Paket-Zusteller:Verdi beobachtet Amazons eigene Zustellung

Nach außen gibt sich die Post gelassen. "DHL Paket ist und bleibt ein wesentlicher Erfolgsfaktor des E-Commerce-Wachstums in Deutschland", sagt Paketchef Achim Dünnwald. Man bringe alles mit, um der bevorzugte Partner großer Konzerne, mittelständischer Unternehmen und kleiner Anbieter zu sein. "Das gilt natürlich auch für Amazon", sagt Dünnwald.

Doch aufgrund seiner schieren Größe sitzt Amazon am längeren Hebel: Welcher Paketdienst welche Sendungen zustellt, entscheidet der Konzern nach eigenen Angaben von Monat zu Monat oder auch von Tag zu Tag. Das hänge von der Menge der Pakete, den vorhandenen Kapazitäten der Paketdienste, deren regionaler Nähe - und natürlich vom Preis ab. DHL und Hermes berechnen Großkunden wie Amazon deutlich weniger als jene vier bis zehn Euro, die ein Privatkunde pro Sendung bezahlen muss. Die Post gewährt bereits Sonderkonditionen für Kunden, die mehr als 10 000 Pakete pro Jahr verschicken. Nach der Gewinnwarnung will der Konzern nun höhere Preise durchsetzen, wenn er Verträge verlängert oder neu abschließt.

Ziel von Amazon bleibt indes, selbständiger zu werden. Kürzlich gründete der Konzern vier regionale Transportgesellschaften. Zudem baut er eigene Schließschränke in die Nähe von Tankstellen, Bahnhöfen oder Supermärkten. Die grauen "Amazon Locker" machen den gelben Packstationen von DHL Konkurrenz. In München und Berlin experimentiert Amazon zudem mit Freiberuflern, die mit ihren eigenen Fahrzeugen Sendungen ausfahren - gegen ein Honorar von 16 Euro pro Stunde. Allerdings sei die Zahl der "Amazon Flex"-Boten in beiden Städten nur zweistellig und damit sehr gering, heißt es von dem Konzern.

"Nur mit fest angestellten Zustellerinnen"

Selbständige Hilfskräfte und keine fest angestellten Boten: Die Gewerkschaft Verdi beäugt Amazons eigene Zustellung bis an die Wohnungstür kritisch. "Wir sind überzeugt davon, dass eine dauerhaft zuverlässige Dienstleistung nur mit fest angestellten Zustellerinnen und Zustellern, wie sie Deutsche Post AG hat, erbracht werden kann", sagt Sigrun Rauch vom Verdi-Bundesvorstand. Zwar sind auch bei der Post viele Zusteller zunächst nur befristet beschäftigt. Zudem stellt der Konzern zusätzliche Paketboten seit drei Jahren nur noch in sogenannten "DHL Delivery"-Gesellschaften an. Dort erhalten sie aber immerhin Tariflöhne der Speditions- und Logistikbranche und sind fest bei einem mitbestimmten Konzern angestellt.

Der Post bleibt als Wettbewerbsvorteil die Verbundzustellung: In ländlichen Gebieten trägt ein und derselbe Bote Briefe und Pakete aus. So verteilen sich die Kosten für Personal und Transport auf beide Bereiche. Und dass Amazon auch auf dem Land eine eigene Zustellung bis in die Häuser aufbauen könnte, daran glauben nicht mal die pessimistischsten Post-Manager.

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