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Panzerknacker im Kapitalismus:Nur die Dämlichkeit der Panzerknacker ist größer als Dagoberts Geiz

Die Schwäche, die zumindest im Märchen noch jeden Kapitalisten auszeichnet, der Kanthaken, an dem er zu kriegen ist, ist beim alten Duck der materielle Besitz des Geldes. So eindimensional das Erwerbsleben Dagoberts sonst verläuft - Geld her, Geld her, oder ich fall' um! -, so tief gähnt ihn plötzlich die existenzialistische Krise an, wenn er auf seinem Brett steht, bereit zum Sprung ins Geldbecken, und dann ist da nichts, radikal nichts, weil es den Panzerknackern wieder einmal gelungen ist, den Kapitalisten vorübergehend zu expropriieren.

Gemälde von Disney-Zeichner Carl Barks in Auktion

Dagobert Duck betrachtet sein Allerliebstes.

(Foto: dpa)

In Entenhausen herrschen ideale kapitalistische Verhältnisse: Die einen haben Geld, die anderen nicht. Genau genommen hat nur einer wirklich Geld, und das ist Onkel Dagobert. Gegen allen Augenschein ist er zugleich ein warnendes Beispiel für jemanden, der mit Geld nicht umgehen kann. Er nimmt es aus dem Umlauf und hortet es, weil ihn schlimmste Glaubenszweifel befallen, wenn er es nicht ständig in der Hand hat. Dabei muss es - eherne Regel mindestens seit der Erfindung der Kriegsanleihen - hinaus in die Welt und mit Gewinn unter die Leute gebracht werden.

Der einzige Unterschied zu den schlimmen Brüdern um Opa Knack besteht darin, dass er das Geld hat und sie nicht. So unlauter er das seine erworben hat, so wenig sauber wollen sie es ihm abluchsen. Die beiden nehmen sich nichts, jedenfalls nicht im Erfindungsreichtum. Dagobert Ducks Geiz wird nur von der Geldgier der Panzerknacker und leider auch von ihrer unheilbaren Dämlichkeit übertroffen, die sie unermüdlich zu neuen Taten treibt. Die Panzerknacker sind zwar grundsätzlich die Verlierer, aber sie geben nicht auf.

Es werden noch lange lustige Abenteuer mit 176-167, 176-176, 176-716, 176-617, 176-671, 176-761 und 176-??? erscheinen, und doch wird das Geld letztlich im Speicher verbleiben. Liegt es vielleicht daran, dass sie Hängertypen sind, Schlaffis, die nur daran denken, das ersehnte Geld irgendwo im Süden unter Palmen auszugeben? Tatsächlich wäre nichts schlimmer für sie, als einer geregelten Arbeit nachzugehen, ihr Geld tatsächlich in kleinen Scheinen und nicht durch Raub und Erpressung zu verdienen. Ihr chronisches Scheitern beweist nicht nur, dass sie unfassbar dumm sind, sondern es scheint auch zu beweisen, dass sie die Gesetze des Kapitalismus nicht verstanden haben.

Nur die Gründung einer Bank ist schöner

Nur eins, und das weiß auch der Kunde mit dem kilometerweit überzogenen Kontokorrentkredit, nur eins ist noch schöner, als eine Bank zu überfallen, und das ist die Gründung einer Bank, die ihre Kundschaft systematisch auszubeuten weiß. So viel sie auch anstellen, auf diese naheliegende Idee kommen sie doch nicht. Nur so könnten sie dem fetten Geldsack das Vermögen nehmen, es nämlich verflüssigen und in Luft und andere Junk-Bonds auflösen.

Auch in diesem unerschütterlichen Glauben an den guten alten Kapitalismus gleichen sie Dagobert Duck, diesem Inbegriff des Manchester-Kapitalisten, der sich von seinem Geld nicht trennen kann und dem es deshalb immer wieder gewaltsam genommen werden muss.

Die Panzerknacker, und darauf läuft dieser kurz gefasste Leitfaden für den Kapitalismus hinaus, sind die für die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzordnung unerlässlichen Handlanger, der lebende (oder jedenfalls lustige) Beweis, dass sie nach wie vor funktioniert. Sie basiert auf zwei Grundsätzen: (1) Wer hat, dem soll genommen werden. (2) Wer nichts hat, kann es doch bekommen. Dass es auch gelingt, ist die Illusion, die die Weltgeschichte am Laufen hält.

© SZ vom 21.07.2012/mane

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