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Nach Panama Papers:Steuerfahnder haben schon eine Milliarde Euro zurückgeholt

Panama City: Der Datenberg von mehr als 11,5 Millionen Dokumenten stammt von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca.

(Foto: Luis Acosta/AFP)
  • Drei Jahre nach der Veröffentlichung der Panama Papers holen sich Steuerbehörden immer noch Millionen an hinterzogenen Geldern zurück.
  • Dabei summieren sich die zurückgeholten Gelder inzwischen auf etwas mehr als eine Milliarde Euro. Auf Deutschland entfallen davon etwa 150 Millionen.
  • Die Behörden ermitteln weiter und die Recherchen der Panama Papers sorgen immer wieder für Schlagzeilen.

Die Milliardengrenze ist gesprengt: Drei Jahre nach der Veröffentlichung der Panama Papers sind Steuerbehörden weltweit weiterhin damit beschäftigt, sich Millionen an versteckten oder hinterzogenen Geldern zurückzuholen. Dabei summieren sich die zurückgeholten Gelder inzwischen auf etwas mehr als eine Milliarde Euro. Ziemlich genau 150 Millionen Euro davon wurden nach Recherchen von SZ, NDR und WDR von deutschen Ermittlern wieder beschafft.

Der Datenberg von mehr als 11,5 Millionen Dokumenten stammt von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca (Mossfon) und wurde der Süddeutschen Zeitung zugespielt. Die SZ wertete die Daten gemeinsam mit dem Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) sowie über 100 Medien in rund 80 Ländern aus. Die aus den Recherchen resultierenden Berichte sowie die vom ICIJ online gestellte Datenbank führten zu einer ersten Welle von behördlichen Untersuchungen. Nachdem das Bundeskriminalamt (BKA) im Sommer 2017 laut der Behörde ebenfalls in Besitz von Mossack-Fonseca-Daten kam, folgten weitere Ermittlungen. Zumal das BKA die Daten seit einiger Zeit nicht nur innerhalb von Deutschland zur Strafverfolgung weiterreicht, sondern auch an Behörden anderer Länder.

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Die führenden Nationen bei der Rückholung von versteckten Geldern sind Großbritannien, das umgerechnet rund 225 Millionen Euro eingesammelt hat, Australien mit insgesamt 82 Millionen Euro und Frankreich mit etwa 121 Millionen Euro. Allein in Frankreich wurden seit Erscheinen der Panama Papers im April 2016 mehr als 500 Untersuchungen durchgeführt. Aber auch kleinere Länder sind erfolgreich darin, mittels der Panama Papers Betrüger aufzuspüren: Belgien konnte mehr als 16 Millionen Euro zurück in öffentliche Kassen holen, in Österreich werden durch Strafen und Nachzahlungen wohl etwa 4,5 Millionen Euro eingenommen werden und Finnland kann immerhin noch zwischen einer und zwei Millionen Euro verbuchen. Ein Ende ist dabei noch nicht abzusehen, viele Untersuchungen laufen noch.

Die Verantwortlichen bei Mossack Fonseca stehen weiter im Fokus der Behörden

Vergangene Woche erst rückten 40 kanadische Kriminalbeamte aus, um an zwei Adressen in Vancouver den Spuren eines 68-Millionen-Euro Betrugs zu folgen, der durch die Panama Papers aufgeflogen war. Die Behörden erklärten, es können noch Monate oder sogar Jahre dauern, bis die Ermittlungen abgeschlossen seien, jedoch: das Netz zieht sich zusammen. Kanada hat sich bislang mehr als 6 Millionen Euro wiedergeholt.

