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Nach Pannen beim Börsengang:Facebook-Kleinanleger können auf Entschädigung hoffen

Mauscheleien, technische Fehler, herbe Verluste: Der Börsengang von Facebook lief alles andere als rund. Massiv ist die Kritik an der Investmentbank Morgan Stanley, die nun wohl reagiert. Sie scheint Anleger entschädigen zu wollen.

Vor einer Woche ging Facebook an die Börse - und es waren holprige erste Handelstage, sowohl für das Online-Netzwerk als auch für die Anleger. Erst kam es beim Börsenstart des Internetunternehmens zu einer halbstündigen Verspätung, offenbar, weil die Masse an An- und Verkaufsaufträgen das technische System überforderte. Dann warteten Investoren und Broker nach dem Börsengang stundenlang auf Informationen über den Stand ihrer Aufträge.

Dadurch erlitten manche der Anleger Verluste, besonders betroffen sind Kleininvestoren. Sie wollten beim größten Börsengang einer Internetfirma dabei sein und schnelles Geld verdienen. Im Gegensatz zu Großanlegern können sie ihre Beschwerden aber nicht an die US-Technologiebehörde Nasdaq richten, da sie keine Mitglieder sind. Ein amerikanischer Kleininvestor beantragte diese Woche gegen Nasdaq eine Sammelklage vor dem Bundesbezirksgericht in Manhattan.

Unabhängig vom juristischen Weg suchten Kleininvestoren eine Anlaufstelle für ihre Beschwerden und können nun auf Entschädigung hoffen: Börsenmakler wie Scottrade, über die Kleinanleger Facebook-Aktien kauften, haben angekündigt, für die Verluste der Betroffenen die Verantwortung zu übernehmen, berichtet die New York Times.

Auch die Investmentbank Morgan Stanley, die Facebooks Börsengang führend begleitete, zeigt sich offenbar zu Kompromissen bereit. Sie habe intern Pläne vorgelegt, wie Anleger entschädigt werden können, schreibt die NYT. Die Bank betont aber, dass die Panne auf die Nasdaq zurückgehe.

Informationen heimlich weitergegeben?

Die Pannen beim Handelsstart sind nicht die einzigen Kritikpunkte, die den Börsengang begleiteten. Morgan Stanley musste sich in den letzten Tagen die Anschuldigung gefallen lassen, sie habe interne Gewinnprognosen von Facebook selektiv an Großinvestoren weitergegeben. Dieser Wissensvorsprung hätte den großen Anlegern einen Vorteil beim Börsenstart verschafft. Kleinanleger ohne diese exklusiven Informationen waren demnach außen vor.

Die Bank bestreitet bislang jede Mauschelei. Investoren haben trotzdem Sammelklagen beantragt. Der Bundesstaat Massachusetts kündigte Untersuchungen gegen Morgan Stanley an.

Analyst: Guter Facebook-Kurs wäre 13,80 Dollar

Nachdem der Kurs der Facebook-Aktie Anfang der Woche deutlich verloren hatte, stabilisierte sich der Wert am Freitag. Er steht nun bei etwa 33 Dollar.

Das ist manchen Marktbeobachtern noch immer zu hoch. US-Analyst Mark Hulbert setzt die Einnahmen des Konzerns in Bezug zum Ausgabewert. Lege man die typische Entwicklung nach einem Börsenkurs zugrunde, müsste der aktuelle Kurs weit unter dem tatsächlichen liegen, argumentiert er - nämlich bei 13,80 Dollar.