Panama:Hälfte der Panamaer hat noch nie von Panama Papers gehört

Lesezeit: 2 min

Skyline von Panama-Stadt. (Foto: imago stock&people)

An vielen Bürgern des Landes geht die Debatte scheinbar vorbei. Und in der Hauptstadt fürchtet man sich vor allem vor dem Imageschaden.

Von Boris Herrmann, Rio de Janeiro

Eine Woche ist vergangen, seit die Ermittler der panamaischen Staatsanwaltschaft die Zentrale der Kanzlei Mossack Fonseca durchsuchten. Sie blieben über Nacht, ließen sich zwischendurch ein Frühstück bringen und zogen erst 27 Stunden später mit einigen Servern und allerlei Daten wieder ab. "Wir sind zufrieden mit den großen Aktenmengen, die wir mitnehmen konnten", sagte der Ermittlungsleiter Javier Caraballo.

Über Mossack Fonseca (Mossfon) wurden unzählige Briefkastenfirmen gegründet, die unter anderem von Steuerhinterziehern, Politikern, Prominenten und Kriminellen benutzt werden. In den Akten, die Caraballo sicherstellte, müsste sich also gewaltiger Sprengstoff verbergen. Gemessen daran, liegt eine ruhige Woche hinter Panama.

Die Staatsanwaltschaft hat sich bislang weder zum Fortgang noch zur Stoßrichtung der Ermittlungen geäußert. Es heißt lediglich, dass die Daten aus der Kanzlei analysiert werden. Nebenbei werden Zeugen befragt, darunter auch Journalisten der Tageszeitung La Prensa , die mit der SZ bei den Recherchen zu den Panama Papers kooperiert. Das deutet zumindest darauf hin, dass nicht nur nach Straftaten der Kanzlei und ihrer Kunden gesucht wird, sondern auch nach dem Informationsleck. So, wie das der Mossfon-Gründer Ramón Fonseca in einem Statement vergangene Woche gefordert hat. Es ist kein Geheimnis, dass seine Firma enge Verbindungen zur Politik pflegt. Fonseca selbst war bis vor wenigen Wochen Minister im Kabinett sowie Präsident der Regierungspartei.

SZ PlusSamstagsessay
:Rettet die Steuermoral

Reiche verschieben ihr Geld nach Panama. Normalbürger tricksen bei der Putzfrau. Gegen Steuerbetrug kann man nichts machen? Falsch! Der Staat muss für Ehrlichkeit sorgen und bei den Reichen anfangen.

Von Marc Beise

Eine Umfrage zeigt: Die Hälfte der Einwohner hat noch nie von den Panama Papers gehört

Auch andere einflussreiche Anwälte wie etwa Adolfo Linares, der ehemalige Präsident der Industrie- und Handelskammer, meinen, dass nicht nur gegen Mossfon, sondern auch gegen den Informanten ermittelt werden müsse. Der Präsident der Anwaltskammer, José Alberto Álvarez, stellte die Frage, ob bei der Razzia möglicherweise Geschäftsgeheimnisse der Kanzlei und ihrer Kunden verletzt wurden.

Derweil geht es in der Zentrale der Firma scheinbar weiter, als ob nichts geschehen wäre. Laut Augenzeugen kommt auch Ramón Fonseca täglich zur Arbeit. Nach Informationen von La Prensa wurden bislang keinerlei Konten gesperrt. Mehrere Finanzbehörden beschäftigen sich inzwischen allerdings mit dem Fall, darunter die panamaische Bankenaufsicht sowie ein neu gegründetes Überwachungsgremium, das dem Wirtschafts- und Finanzministerium angeschlossen ist. Minister Dulcidio De La Guardia hat dazu bislang allerdings keine weiteren Details verraten.

In Panama-Stadt dreht sich die öffentliche Debatte vor allem um die Frage, wie groß der Imageschaden der Enthüllungen für die nationale Wirtschaft ist, die vor allem auf Dienstleistungen aller Art beruht und deshalb auf ihren guten Ruf angewiesen ist. Offenbar gibt es aber viele Leute, an denen diese Debatten komplett vorbeigehen. Einer vom Fernsehsender TVN in Auftrag gegebenen Studie zufolge hat knapp die Hälfte der Bevölkerung noch nie etwas von den Panama Papers gehört. Von denjenigen, die den Fall kennen, vermutet die Hälfte, dass gegen Mossack Fonseca "nicht bis zur letzten Konsequenz" ermittelt werden wird.

© SZ vom 21.04.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: