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Autoverleih:Warum die Carsharing-Firma Oply aufgibt

Katharina Wagner auf dem SZ-Wirtschaftsgipfel in Berlin, 2019

Katharina Wagner: "Es ist keine Insolvenz, es ist eine ordentliche Liquidation, die wir jetzt sauber abschließen."

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Oply wollte eine Lücke füllen zwischen den Autovermietern und den großen Carsharing-Anbietern.
  • Das Vorhaben ist gescheitert - Oply stellt den Betrieb Ende Februar ein.

Die Hoffnungen waren groß, als das Unternehmen im April 2018 in München an den Start ging. "Die Menschen sind offen für neue Ideen, und die Politik steht dem Thema positiv gegenüber", sagte damals Katharina Wagner, die die Deutschland-Geschäfte von Oply führt. Wagner, 36, wollte eine Lücke füllen zwischen den Autovermietern und den großen Carsharing-Anbietern wie Drive-Now und Car2go (die inzwischen fusioniert haben). Die Oply-Fahrzeuge können per Smartphone-App nur in gewissen Zonen ausgeliehen und wieder abgestellt werden (und auch länger gemietet werden). Das Motto lautete: "Oply ist der Nachbar auf Rädern." Das nächste Fahrzeug sollte nie mehr als zehn Minuten Fußweg entfernt sein.

Das Konzept ist gescheitert. Oply stellt bis Ende Februar seinen Dienst ein, teilte die Firma am Dienstag mit. "Es ist keine Insolvenz, es ist eine ordentliche Liquidation, die wir jetzt sauber abschließen", sagt Wagner. Die Oply-Chefin ist enttäuscht, Ende vergangener Woche musste sie bereits erste Kündigungen aussprechen. "Wir haben bis zum letzten Moment gehofft", erzählt sie. Am Ende fehlte vor allem das Geld. Die eingeplante Finanzierungsrunde sei aussichtslos. Oply gehört zu einer luxemburgischen Firma, bei der wiederum der chinesische Automobilkonzern SAIC der größter Anteilseigner ist - und der wollte nicht weiter investieren.

Zuletzt mehr als 60 000 Kunden

Wagner ist eloquent und hat die Geschäftsidee immer mit Verve vertreten. Sie hat Betriebswirtschaft studiert, teilweise in Indien, und arbeitete zuvor bei der Bertelsmann-Tochter Arvato sowie unter anderem vier Jahre lang bei Car2go, der Tochterfirma von Daimler. Den Job gab sie auf, um zu Oply zu wechseln. Wagner besaß mit 19 Jahren für ein Jahr ein Auto, und dann lange nicht mehr. Als Großstadtmensch - die gebürtige Bayerin lebt in Berlin - brauche man kein eigenes Fahrzeug, sondern nutze besser den Nahverkehr, das Fahrrad oder Sharing-Dienste, hatte sie immer gedacht.

Als dann aber das zweite Kind kam, merkte sie, dass es doch viel weniger kompliziert ist, wenn ein eigenes Auto vor der Tür steht. Zwei Kindersitze zusätzlich zum Wagen schleppen, sei fast unmöglich. Deshalb hat sie sich von den Schwiegereltern erst einmal ein Auto geliehen. Oply ist derzeit noch in München, Berlin und Hamburg aktiv mit insgesamt 510 Fahrzeugen, viele davon weiße Ford-Modelle. Die Autos waren alle geleast und gehen jetzt zurück.

Nach eigenen Angaben gab es zuletzt mehr als 60 000 Kunden. Die 50 Mitarbeiter, 30 in Berlin am Alexanderplatz und 20 in Luxemburg, sind dann ihre Jobs los. Die Bereitschaft von Geldgebern, in neue Mobilitätskonzepte zu investieren, sei stark gesunken, sie seien sehr vorsichtig geworden, sagt Wagner. Die Lage habe sich vor einiger Zeit schlagartig geändert. Ein Grund sei auch die Fastpleite von Wework, einem Anbieter von gemeinsamen Arbeitsplätzen und Büros, dies habe sich negativ ausgewirkt.

"Ich habe das Gefühl, dass da gerade eine Blase platzt", meint Wagner. Und Mauro Mariani, Chef und Gründer der luxemburgischen Muttergesellschaft, teilt mit: "Unser zonenbasiertes Carsharing-Angebot passt zwar genau in die Zeit, für Finanzierungen ist es aktuell aber ein schlechtes Momentum." Mit den Problemen im Carsharing-Angebot ist Oply nicht allein: Daimler und BMW etwa haben ihre beiden Angebote unter der Marke Share-now zusammengefasst - und zuletzt angesichts der Verluste deutlich zusammengestrichen: Im Dezember wurden die Aktivitäten in Nordamerika sowie in wichtigen europäischen Städten eingestellt, ein Viertel der Kunden ging damit verloren. In diesem Umfeld ist auch für Oply kein Platz mehr.

© SZ vom 05.02.2020/hgn
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