Operation missglückt:Ärzte stimmen sich auf Streik ein

Die Fronten verhärten sich weiter: Nachdem die Tarifverhandlungen der Ärzte gescheitert sind, bekräftigt die Gewerkschaft ihre Forderungen. Schon im Mai drohen Streiks.

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen für die rund 55.000 Ärzte an kommunalen Kliniken beharrt der Marburger Bund auf seinen Forderungen nach mehr Einkommen für die angestellten Mediziner.

Der Marburger Bund sei zwar bereit, den kommunalen Arbeitgebern entgegenzukommen und von seiner Fünf-Prozent-Forderung abzurücken, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Rudolf Henke, im ZDF-Morgenmagazin.

Ein Abschluss über die angebotenen 2,9 Prozent für drei Jahre sei jedoch angesichts der unvorhersehbaren wirtschaftlichen Lage inakzeptabel.

Angesichts 5000 unbesetzter Ärztestellen in den kommunalen Kliniken wandte sich Henke zudem gegen den Einsatz von Honorarärzten durch die Arbeitgeber.

Urabstimmung

Nach einem 28-stündigen Verhandlungsmarathon waren die Tarifgespräche Vortag in Düsseldorf gescheitert. Nun soll es eine Urabstimmung über einen Streik an den bundesweit 800 kommunalen Krankenhäusern geben. Ein genauer Zeitrahmen wurde zunächst nicht genannt, doch schon im Mai wären Streiks möglich.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, Wolfram-Arnim Candidus, hält den im Mai drohenden Ärztestreik für "allemal berechtigt". Über Jahre hinweg sei eine angemessene Bezahlung von Assistenzärzten und Oberärzten "auf dem Altar der Ökonomie geopfert worden", sagte Candidus im Deutschlandradio Kultur.

Die Arbeitgeber kritisierten das Vorgehen der Gewerkschaft scharf. "Dieses Vorgehen ist in Inhalt und Stil in keiner Weise akzeptabel", sagte Joachim Finklenburg, Verhandlungsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). "Der Marburger Bund lässt auch am heutigen Tag ernsthaften Einigungswillen vermissen."

Zuvor waren nach einem knapp 24-stündigen Gesprächsmarathon in fünfter Runde die Tarifgremien beider Parteien am Donnerstagmittag über den Verhandlungsstand informiert worden. "Wir haben immer gesagt, dass wir die fünfte Runde als letzte Chance ansehen", hatte eine Sprecherin des Marburger Bundes vor Abbruch der Gespräche gesagt.

Die Gewerkschaft verlangt für die 55.000 Ärzte an rund 800 kommunalen Kliniken neben einer linearen Gehaltserhöhung um fünf Prozent auch Verbesserungen bei der Vergütung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen.

"Langwierig und schwierig"

Die Arbeitgeber boten den Ärzten nach eigenen Angaben zuletzt eine Gehaltserhöhung von 2,9 Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten an. Die Vergütung des Bereitschaftsdienstes sollte demnach zwischen 16 und 20 Prozent steigen, zusätzlich sollten Zuschläge für Nachtarbeit eingeführt werden.

"Wir haben in langwierigen und inhaltlich schwierigen Verhandlungen heute früh einen gemeinsamen Stand erreicht, den beide Seiten als Weg für einen Abschluss gesehen haben", sagte Finklenburg. Der Marburger Bund habe nun das Erreichte vom Tisch gewischt.

Die Tarifverhandlungen begannen am 18. Januar. Um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen, traten am 22. März Tausende Mediziner in einen Warnstreik.

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