Schmuck:Bald nur noch Recycling-Gold und Silber bei Pandora

Lesezeit: 2 min

Schmuck: Wie viel Gold in altem Schmuck steckt, hängt von der Legierung ab: Bei neun Karat etwa sind es 37,5 Prozent, bei 18 Karat schon 75 Prozent.

Wie viel Gold in altem Schmuck steckt, hängt von der Legierung ab: Bei neun Karat etwa sind es 37,5 Prozent, bei 18 Karat schon 75 Prozent.

(Foto: Jörg Buschmann)

Grund für die Entscheidung sei vor allem der Umweltschutz. Denn dabei will der weltweit größte Schmuckhersteller Vorreiter werden.

Von Stephan Radomsky

Omas Ring, die Brosche von der Tante, Papas alte Krawattennadel - früher war das vielleicht mal todschick, heute oft nicht mehr. Jetzt soll es vielleicht lieber ein Armband sein, verziert mit ein paar dieser Perlen aus Silber, Gold, Glas und vielleicht einem kleinen Stein. Bald schon könnte im neuen Schmuck aber doch wieder der alte stecken - und zwar zu 100 Prozent.

Das jedenfalls ist der Plan des dänischen Unternehmens Pandora. Bis 2025, so hat es der nach Volumen weltgrößte Schmuckhersteller angekündigt, soll das gesamte selbst- und von Zulieferern verarbeitete Gold und Silber recycelt sein. Es ist der erste Großjuwelier, der einen solchen Schritt ankündigt. Denn bis 2025 will das Unternehmen komplett CO₂-neutral arbeiten, und die Versorgung mit Rohstoffen spielt dafür eine wichtige Rolle: Recyceltes Silber verursache zwei Drittel weniger Treibhausgas-Emissionen als frisch gefördertes, heißt es bei Pandora, recyceltes Gold sogar 99 Prozent weniger. Hinzu kommen noch die anderen Umweltschäden, die bei der Suche nach Edelmetallen entstehen.

Denn ihr Glanz verdeckt ein ziemlich schmutziges Geschäft. Auf der Suche nach Gold beispielsweise werden ganze Landschaften umgegraben. Es werden Flüsse und Böden mit giftigen Chemikalien verseucht, wenn das Gold aus dem Stein gelöst, und Unmengen an Treibhausgasen ausgestoßen, wenn es geschmolzen wird. Dabei gibt es nicht wenig Gold auf der Welt: 187 200 Tonnen, oder, etwas plastischer, ein Würfel mit 21 Metern Kantenlänge wurde in der Menschheitsgeschichte schon geschürft, schätzt der Branchenverband World Gold Council. Allein die US-Notenbank saß zuletzt auf einer Reserve von gut 8100 Tonnen, Deutschland kam auf knapp 3400 Tonnen, China und Russland lagen bei jeweils um die 2000 Tonnen. Dabei wird Gold, anders als etwa Silber oder Platin, kaum industriell genutzt. Es ist einfach nur wertvoll - und deshalb begehrt.

Viel Gold in Schmuckschatullen

Also wird weitergeschürft, zuletzt jedes Jahr durchschnittlich weitere knapp 3000 Tonnen Gold und rund 23 700 Tonnen Silber. Recycelt wurde dagegen deutlich weniger, nur gut 1400 Tonnen Gold und 4800 Tonnen Silber. Mehr als die Hälfte der jährlichen weltweiten Goldproduktion - also mehr als 2200 Tonnen - landete aber nicht in den Kellern der Zentralbanken, sondern in privaten Schmuckschatullen. Beim Silber waren es gut 5300 Tonnen und damit immerhin fast ein Sechstel der Gesamtmenge.

Warum aber gibt es nicht längst mehr Recycling-Schmuck? Schließlich lassen sich Gold und Silber ohne Qualitätsverluste praktisch beliebig oft einschmelzen und neu verarbeiten. Ein Problem sei aber der Nachschub, vor allem beim Silber: "Die Nachfrage war da bisher nicht so groß", sagte Pandora-Chef Alexander Lacik der Financial Times. Silber ist nach eigenen Angaben das wichtigste Material für die Firma, nach Gewicht macht es mehr als die Hälfte aller verarbeiteten Rohstoffe aus, insgesamt 340 Tonnen pro Jahr. Hinzu kämen 300 Kilogramm Gold. Zwar verarbeite Pandora bereits heute zu mehr als zwei Dritteln recyceltes Silber und Gold. "Als größter Schmuckhersteller der Welt denken wir aber, dass wir ein Zeichen setzen und die Nachfrage ankurbeln können", sagte Lacik.

Einen Marketing-Effekt erwartet er durch die Umstellung erst einmal allerdings nicht. Eher rechne er sogar damit, den Kunden erst einmal erklären zu müssen, dass ihr Schmuck nun nicht schlechter wird, nur weil er aus Omas altem Ring oder Papas alter Krawattennadel geformt wird.

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