Auch die Verantwortlichen bei Mossack Fonseca stehen weiterhin im Fokus der Behörden, obwohl die Firma im April 2018 ihre Tätigkeit beendet hatte - die Panama Papers hatten ihren Ruf "irreparabel beschädigt", so ein Sprecher. Beide Firmengründer - der in Fürth geborene Jürgen Mossack und der panamaische Anwalt Ramon Fonseca - wurden vor einigen Wochen von der Polizei erneut vernommen, laut Presseberichten fast zwölf Stunden lang. Auch führende Ex-Mitarbeiter der Kanzlei erwarten Verfahren, darunter zwei weitere Deutsche.

Einer der beiden, Dirk Brauer, gehört zu den vier Angeklagten einer ersten Panama-Papers-Anklage des US-amerikanischen Justizministeriums, die im Dezember öffentlich wurde. Im Mittelpunkt dieser Anklage steht der deutschstämmige Investmentbanker Harald von der Goltz, der in London festgenommen und nach New York ausgeliefert worden war. Er soll Dutzende Millionen US-Dollar hinterzogen haben.

Brauer soll wohl einfach weitergemacht haben - jetzt kooperiert er

Die Rolle des deutschen Mossfon-Mitarbeiters Dirk Brauer endete nicht mit den Veröffentlichungen der Panama Papers, Brauer soll einen seiner Kunden und dessen vermeintlichen Finanzberater auf den Bahamas getroffen haben, und beraten, wie man weiterhin Geld waschen und Steuern hinterziehen könne. Der Kunde kooperierte allerdings längst mit den US-Behörden - und der vermeintliche Finanzberater war ein US-Undercover-Ermittler.

Ironischerweise kooperiert Dirk Brauer inzwischen ebenfalls mit staatlichen Stellen: dem BKA und der Münchner Staatsanwaltschaft. Seine Aussagen werden offenbar zu einer Vielzahl weiterer Verfahren führen. Angeblich soll er sogar angeboten haben, US-Beamten bei ihren Ermittlungen zu helfen. Brauer wurde vor einiger Zeit gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft in München entlassen. Aber auch zuvor kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Panama-Papers-Razzien in der Bundesrepublik.

Nicht nur da: Weltweit setzten Ermittler im vergangenen Jahr im Nachgang der Panama Papers weitere Durchsuchungen und Verhaftungen durch. Ein früherer südkoreanischer General wurde wegen Korruption angeklagt, der ehemalige Präsident von El Salvador soll über Mossack Fonseca Geld gewaschen haben, der frühere Geschäftsführer von Siemens in Mexiko wird von deutschen Ermittlern wegen des Verdachts der Untreue gesucht.

BKA reist noch nach Panama

Auch in der Finanzwelt machen die Panama Papers immer noch Schlagzeilen. Im März musste die Vorstandschefin der schwedischen Svedbank zurücktreten, offenbar weil die Bank US-Behörden in Bezug auf Panama Papers nicht die Wahrheit gesagt hatte. Und Ende November durchsuchten Fahnder von BKA und Staatsanwaltschaft Frankfurt stundenlang das Frankfurter Hauptquartier der Deutschen Bank, unter anderem wegen Verstrickungen der Bank in Panama Papers. Für die Bank, die längst als notorisch anfällig gilt in Sachen Geldwäsche, war die Razzia ein Desaster, der Aktienkurs fiel, die Reputation ging weiter in den Keller. Noch sind die Ermittler dabei, das beschlagnahmte Material zu sichten; erste Zwischenstände werden erst in einigen Wochen erwartet.

Derzeit laufen bei etlichen deutschen Staatsanwaltschaften Ermittlungen mit Panama-Papers-Bezügen. An diesem Sonntag wird eine Delegation des BKA und der Staatsanwaltschaft München nach Panama reisen, um weitere Beweise zu sichten; sogar der Münchner Generalstaatsanwalt Reinhard Röttle wird von der Partie sein. Vor allem interessieren sich die Ermittler für etliche Aktenordner, die panamaische Polizisten bei der Durchsuchung der Mossack-Fonseca-Kanzlei 2016 sichergestellt haben. Darin sollen sich Informationen zu einigen Deutschen finden, gegen die ermittelt wird.