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Zwischen den Zahlen:Zum Abfahren, diese Preise

In vielen Städten ist der Wohnraum knapp, dafür floriert das Geschäft mit Parkplätzen. Der Stellplatz wird zum Statussymbol.

Von Marie Steffens

Was Luxus ist, darüber lässt sich streiten. Für die einen ist es der Sommerurlaub, für die anderen der Sportwagen - und dann gibt es noch die, die sich zur 75-Millionen-Euro-Villa einen Parkplatz für eine weitere Million gönnen. Zum Beispiel in Hongkong: Zu den Häusern der Extraklasse kann der geneigte Immobilienkäufer hier am Mount Nicholson den dazugehörigen Luxus-Stellplatz erwerben. Damit er seinen öligen Verbrenner auch in das schöne Grün fahren kann, von dem die Wohnanlage umgeben ist.

Ob das Preis-Leistungs-Verhältnis in diesem Fall wirklich stimmt, sei dahingestellt. Die Nachfrage scheint jedenfalls da zu sein. Im Gegensatz dazu ist das Parken in der Münchner Innenstadt quasi geschenkt. Ein Tiefgaragenparkplatz in bester Lage für 150 Euro im Monat, der Fahrrad-Stellplatz für weitere 15 Euro gleich dazu? Na wenn's weiter nichts ist.

Auf wundersame Art und Weise ist der Auto-Stellplatz in Deutschland zum Must-Have geworden. Kaum ein Neubau kommt mehr ohne ihn aus, und bei vielen Innenstadt-Wohnungen steht er als Obligatorium im Mietvertrag. Gegen Aufpreis natürlich. Immerhin lassen sich nicht alle Vermieter den Park-Spaß so teuer bezahlen wie jene in der Münchner Innenstadt. Zwischen 75 und 90 Euro kostet er in deutschen Stadtzentren im Schnitt im Monat. Aber auch das kann sich längst nicht jeder leisten. Der Auto-Stellplatz ist zum Statussymbol geworden. Und zur lukrativen Investition.

Viele Baulöwen schaffen seit Jahren mehr Parkraum als Wohnraum. Für Vermieter ist die Sache ebenfalls unkomplizierter: Der Porsche beschwert sich nicht über Lärm im Treppenhaus und nutzt auch die Küchenzeile nicht ab. Und er gibt sich - selbst bei der Luxus-Ausführung in Hongkong - mit 12,5 Quadratmetern zufrieden. Einer Fläche, auf der in der Metropole auch acht Menschen Platz hätten. Zumindest jene, die dort in sogenannten "Sargzimmern" leben - auf 1,4 Quadratmetern.

© SZ/vit
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