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Parship: Peter Schmid:"Es gibt immer noch genug für uns zu tun"

Schmid bestreitet all dies gar nicht. Dass die Ansprüche der Frauen gestiegen sind, die Aufmerksamkeit füreinander gesunken ist, Bindungen brüchiger geworden sind. All das sei eine gesellschaftliche Entwicklung. Und vielleicht, sagt Schmid, vergessen manche, die bei Parship nach der großen Liebe suchen, dass letztlich sie es sind, die sich verlieben müssen. Als Privatmensch finde er das durchaus bedenklich, als Geschäftsmann kommt es ihm entgegen: "Selbst wenn wir sehr erfolgreich sind, gibt es immer noch genug für uns zu tun."

Der Manager ist unweit vom Bodensee groß geworden. Sein Urgroßvater hatte eines der ersten Elektrizitätswerke in der Gegend, sein Großvater eines der ersten Autohäuser. Er habe früh gelernt, wie es ist, sein eigenes Geld in eine Firma zu stecken, dafür aber auch seine eigenen Ideen umsetzen zu können, sagt Schmid. Nach dem Betriebswirtschaft-Studium fängt er bei dem Konsumgüterkonzern Procter&Gamble an. Dann entdeckt er das Internet: 1999 startet er mit einem Kroaten und einem Italiener in einem Büro hinter den Münchner Bahngleisen eine Online-Börse für Gebrauchtwagen. Sein Schwiegervater sei damals ernsthaft besorgt gewesen, erzählt Schmid.

Das Portal wird wenig später Teil der Scout-Gruppe - als Autoscout 24, noch heute einer der wichtigsten Umschlagplätze für Autos im Netz. 2004 kauft die Telekom die gesamte Scout-Gruppe für 180 Millionen Euro. In den Jahren dazwischen war die Internetblase geplatzt. Wie ein Beschleuniger für die Gebrauchtwagenbörse sei das gewesen, erinnert sich Schmid. Einige Wettbewerber wurden aus dem Weg gefegt, zugleich mussten sie selbst disziplinierter wirtschaften. "Es braucht solche Phasen, um Ideen voranzubringen."

Von Amerika lernen

Er lässt seinen Blick durchs Fenster über die Speicherstadt schweifen, die Kräne aus dem Hamburger Hafen sind zu sehen. Ihm sei schon klar, warum in Deutschland Werften subventioniert werden. Verstehen aber könne er es nicht. Vier Jahre war Schmid zuletzt bei dem Autoportal "mobile.de", das zum Internetkonzern Ebay gehört. Regelmäßig war er in der kalifornischen Konzernzentrale. So viel könnten die Deutschen seiner Überzeugung nach von den Amerikanern lernen: Wie man Universitäten besser mit Unternehmen vernetzt, wie man mutiger Investitionen wagt.

Dieser Drang nach Veränderung habe ihn, so sagt er, auch zu Parship gebracht. Es sei gar kein so großer Unterschied, im Internet Autos zu verkaufen oder die große Liebe. Viel entscheidender sei, ob man ein deutsches Unternehmen führt oder nur die deutsche Niederlassung eines US-Konzerns. "Es war toll, ab und an ins Silicon Valley zu reisen. Aber das ist eben auch verdammt weit weg."

In Deutschland lässt sich über etwa 2000 Internetportale nach der großen Liebe oder einem kleinen Flirt suchen, so die Schätzung der Privatinitiative "singleboersen-vergleich.de", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den unübersichtlichen Markt für Verbraucher ein wenig zu sortieren. In kaum einem anderen europäischen Land gibt es nach Einschätzung der Branchenbeobachter so viele verschiedene Anbieter, und nirgendwo sonst wird so viel Geld mit den einsamen Herzen gemacht: Etwa 200 Millionen Euro haben die Online-Datingbörsen hierzulande in diesem Jahr umgesetzt. Für das kommende Jahr rechnet singleboersen-vergleich.de mit einem Plus von einem guten Fünftel. Zum Vergleich: In Frankreich, wo die Partnersuche im Netz ebenfalls noch recht verbreitet ist, ist der Umsatz Schätzungen zufolge nur etwa halb so groß.