Pariser Klimaabkommen Trumps Jahr der Klima-Widersprüche

Vorweihnacht und Buschfeuer - Bewohner dieses Hauses im kalifornischen Santa Barbara stehen Mitte Dezember auf ihrem Dach und beobachten die Flammen in der hügeligen Landschaft.

(Foto: Patrick T. Fallon/Reuters)

Trotz Klimakatastrophen wie den Hurrikans Harvey, Irma und Maria und den gewaltigen Waldbränden in Kalifornien hält der US-Präsident am Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag fest. Warum?

Von Michael Bauchmüller

George David Banks ist nicht irgendwer im Weißen Haus. Der Mann mit Schnäuzer und Kinnbärtchen sitzt im Nationalen Sicherheitsrat. Er ist der oberste Klimaberater von Donald Trump. Aber fragt man ihn, wie es nun weitergeht mit dem Klimaschutz in Washington, ist seine Antwort immer dieselbe. "Eine Reihe von Fragen ist noch nicht entschieden", sagt er dann mit einem Lächeln.

Interessante Aussage nach einem Jahr, in dem Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses seinen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen angekündigt hat. In dem kurz nacheinander erst Hurrikan Irma zuschlug und dann Maria. In dem der drittgrößte Waldbrand in der Geschichte Kaliforniens Milliardenwerte vernichtet. 2017, das Jahr der Widersprüche.

Alle Länder außer den USA bleiben dem Pariser Klimaabkommen treu

Es ist eine kleine Gruppe von Journalisten, die Banks zu sich vorlässt, am Rande der Klimakonferenz in Bonn. Neun Leute, die Fragen gehen reihum. Banks antwortet leise, und wenn der Oberberater nicht weiterweiß, gibt er an einen Diplomaten aus dem Außenministerium weiter, oder er fragt den Klimafachmann von Vizepräsident Pence. Der sitzt gleich hinter ihm.

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Was die USA jetzt machen werden in der Klimapolitik? "Für uns ist wichtig, dass wir gleiche Bedingungen für alle haben", sagt Banks. Das liege im nationalen Interesse Amerikas. "Und zwar unabhängig davon, was der Präsident letztendlich macht", fügt Banks hinzu. "Ob er den formalen Ausstieg verschickt oder aber entscheidet, drinzubleiben."

Das ist die Lage im Jahr zwei nach Abschluss des Pariser Klimaabkommens: Die größte Volkswirtschaft der Erde hat sich schon wieder davon abgewendet. Aber was machen die anderen? Sie bleiben ihm treu.

2017 wird eines der heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen werden

Erst wird aus dem Club der sieben wichtigsten Industriestaaten ein Club der sechs, die sich zum Klimaschutz bekennen. In Hamburg werden aus den G 20 die G 19, wenn es um den Kampf gegen die Erderhitzung geht. Und in den USA bekennen sich reihenweise Bundesstaaten, Städte und Unternehmen zu den Zielen des Klimavertrags von Paris. "Feuerwehrleute hören auch nicht auf die Brandstifter", sagt Jay Inslee, demokratischer Gouverneur des US-Bundesstaats Washington. "Die Welt hat Donald Trumps Versuch zurückgewiesen, die Klima-Wissenschaft zu leugnen."

Aber geht es der Welt deshalb besser? Nicht im Entferntesten. Absehbar wird 2017 eines der heißesten Jahre in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen werden. Die globalen Treibhausgasemissionen steigen leicht, nach drei Jahren der Stagnation. Und Deutschland wird zum Beispiel dafür, dass als Erstes die Klimaziele infrage gestellt werden, wenn diese nicht mehr erreichbar zu sein scheinen - aber nicht die Politik. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich das geplante Minus von 40 Prozent gegenüber 1990 bis 2020 kaum noch erreichen lässt. Wenig spricht dafür, dass eine große Koalition, sollte sie kommen, daran viel ändern wird.