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Logistik:Paketdienste stellten mehr als 10 000 Leute ein

Paketzustellerin von UPS United Parcels Service bei der Zustellung von Paketn in der Innenstadt München, Bayern, Deutsc

Eine Mitarbeiterin von UPS stellt in München Pakete zu.

(Foto: Ralph Peters/imago images)

Die Zahl der Sendungen ist 2020 so stark gestiegen wie nie zuvor. Obwohl Geschäfte wieder einfacher öffnen dürfen, erwartet die Branche auch 2021 Rekorde.

Von Benedikt Müller-Arnold

Eigentlich will Marten Bosselmann Jahresbilanz ziehen, aber für eine Weile mimt er den Personalberater. "Jeder kann bei uns anfangen", bettelt der Chef des Bundesverbands Paket und Expresslogistik (BIEK), man müsse kein Studierter sein. "Eine robuste Gesundheit ist von Vorteil", mahnt Bosselmann noch: "Steigen Sie ein in einen Boom-Markt!"

Wie viel Zusteller während der Pandemie zu schleppen hatten, zeigt eine Studie der Beratungsfirma KE-Consult im Auftrag des Verbands. Demnach wurden 2020 erstmals mehr als vier Milliarden Paket-, Express- und Kuriersendungen durch Deutschland transportiert. Das entspricht einem nie dagewesenen Anstieg um zehn Prozent binnen Jahresfrist. "Corona hat diesen Wachstumssprung verursacht", sagt Studienautor Klaus Esser.

Zwar haben rein stationäre Händler oder Firmen aus der Autoindustrie im Krisenjahr weniger verschickt und empfangen. Doch im Gegenzug bestellen Privatleute deutlich mehr im Internet, seitdem Geschäfte allenfalls unter Auflagen öffnen dürfen. Während mancher Ladenbesitzer also kämpft, sind Paketdienste froh, dass sie schon in Vorjahren Verteilzentren gebaut und Fahrzeuge beschafft haben. Und während Branchen wie das Gastgewerbe litten, schafft die Logistik neue Arbeitsplätze: Gut 255 000 Beschäftigte zählen Paket-, Express- und Kurierdienste mittlerweile bundesweit, 10 600 mehr als im Vorjahr; freilich arbeiten viele Boten nur als Aushilfen oder bei Subunternehmern. Die Studie basiert auf einer Befragung der Firmen, amtlichen Statistiken sowie Geschäftsberichten.

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Da erweist es sich im Nachhinein als gutes Timing, dass der Bund Paketdienste Ende 2019 stärker in die Haftung genommen hat, was die Arbeitsbedingungen bei Dienstleistern betrifft. Immer wieder fand der Zoll in der Vergangenheit Hinweise, wonach Subunternehmen Zusteller nur mangelhaft zur Sozialversicherung angemeldet oder den gesetzlichen Mindestlohn ausgehebelt hatten.

Doch: Werden die Boten künftig seltener klingeln, da Geschäfte wieder mit weniger Auflagen öffnen dürfen? "Diese hohen Wachstumsraten werden wir nicht mehr in dieser Menge haben", prognostiziert Marktforscher Esser zwar. Dennoch bleibe der Onlinehandel wohl auf hohem Niveau. Während der Krise hätten zusätzliche Kundengruppen das Bestellen für sich entdeckt, heißt es etwa vom Paketdienst DPD. Die Mengen seien auch 2021 an vielen Tagen auf Spitzenniveau, berichten Hermes und Go. Die Zahl der Sendungen von Unternehmen an Unternehmen dürfte ebenfalls wieder anziehen.

Esser sagt voraus, dass die Zahl der Paket-, Express- und Kuriersendungen bis 2025 auf 5,7 Milliarden jährlich steigen könnte. Wenn das so kommt, brauche die Branche wohl 60 000 weitere Beschäftigte. Verbandschef Bosselmann wird mithin noch häufig für seine Firmen trommeln müssen.

© SZ
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