bedeckt München 16°

Paradise Papers:Neue Vorwürfe gegen Appleby

Das Anwaltsbüro im Zentrum der Paradise Papers soll Dienstleistungen für die wegen möglicher Terrorfinanzierung umstrittene FBME Bank erbracht haben. Das Institut hat deshalb keinen Zugang mehr zum US-Finanzsystem.

Von Mauritius Much

Die Kanzlei Appleby sieht sich neuen schweren Vorwürfen ausgesetzt: Das Anwaltsbüro, das seit Anfang November im Zentrum der Enthüllungen der Paradise Papers steht, hat offenbar auch Dienstleistungen für ein äußerst umstrittenes Geldinstitut erbracht. Die FBME Bank wird von den Vereinigten Staaten unter anderem beschuldigt, Geldwäsche, die Umgehung von Sanktionen, die Finanzierung von Terrorismus und grenzüberschreitendes organisiertes Verbrechen ermöglicht beziehungsweise gefördert zu haben.

Die Paradise Papers, die der Süddeutschen Zeitung zugespielt worden waren, zeigen, dass die Bank seit 2004 Kunde von Appleby war. Die Anwaltskanzlei verwaltete die Holding-Firma der FBME Bank auf den Kaimaninseln, einer Steueroase in der Karibik. Erst im Dezember 2015 beendete Appleby das Engagement - knapp anderthalb Jahre, nachdem eine Tochterbehörde des US-Finanzministeriums im Juli 2014 erstmals die schweren Anschuldigungen gegen die Bank vorgebracht hatte.

Die FBME Bank wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Die Kanzlei äußert sich zunächst gar nicht

So soll die FBME Bank ein Konto für eine Person mit starken Verbindungen zur libanesischen Terrororganisation Hisbollah geführt haben. Zudem wird dem Kreditinstitut vorgeworfen, durch Briefkastenfirmen dabei geholfen zu haben, dass etwa eine sanktionierte Behörde aus Syrien diese Strafmaßnahmen umgehen und Geldtransaktionen in den USA durchführen konnte. Bei der Behörde handelt es sich um das Scientific Studies and Research Center, das Teil des syrischen Chemiewaffenprogramms sein soll.

Deshalb verhängte die Tochterbehörde des US-Finanzministeriums knapp zwei Jahre nach den ersten Anschuldigungen Ende März 2016 spezielle Strafen gegen die Niederlassung der FBME Bank auf Zypern. Denn das Kreditinstitut hatte sein Hauptquartier zwar in Tansania aufgeschlagen, operierte aber hauptsächlich auf der Insel im östlichen Mittelmeer. Seitdem ist es US-Banken untersagt, Konten für die FBME oder in ihrem Namen in den Vereinigten Staaten zu eröffnen oder zu führen. Dadurch wurde die Bank vom US-Finanzsystem ausgeschlossen.

Das Kreditinstitut wehrt sich gegen die Anschuldigungen. "Die FBME hat keine Geldwäsche betrieben", ließ die Bank auf Anfrage des Guardian verlauten. Die britische Zeitung ist Recherchepartner der Süddeutschen Zeitung bei den Paradise Papers. "Die unerhörten Behauptungen, dass die FBME für Terroristen handelte oder wissentlich für irgendeine sanktionierte Person agierte, sind falsch und gewollt schädigend", ergänzte ein Sprecher. Appleby wollte sich gegenüber dem Guardian dazu nicht äußern. Gleiches gilt für die Firma Estera, die den Geschäftsbereich Offshore-Dienstleistungen 2016 von der Anwaltskanzlei übernommen hat.

© SZ vom 25.01.2018

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite