Obermann, wurde Dienstag morgens kolportiert, könnte bei Lufthansa andocken. Denn schließlich ist nun klar, dass dessen neue Karriere beim niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo durch den Verkauf an den US-Konzern Liberty Global schon bald wieder beendet sein wird. Ziggo reagierte schnell: Obermann werde so lange an Bord bleiben, bis die Übernahme durch Liberty vollzogen sei. Das könne noch ein halbes Jahr oder länger dauern, teilten die Niederländer mit. Und: An den Gerüchten um einen angeblich bevorstehenden Wechsel zur Lufthansa sei nichts dran.

So geht das nun schon seit Monaten. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht vermeldet wird, dass die Entscheidung, wer Christoph Franz an der Unternehmensspitze nachfolgt, entweder schon gefallen sei oder unmittelbar bevorstehe. Franz wechselt im Mai zum Schweizer Pharmakonzern Roche. Bislang hatte die Lufthansa das Glück, dass keine prominenten Namen in der Debatte auftauchten, die das Thema jenseits der Fachöffentlichkeit hätten interessant machen können. Das hat sich allerdings am Dienstag geändert.

"Wird Obermann neuer Lufthansa-Chef?", hatte das Handelsblatt fragend getitelt. Es habe vor Wochen Sondierungsgespräche gegeben und nun - da der Ex-Telekom-Chef ja bald wieder zu haben sei - könne etwas daraus werden. In Lufthansa-Kreisen heißt es dazu, es wäre eher verwunderlich, wenn jemand wie Obermann nicht auf der Liste der Personalberater stehen würde und das Interesse nicht sondiert worden sei, zumal Mayrhuber von Anfang an darauf hingewiesen habe, auch außerhalb des Konzerns zu suchen.

Entscheidung soll spätestens im März fallen

Mayrhuber dürfte damit aber spätestens jetzt klar sein, dass er nicht mehr viel Zeit hat. Vier Monate hat er nun schon Personalberater suchen lassen. Leute, die es wissen sollten, sagen, eine Entscheidung werde spätestens bei der Aufsichtsratssitzung im März fallen und "spätestens" bedeute, dass sie auch früher kommen könne. Andere Leute, die sich intern ebenfalls gut auskennen, beklagen zugleich, dass der Prozess mittlerweile dem Unternehmen und einem Kandidaten schade.

Die aufwendige Suche erweckt den Eindruck, als gebe es niemanden, der den Posten übernehmen könnte. Doch dem ist nicht so. Interner Favorit ist Carsten Spohr, 47, im Vorstand verantwortlich für das Passagiergeschäft. Spohr kennt das Geschäft, ist charismatisch und intern, anders als sein bisheriger Chef Christoph Franz, im Unternehmen beliebt. Seit Monaten befindet sich Spohr auf Tauchstation, meidet öffentliche Auftritte so gut es geht - er will nichts falsch machen, jetzt, so kurz vor dem Ziel. Aber selbst, wenn es Spohr nicht werde sollte: Mit Vorstandsmitglied Harry Hohmeister, 49, gibt es einen zweiten internen Kandidaten, dem manche den Job zutrauen.

Zwar glauben viele, aktuell sei eine interne Lösung das Beste, um das im Streit um das Sanierungsprogramm Score verloren gegangene Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Doch gibt es auch triftige Argumente dafür, einen Externen zu holen. So gesehen wäre Stephan Gemkow, 54, heute Chef von Haniel und früher Lufthansa-Finanzvorstand, ebenfalls mindestens ein Sondierungsgespräch wert. Schließlich gilt er als äußerst fähig, kommt von außen und kennt sich trotzdem auch bei der Fluggesellschaft gut aus.

Warum also warten? Folgendes liegt nahe: Mayrhuber selbst ist seit seiner äußerst knappen Wahl zum Chefaufseher bei Lufthansa im vergangenen Jahr beschädigt. Auch sein Verhältnis zu Vorgänger Jürgen Weber, ein großer Förderer Spohrs, ist dem Vernehmen nach nicht mehr das Allerbeste. Weber soll ihm die langsame Suche mittlerweile persönlich vorwerfen. Mayrhuber grämt sich wegen der missglückten Aufsichtsratswahl, bei der er nur mit Mühe und gegen den Widerstand von großen institutionellen Anlegern gewählt wurde. Er will sich nun, so vermuten Insider, bei der Chefsuche nach allen Seiten absichern, um sich nicht nachsagen lassen zu müssen, er habe nicht alle Möglichkeiten geprüft.

Der 66-Jährige selbst sieht das so. "Trotz der gegebenen internen Möglichkeiten hat der Aufsichtsrat bewusst entschieden, mit Hilfe eines Personalberaters auch extern zu suchen", so schrieb er seinen Führungskräften. "Das ist weder Ausdruck von Zweifel noch schmälert es die Fähigkeiten der jetzigen Führung." Vielmehr stelle sich schlicht die Frage, ob "wir uns (...) besser weiterentwickeln können mit einem Engagement eines profilierten und erfahrenen Top-Managers, der für unseren Konzern zukunftsrelevante zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten einbringt."