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Parkflächen:Ein riesiger Markt für Autohersteller

Die Städte von Privatautos entlasten - das ist eine bemerkenswerte Haltung für Firmen, hinter denen Automobilkonzerne stehen, die ihre Produkte verkaufen wollen. Aber die Diskussion um Lärm, Abgase und eben Platz ist auch in der Autobranche angekommen.

Bevor andere durchstarten mit der Idee, simpel zu buchende Mietwagen anzubieten, machen das BMW, Daimler und andere eben selbst. Zumal es ein potenzieller Milliardenmarkt in Deutschland ist: Würden zehn Prozent des Individualverkehrs ersetzt durch geteilte Autos, entstünde ein Markt im Volumen von 35 Milliarden Euro. Als Nebeneffekt rollen lauter Werbeträger durch die Straßen.

Vor drei Jahren forderte der Bundesrat die Bundesregierung auf, rasch Regelungen vorzulegen, "die eine Vereinfachung und Stärkung der Nutzung von Carsharing zum Ziel haben". Jetzt erst, in diesem Sommer, wurde ein Gesetzentwurf vorgelegt und dazu auch Anbieter und der Bundesverband Carsharing angehört. Dass die Gesetzgebung so lange dauert, hat auch damit zu tun, dass nicht alle Verkehrsexperten Carsharing für hilfreich halten.

Carsharing So schneiden sechs Carsharing-Anbieter im Test ab
Car2Go, Drivenow und Co.

So schneiden sechs Carsharing-Anbieter im Test ab

Seit man Autos spontan per Smartphone mieten kann, wird Carsharing immer beliebter. Unser Vergleich zeigt: Nicht jeder Anbieter eignet sich für jede Nutzungsart.   Von Martin Schneider

Kritiker sprechen zum Beispiel von "Bequemlichkeitsmobilität"; gerade spontan gemietete Autos würden auf Kurzstrecken Bus und Bahn ersetzen. Die Sache mit der Verlagerung vom öffentlichen Personennahverkehr auf einzelne Fahrzeuge ist offenbar nicht völlig von der Hand zu weisen: Die Verkehrsbetriebe in München (MVG) schätzen etwa, dass sie einige Millionen Euro Einnahmen pro Jahr an Carsharing-Anbieter verlieren. So wie sie übrigens auch Kunden ans Fahrrad verlieren.

Die Erkenntnis in München und anderswo lautet deswegen: Den Menschen alles anbieten, einen Mix quasi. Eigene Mietradstationen bietet die MVG mittlerweile an und informiert auch über die verschiedenen Modelle des Auto-Teilens.

Wobei dabei jede Stadt ihren eigenen Weg finden muss, das hat die Branche gelernt. "Die wichtigsten Faktoren um Carsharing zu nutzen sind die Infrastruktur, die Menschen und ihre Mentalität und natürlich die festen Bestandteile einer Stadt, also die Siedlungsstruktur, die Straßen, das Nahverkehrssystem", sagt Beermann.

In Madrid läuft es super, in Stuttgart überhaupt nicht

In Madrid beispielsweise läuft es für Car2go extrem gut: Die Menschen dort seien Neuem sehr aufgeschlossen und nutzen viel U-Bahn und die dort sehr günstigen Taxis. Sie steigen gern aufs Mietwagenfahren um und die abgasgeplagte spanische Stadt hat die Lizenz erteilt, weil Car2go nur Elektrosmarts in der Flotte hat; pro Tag wird jedes Fahrzeug dort durchschnittlich von 15 Kunden benutzt. In Berlin verhält es sich ähnlich. Nicht einmal die Hälfte der Haushalte besitzt dort einen eigenen Wagen. Die oft eher jungen Bewohner in der Stadtmitte wollen Neues ausprobieren.

Ideale Voraussetzungen für die Anbieter. Das Gegenteil: Stuttgart, die klassische Autostadt. "Jeder hat ein Fahrzeug, das gehört für viele dazu und so ist die Offenheit für andere Verkehrsmittel her geringer", haben sie bei Car2go für ihren Heimatstandort festgestellt. Dazu kommt, dass Stuttgart her zergliedert ist mit vielen eher weit auseinanderliegenden Stadtteilen. Die Leute pendeln morgens zur Arbeit und abends wieder zurück. Überall zuverlässig verfügbar sind die Elektrosmarts so nicht - in gewisser Weise ein Teufelskreis.

Mehr Autos soll es erst einmal nicht geben, es soll die Frequenz der Nutzung erhöht werden. Ein Weg dahin: Reduzierte Minutenpreise bei Feinstaubalarm. Und bald vielleicht ausgewiesene Parkplätze.

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© SZ vom 07.11.2016/vd
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