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Paypal:Plötzlich auch offline

Paypal gibt eine eigene Debitkarte für Geschäftskunden des Konzern heraus. Künftig könnte es die Karte auch für Verbraucher geben. Mit seinem Vorstoß dringt der US-Bezahldienst immer weiter in das traditionelle Geschäft der Banken vor.

Von Nils Wischmeyer, Köln

Der US-Bezahldienst Paypal dringt immer weiter in die Gefilde der deutschen Banken vor. In Deutschland bietet er ab jetzt eine Kreditkarte für Kunden mit einem Paypal-Geschäftskonto an. Das dürfte sich vor allem an Unternehmen richten, die regelmäßig Zahlungen über den Online-Dienst abwickeln. Sie mussten das Geld vor einem Einkauf im Geschäft bisher auf ihr Bankkonto überweisen. Das fällt nun weg und stattdessen können sie künftig mit ihrer Debitkarte direkt bezahlen. Genutzt werden kann diese überall, wo eine Mastercard akzeptiert wird. Das Geld geht dann vom Paypal-Konto ab.

Dass Paypal in dieses Geschäft einsteigt, dürfte den deutschen Banken gar nicht gefallen. Denn die Institute verdienen gut daran, Karten auszugeben. Wann immer ihr Kunde damit bezahlt, erhalten sie einen kleinen Prozentsatz des Umsatzes. Nutzen die Verbraucher aber künftig eine Karte von Paypal, verdienen die hiesigen Geldinstitute daran nichts mehr.

Ein mögliches Nutzungsszenario für die Debitkarte von Paypal wäre beispielsweise, dass Unternehmen einen Kredit über Paypal beantragen - denn auch das ist seit knapp einem Jahr möglich - und davon neues Material für ihre Firma kaufen, entweder On- oder Offline. So erhofft sich Paypal einen geschlossenen Kreis, wenn möglich ganz ohne Bank zu kreieren.

Vorerst zielt das neue Kreditkarten-Angebot nur auf Unternehmen, nicht auf Konsumenten. Langfristig, daraus macht man beim US-Bezahldienst keinen Hehl, könnten die Karten aber auch an Privatkunden ausgegeben werden. Konkrete Pläne gibt es dazu aber wohl noch nicht. In den USA bietet Paypal einen entsprechenden Service allerdings schon an. Dort werden traditionell Produkte zuerst eingeführt, die in anderen Länder wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder Australien später folgen.

Eigentlich war Paypal mal als digitale Plattform gegründet worden, mit der Menschen sich mithilfe ihrer E-Mail-Adresse Geld zusenden konnten. Als die ersten Internetshops aufkamen, etablierte sie sich als Online-Bezahlverfahren, besonders bei Ebay. Das wurmt die Banken in Deutschland, da ihr Klon Paydirekt bisher kaum Erfolge feiern kann.

© SZ vom 21.11.2019

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