Opel:GM sei mitverantwortlich für die Verluste, sagen Opelaner

Lesezeit: 5 min

Das Geld müsste reinkommen durch den Verkauf der Autos, die sie in der Halle nebenan bauen. Dort rutschen auf dem Band Stahltrümmer durch die Halle, am Ende kommen Insignias heraus, die Vorzeigewagen, deren neue Version in Genf Premiere feiert. Auf dem Hof fährt einer umher, recht schick, durchaus. Aber wer in die Fabrik schaut, der kann auch nostalgisch werden: Jahraus, jahrein rackern diese Leute, 400 pro Schicht - am Ende bleibt nie ein Gewinn in der Kasse. Liebhaberei auf hohem technischen Niveau.

Dabei ging es zuletzt aufwärts, wegen Grumpy Cat und weil sie bei Opel wieder sehr ordentliche Wagen bauen; aber in die schwarzen Zahlen wird man wohl erst 2018 kommen. Die Leute hier erklären das so: Dass wir derzeit nur gut eine Million Autos verkaufen und noch keinen Gewinn machen, liege doch auch daran, dass GM Opel verbiete, in andere Märkte zu gehen: "Die lassen uns nicht, dabei könnten wir!"

Das unterschlägt, dass GM die deutsche Tochter teils mit einer Milliarde Euro pro Jahr alimentierte. Und dennoch hoffen sie in Rüsselsheim auf Frankreich, hoffen darauf, dass PSA-Chef Carlos Tavares es ernst meint, wenn er sagt, er wünsche sich eine deutsche Marke mit deutschen Ingenieuren. Wobei das mit den Ingenieuren eine von zwei zentralen Klippen sein dürfte in den Verhandlungen zwischen GM und PSA. Das eine Problem: Wer schultert die milliardenschweren Rentenansprüche? Das andere Problem: Was passiert mit dem High-Tech-Wissen? Erst im Herbst haben sie ganz stolz das Gebäude P 60 eingeweiht. 600 Experten für Antriebstechnik haben sich hier versammelt, haben Motorprüfstände hingestellt bekommen. 7700 Entwickler sind es insgesamt in Rüsselsheim, mehr als in der Produktion. Das Forschungszentrum ist der Stolz der Region. Aber es heißt nicht umsonst "internationales Entwicklungszentrum": All die Leute arbeiten für GM. Wenn Opel etwas braucht für seinen neuen Insignia, werden Lizenzgebühren in Detroit fällig, selbst wenn es in Rüsselsheim erdacht wurde. "Wir sind eine Betriebsstätte von GM, das kann man nicht einfach teilen", sagt einer aus dem Konzern, der sich auskennt.

Ein paar "Mtr Cty"-Aufkleber sind in der Stadt verklebt. Das passt gut. Die Motor City, das ist eigentlich Detroit, die Heimat von GM, die auch eine Museumsstadt zu werden drohte. Rüsselsheim, eine halbe Autostunde südwestlich von Frankfurt, ist ähnlich geprägt vom Autobau. Oberbürgermeister Patrick Burghardt, 36, Insignia-Fahrer, hat die letzte große Krise live mitbekommen. Vor acht Jahren, als GM in existenziellen Schwierigkeiten steckte und auch der Tochter Opel das Geld ausging, saß der CDU-Politiker noch im Landtag, stimmte für eine Bürgschaft, um Opel zu retten, ein Pfingstsonntag war das, er erinnert sich noch gut. Damals wollte GM schon einmal die deutsche Tochter verkaufen - es klappte nicht, wobei die Gründe dafür nicht ganz geklärt sind. Jedenfalls war es eine Hängepartie, mit Interessenten aus China, Russland und Österreich, und mit Einmischungen von vielen Seiten.

Die Situation heute sei mit damals nicht zu vergleichen, sagt der OB. Opel sei stolzer geworden. Der Grumpy-Cat-Kalender mag Ausdruck davon sein, der auf seiner Büroetage hängt. "Ich spüre gerade viele Fragezeichen, aber keine Ausrufezeichen, es ist keine Katastrophenstimmung, eher Spannung auf Neues." Und er spricht aus, was die meisten im Ort sonst murmeln: "Das sollte nun zustande kommen, alles andere wäre ein GAU." Ein zweites Mal zurück zu jemandem, der einen nicht haben will, das wäre ein Desaster, dann wären alle Bemühungen um gute neue Autos mit neuem Image dahin.

Dann würde der Spruch stimmen, den die Opelaner bei Katzen-Partys zum Spaß auf Luftballons drucken: "This is the worst, worst Party ever", das ist die schrecklichste Veranstaltung, die es je gab. Ganz ohne Ironie.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema